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von Redwan Talib aus Sulaymaniyah
Der Aprikosenbaum

Apricot Tree von Ridhwan Talib
Salam Yousry © Goethe-Institut

Redwan Talib wurde in Aleppo, Syrien, geboren. Er beendete eine Ausbildung als Krankenpfleger und zog im Alter von 34 Jahren nach Damaskus um. Im Anschluss an den ersten arabischen Aufstand verließ er 2014 Damaskus und zog in die kurdische Stadt Sulaymaniyya, Irak. Dort arbeitete er als Krankenpfleger und ging nebenbei seiner Leidenschaft für das Theater nach. Schon seit 1997 ist er als Theaterschauspieler tätig und seit 1998 als Regisseur.
 
Redwans Liebe für das Theater wurde nicht im Rahmen einer akademischen Laufbahn geweckt; er hat keine formale Ausbildung in diesem Bereich. Während seiner Zeit in Damaskus arbeitete er als Drehbuchautor mit einer Gruppe namens Lesh (Arabisch für „warum“). Ihre künstlerische Leiterin war die berühmte Syrerin Noura Murad.
 
Der Entscheidung, nach Sulaymaniyya zu flüchten, ging eine Recherche voraus, bei der sich Redwan und seine Frau über das Kulturleben der Stadt informierten; Sulaymaniyya ist bekannt für seine Kunst- und Theaterszene. Sie erreichten die Stadt in der Erwartung, viele offene Türen vorzufinden, doch der Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat und die Finanzkrise belasteten Sulaymaniyya. Diesen Schwierigkeiten zum Trotz fand Redwan 2015 Arbeit am Theater.

Der Aprikosenbaum

Die Idee zum Projekt Der Aprikosenbaum entwickelte Redwan durch einen Workshop, den das Goethe-Institut, für Irakerinnen abgehalten hatte. Dort lernten die Frauen fünf Tage lang ihre eigenen Lebensgeschichten in Form eines Theaterstücks zu verarbeiten, welches später in der Virgin-Mary-Church in Sulaymaniyyas Altstadt, in der sogenannten Sabonkaran Nachbarschaft, aufgeführt wurde.
 
Was Redwans Aufmerksamkeit auf diesen Workshop lenkte, war die Geschichte einer 25-jährigen Frau aus Mossul, deren Haus beim Einzug des sogenannten Islamischen Staats in die Stadt zerstört worden war. Trotz dieses Schicksalsschlags machte sich die Frau vor allem um Eines Sorgen: den schönen Aprikosenbaum in ihrem Garten. Sie wusste nicht, ob der Baum noch stand oder mit ihrem Haus niedergebrannt worden war.
 
Für Redwan besaß diese Geschichte eine enorme Ästhetik und Symbolik. Es handelte sich hier um eine Tragödie, die repräsentativ für die Art und Weise stand, wie Krieg und Terror alles Schöne angriffen und zerstören. Gleichzeitig sah er darin eine Manifestation der Träume der Frauen sowie ihre Ängste alle Schönheit im Leben dahinschwinden zu sehen. Das entstandene Theaterstück gab vielschcihtige Einblicke in die Leiden irakischer Frauen.
 
Obgleich das Stück von Frauen entwickelt wurde, besteht das durch Radwan angeleitete Ensemble aus Frauen wie Männern. Das etwa 15-minütige Stück wurde in Arabisch geschrieben und ins Kurdische übersetzt. Die Vorführung fand in der Veranstaltungshalle des Cinema Salim statt und war gut besucht. Redwan war als Regisseur tätig.
 
Was ihn an dem Stück faszinierte, war die Geistes- und Willensstärke, die diese Frauen in ihrem Streben, die gesellschaftlich errichteten Barrieren in ihrem Leben niederzureißen, zeigten, und ihren Eifer, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen und für Freiheit und Leben zu kämpfen. Redwan hofft nun die nötige Unterstützung zu finden, um seine Arbeit auch in anderen Städten präsentieren zu können.

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