Sulaymaniya BEATS IN IRAQ

BEATS IN IRAQ
© Goethe-Institut, Sophia Nitti

Ein Konzert mit über 700 Fans, die Hälfte von ihnen junge Frauen, in einer leeren Fabrikhalle im Herzen der Stadt Sulaymaniya.

Anfangs waren Vorbehalte zu spüren, ob dieser Ort geeignet sei, und ob man zu einem Konzert in der unfertigen Halle überhaupt gehen solle. Doch spätestens nach den ersten Lieder löst sich die Spannung, die Masse bewegt sich im Rhythmus der elektronischen Musik allerlei Länder, singt mit bei den live präsentieren kurdischen und arabischen Liedern. Als schließlich die kurdische Sängerin Hani Mojtahedy die Bühne betritt, wird sie von einer wahren Flut von Begeisterungsrufen empfangen. Ihre Lieder kennt man und das Publikum singt mit. Nach vier Liedern verlassen Hanis Musiker die Bühne und machen den Weg frei für DJ Ipek aus Berlin. Ipek und Hani beginnen zu improvisieren, elektronische Klänge untermalen die stimmgewaltigen Kolorationen Hanis. Als dann auch noch Hadi Zeidan aus Paris ans Pult tritt, ist der Underground endgültig in Sulaymaniya angelangt.
 
Die Veranstaltung BEATS IN SULI ist der Abschluss einer zweiwöchigen Workshopreihe unter dem Namen BEATS IN IRAQ, die vom 10. bis zum 25.04.2019 in der zum Kulturort umfunktionierten Tabakfabrik in der Innenstadt Sulaymaniyas stattfand. Junge Künstler aus dem gesamten Irak wurden eingeladen, um zusammen ihre Erfahrungen mit elektronischer Musik zu erweitern und ein gemeinsames Konzert zu planen. Als Trainer für dieses deutsch-französische Projekt standen die DJs und Produzenten Hadi Zeidan aus Paris und Ipek Ipekcioglu aus Berlin mit Begeisterung den Teilnehmer*innen zur Seite. In den zwei Wochen ging es vorrangig um Grundlegendes zur elektronischen Musik und DJing, aber auch darum, wie man sich als junger Künstler auf Konzerte und Aufträge vorbereitet. Geradezu eine Offenbarung war für viele die Erkenntnis nach dem ersten Tag, dass man sich mit bereits vorhandenen Mitteln (zum Beispiel ein Laptop und Bluetooth-Boxen) ganz alleine ein ganz passables Home-Studio einrichten kann.
Auch der Besuch eines lokalen Musikarchivs brachte lohnende Erkenntnisse. Aufnahmen alter kurdische Lieder konnten so in die Tracks der jungen Musiker mit aufgenommen werden. Für manche der Teilnehmer*innen, die meist der westlichen oder persischen Musik verhaftet sind, war das der erste bewusste Umgang mit den musikalischen Traditionen ihrer eigenen Region.
 
Die Aussicht auf ein gemeinsames Konzert, das von der berühmten Sängerin Hani unterstützt werden würde, schweißte die Gruppe schnell zusammen. Denn neben den musikalischen Inhalten galt es auch, Plakate und Ankündigungen für das Konzert anzufertigen und sich sein Publikum selbst zu generieren. Der durchschlagende Erfolg des Abends wurde hart erarbeitet. Jede* Teilnehmer*in füllte einen 30 minütigen Slot auf der Bühne mit seinem eigens gestalteten Programm. Dass es allen Teilnehmer*innen gelang, ihr Publikum zum Tanzen zu animieren, machte auch die Trainer Ipek und Hadi stolz. Als sie nach Hanis Improvisation für Ihre Programmteile übernahmen, war die Menge bereits außer Rand und Band.
Was bleibt, ist ein neuer Ort für Kultur und Konzerte im Herzen Sulaymaniyas und nachhaltige Freundschaften zwischen kurdischen und arabischen Musikern aus dem Irak. Denn eigens organisierte Folgeveranstaltungen unter dem Namen BEATS IS SULI mit allen Beteiligten sind bereits in Planung.
 
BEATS IN IRAQ wurde vom deutsch-französischen Kulturfonds gefördert und ist ein Projekt des Goethe-Instituts und des Institut Francais im Irak, in Zusammenarbeit mit Kurdsat, Culture Factory, Fost Youth Organisation und White House Restaurant.