PASCH-Sommercamp 2017 Ein Sommer in Kurdistan

PASCH-Sommercamp 2017
Goethe-Institut, Verbindungsbüro Erbil

Der Juli in Kurdistan ist Sommer, wirklich Sommer. Die Temperaturen können da schon mal Höchstwerte bis zu 48 Grad Celsius erreichen. Wie verbringt man als Schüler da am besten die Sommerferien? Bis Mittag dösen, anschließend mit dem Smartphone durch die digitale Welt surfen und bis in die späte Nacht zocken? Nein, dachten sich rund 60 Schüler aus Kurdistan. Am 23. Juli reisten sie aus Duhok, aus Erbil und Sulaymaneyah nach Shaqlawa, um am diesjährigen PASCH-Sommercamp teilzunehmen. Für die jungen Teilnehmer aus Kurdistan war es das erste Mal, alleine zu verreisen und an einem Camping teilzunehmen. Doch was Campen genau bedeutet, konnten sie nicht erahnen. Vier Tage ohne Internet, ohne regelmäßigen Strom sowie Wasser. Und am Ende sollte es dennoch eine ganz besondere Zeit für Alle werden. 

Shaqlawa ist eine kleine Stadt zwischen den Bergen Safin und Sork. Mit seinen zahlreichen Wasserquellen und seiner atemberaubenden Landschaft zieht Shaqlawa besonders in Sommer viele Menschen an. Die Vielfalt der Natur um die Stadt war daher Grund genug, das diesjährige Sommercamp dort zu veranstalten. Nach einer langen Zeit der Vorbereitung und der Vorfreude trafen am 23. Juli die Busse aus den anderen Städten ein. Empfangen wurden die Schüler in Begleitung einiger Lehrer und Betreuer vom Team des Goethe-Instituts sowie von einigen lokalen Lehrern und Schülern aus Shaqlawa. Auch diese Schüler nahmen am Programm des Campings teil und wurden Teil der Truppe. Nach Ankunft aller Teilnehmer musste zunächst die Scheu und die Zurückhaltung der Jugendlichen gebrochen werden, damit sie einander kennenlernen konnten. Daher wurde zur Auflockerung zunächst ein Kennlernspiel gespielt. Das Spiel, bei dem man seinem Gegenüber eine Lüge und eine Fakt über sich erzählen sollte, zielte darauf ab die erste Kommunikation unter den jungen Anwesenden einzuleiten.

Die Tage in Shaqlawa verbrachten die Schüler vormittags, verteilt auf zwei Lerngruppen, im Unterricht. Dieser wurde zuvor ausführlich von den Lehrern Frau Gona und Herr Belan ausgearbeitet. Zusammen einigten sie sich auf die Themen Umwelt, Landeskunde, Internet und die Vorstellung der eigenen Person. Die Herausforderung für beide Lehrkräfte lag in den unterschiedlichen Sprachniveaus der einzelnen Schüler. Die Deutschkenntnisse der Jugendlichen war von Schule zu Schule differenziert, wodurch zunächst eine Unterrichtsmethode entwickelt werden musste, um allen die Themen näher bringen zu können. Warum aber wurde der Fokus auf diese Inhalte gelegt? „Ich habe in meiner Unterrichtszeit die Themen Umwelt und Landeskunde behandelt. Die Schüler sollten mehr über ihre Umwelt erfahren und lernen zu verstehen, welche Gefahren durch die Umweltverschmutzung verursacht werden. Nur so können sie wissen, was sie tun müssen, um die Natur zu schützen. Das Thema Landeskunde sollte allen Deutschland näherbringen.“, erklärte Frau Gona die Intention hinter ihrem Unterricht. Auch Herr Belan sah die Themen von großer Wichtigkeit: „Sich fließend und problemlos vorstellen zu können, ist ein guter Anfang, wenn man in einer anderen Sprache kommunizieren möchte. Und das Internet ist ein Medium, den die Jugend in Minutentakt nutzt, ohne es zu hinterfragen. Da war es wichtig, sie als Nutzer über mögliche Gefahren und ein sicheres Surfen aufzuklären“.
Jeden Nachmittag teilten sich die Schüler nach dem Mittagessen in ihre Workshop-Gruppen ein, für die sie sich am ersten Tag eingetragen hatten. Das Angebot der einzelnen Workshops beinhaltete Theater, Musik, Tanz sowie Fotografie und wurde von unterschiedlichen Betreuern aus dem jeweiligen Feld begleitet. Drei Tage lag probten, musizierten und fotografierten sie, um am letzten Abend vor ihrer Abreise bei der großen Abschlussfeier die Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren. Die Abschlussfeier versammelte erneut alle Teilnehmer, Begleiter sowie Unterstützer des Campings und blieb jedem als gelungene Veranstaltung in Erinnerung. Gefeiert wurde im Freien in abendlicher Sommerstimmung. Eröffnet wurde die Feier mit den Dankesworten der Institutsleitung Thomas Kößler. Rückblickend beschreibt die Zeit wie folgt: „Es war eine einmalige Gelegenheit für alle Schüler*innen, Lehrer*innen und unser Pasch-Team, sich außerhalb des normalen Schulalltags näher und sehr spielerisch kennen zu lernen. Das hat mir unglaublich Spaß gemacht und ich hoffe, allen anderen auch!“

Darauffolgend stellten die jungen Fotografen des Foto-Workshops bei einer Diashow ihre eindrucksvollen Bilder vor, die die Landschaft Shaqlawas widergaben oder die Aspekte der Freundschaft darstellten. Der Theaterworkshop brachte einige junge Schauspieler vor, die in zwei kürzeren Stücken zu den Themen Internet und Umwelt in ihre Rollen glänzten und das Publikum durch ihre satirische Darbietung zum Lachen brachten. Jugendliche und kurdische Folklore Musik müsste man verbinden, dachte sich der Musiklehrer Herr Twana, der mit seiner Gruppe ein fünfzehnminütiges Mix aus kurdischen Liedern vorbereitet hatte. Bei dem Abschlussauftritt haben die Tänzer der Tanzgruppe dem Publikum gezeigt, wie viel Energie und Rhythmus in ihnen stecken und haben schlussendlich die Zuschauer zum Mittanzen animiert. Es war ein kleines Ritual der vier Tage, dass sich alle ab 23:00 Uhr Draußen versammelten und bis in die tiefe Nacht zusammen tanzten, da zu dieser Zeit für eine Stunde der Strom ausblieb. Getanzt wurde in den unterschiedlichsten Stilen, die die kurdischen Regionen und Städte zu bieten haben.

Obwohl am Tag der Ankunft niemand so recht wissen konnte, wie die nächsten Tage aussehen werden und was genau Camping bedeutet, wurde die Zeit zu einer unvergesslichen Erfahrung für die Schüler, Lehrer und das gesamte Team. Neben den vielen neuen Freundschaften, dem kulturellen Austausch zwischen den Städten sowie der Musik und dem sommernächtlichen Tanzen, war die Erkenntnis am wertvollsten, dass man zusammen ein schönes Erlebnis tragen kann. Wir freuen uns auf das kommende PASCH-Sommercamp.