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von Muhammad Sherwani aus Erbil
Ich werde auf dich warten

Mohammed Sherwani W
Salam Yousry © Goethe-Institut

Muhammad Sherwani ist in Erbil geboren und aufgewachsen. Er studierte Musik an der Universität am Institut für Schöne Künste und später Film an der Fakultät für Kunst. Er zog anschließend in die Türkei für ein Masterstudium in Film- und Fernsehproduktion.
 
Er ist Eigentümer und Direktor von Cine Kurd für Film- und Serienproduktion und schreibt Drehbücher. Muhammad beschreibt Erbil als die Stadt seiner Kindheit, Jugend und Erwachsenenzeit; sie sei über siebentausend Jahre alt, habe aber niemals Frieden und Ruhe gekannt. Auch ihre jüngste Vergangenheit ist von einer Bedrohung, der Miliz des sogenannten Islamischen Staats, geprägt. Trotz Erbils langer und reicher Geschichte, erhielten Kunst und Kultur nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienten. Die Filmindustrie werde zudem vom altmodischen Denken älterer Generationen geprägt, während der Jugend der Stadt der Weg zur Erfüllung ihrer Träume weitgehend versperrt bliebe.

Ich werde auf dich warten – Ein Kurzfilm

Ich werde auf dich warten erzählt die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter namens Sohaila. Sie ist verwitwet, seit ihr Ehemann, ein Peschmerga-Kämpfer, im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat ums Leben gekommen ist. Das Leben ist schwierig, denn sie wohnt allein mit ihrer Tochter in einer kleinen Wohnung und um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, muss sie stets eine andere Familie darum bitten, auf ihre Tochter aufzupassen, während sie in einem Restaurant arbeiten geht. Der Film hat eine Länge von etwa 12 Minuten und wurde hauptsächlich in Erbil gefilmt, wo er zwischen zwei Schauplätzen – dem Haus, zu dem Sohaila ihre Tochter vor der Arbeit bringt, und den umliegenden Bergen – hin und her wechselt.
 
Muhammad glaubt, dass Sohailas Leben stellvertretend für die Leben unzähliger anderer Frauen stehe, deren Männer im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat gefallen oder verschwunden sind. Die Sohaila des Films hat nur ein Kind, aber es gäbe hunderte andere Frauen, die gleich mehrere Kinder großziehen und bei ihren Schwiegereltern leben müssten, unfähig im Rahmen der streng-konservativen Gesellschaftsnormen ein eigenständiges neues Leben zu beginnen.
 
Sohaila ist das Beispiel einer kurdischen Frau, die sich nach Unabhängigkeit und Freiheit von repressiven Gesellschaftsnormen sehnt. Gesellschaftsnormen, die nur einen weiteren, aber unsichtbaren Krieg gegen Frauen darstellen, den sie allein und ganz ohne Unterstützung erleiden müssten. Muhammad möchte den Fokus von der eigentlichen, physischen Kriegsfront ablenken und von dem Krieg erzählen, der weitergeht und in der Stille tobt, auch wenn der sogenannte Islamische Staat längst weg ist: Es handelt sich um einen Krieg der Gesellschaft gegen jene Frauen, die ihre Geliebten verloren habe und nun auf sich allein gestellt gesellschaftskonform auf einen Retter warten müssen.

Hintergrund des Films

Muhammads eigenes schwieriges Leben und das ständige Ringen seiner Mutter mit der alleinigen Kindererziehung dienten als Hauptinspiration für seine Filmarbeit. Die untragbaren Bedingungen, unter denen viele Frauen ihre Kinder aufziehen müssen, haben auch Muhammad stark beeinflusst und ihn mit einer tiefen Bewunderung für diese kämpfenden Frauen erfüllt.
 
Muhammad hat sein Versprechen gegeben, in seinen Filmen auf diese Probleme aufmerksam zu machen, weshalb er sich auch Vorwürfen ausgesetzt sieht, die kurdische Gesellschaft in ein schlechtes Licht zu rücken. Muhammads Antwort auf diese Stimmen: „Ich würde ihnen sagen, dass ich nichts anderes als die gesellschaftliche Realität unserer Frauen zeige. Wenn es im Film eine Heldin gibt, muss es auch einen Schurken geben. Wenn ich die Heldin zeige, muss ich auch den Schurken zeigen, der zurückgewandt und konservativ ist und die Sehnsüchte der Frauen im Leben erstickt“. Sohaila heißt die Heldin dieses Films. Sie steht für so viele andere Frauen, die nach dem Tod ihrer Männer mit den repressiven gesellschaftlichen Strukturen zu kämpfen haben. Der Schurke ist Sohailas Chef, der Restaurantbesitzer, eine Personifikation rückwärtsgewandter und frauenfeindlicher Gesellschaftsnormen.

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