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100 Jahre Beuys
100 Jahre Joseph Beuys: Sein Bezug zu Italien und zur Gegenwart

Beuys-Graffiti in Düsseldorf
Beuys-Graffiti in Düsseldorf | Foto (Zuschnitt): picture alliance/dpa | Horst Ossinger

Der 100. Geburtstag von Joseph Beuys ist Anlass für einen Rückblick und eine Aktualisierung seines Gedankens. Verschiedene Initiativen blicken über die deutschen Grenzen hinaus und laden Länder in Europa und der ganzen Welt zum gemeinsamen Gedenken ein. Es kommt nicht oft vor, dass die Theorien und Arbeiten eines unserer Vorgänger so starken Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen aufweisen und sich in Vergangenem so deutliche Parallelen zu Gegenwärtigem erkennen lassen.

Von Nicola Brucoli

Die Bitte des Goethe-Instituts, zu seinem 100. Geburtstag eine Artikelserie zu schreiben, bot mir die Gelegenheit, mich näher mit einem vielseitigen Künstler und einer ebenso vielschichtigen Persönlichkeit zu beschäftigen. Tatsächlich war Beuys ein Mensch, der in seinen Reflexionen und künstlerischen Lösungen Themen und Kämpfe ansprach, die unsere heutige Zeit prägen.
 
Der 100. Geburtstag des deutschen Künstlers bietet Anlass, um über die aktuelle Lage der Kunst nachzudenken, über die von der Pandemie betroffene Gesellschaft, über die Umwelt, als das zentrale Thema unserer Zeit, und über Europa, das aktuell zwischen Populismus und einem gemeinsamen Plan für den Neustart zerrissen ist.

Joseph Beuys – ein Leben zwischen Kunst und Politik

Joseph Beuys wurde am 12. Mai 1921 geboren. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich zur Luftwaffe und wurde im Rahmen eines Militäreinsatzes bei einem Flugzeugabsturz schwer verletzt. Dieses Ereignis prägte den Künstler sowohl biografisch als auch ideologisch: Seine Rettung durch eine Gruppe nomadisierender Tataren wurde zu einer wichtigen Inspiration für seine Studien zur Beziehung zwischen Mensch und Natur.
 
Nach Kriegsende widmete sich Beuys der Kunst und schrieb sich an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ein, wo er 1952 seinen Abschluss machte. 1961 erhielt er dort einen Lehrstuhl für monumentale Bildhauerei, den er zehn Jahre später wieder verlor, nachdem er zu einem Streik aufgerufen hatte. Zentrales Element in seinem Leben war sein anhaltendes und konstantes politisches Engagement, das sich in seiner aktiven Rolle zunächst an der Front und später in der Kulturszene äußerte. In den 60er Jahren trat Beuys der Gruppe „Fluxus“ bei, der zahlreiche internationale Künstler angehörten. Dies ermöglichte es ihm, seine Studien zu vertiefen und sich eingehend mit der Frage von Kunst und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu beschäftigen. Als politischer Aktivist wurde er außerdem zum Mitbegründer der deutschen Partei Die Grünen und stand in Austausch mit einem der bekanntesten Politiker in Italien und Europa, Marco Pannella.
  • Anatol Herzfeld, Kopf Joseph Beuys, 2008, in Meerbusch-Büderich. Unbekannte haben der Skulptur in Corona-Zeiten einen Mundschutz angelegt. Credit: picture alliance / Horst Ossinger | Horst Ossinger
    Anatol Herzfeld, Kopf Joseph Beuys, 2008, in Meerbusch-Büderich. Unbekannte haben der Skulptur in Corona-Zeiten einen Mundschutz angelegt.
  • Joseph Beuys und Andy Warhol Credit: picture alliance / Sammlung Richter | Sammlung Richter/Max Kohr
    Joseph Beuys und Andy Warhol
  • Plakatausstellung „Für die Grünen“ Credit: picture alliance / dpa | Malte Christians
    Plakatausstellung „Für die Grünen“

Beuys und Italien

Seine Beziehung zu Italien war auslösend für eine produktive Auseinandersetzung mit den Themen Natur und Tradition und bildete den Ausgangspunkt für zahlreiche Werke und Kooperationen. Die Begegnung mit dem umtriebigen, in Neapel tätigen Galeristen Lucio Amelio im Jahr 1971 ermöglichte es Beuys, zu experimentieren und seine Werke in unterschiedlichen Umgebungen und Kontexten auszustellen. Gleichzeitig erhielt er dadurch die Möglichkeit, sich mit einem der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Pop Art zu messen: Andy Warhol. Von diesem Moment an pflegte Beuys feste Beziehungen zu Italien, die im Laufe der Zeit immer enger wurden; sei es dank der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie Alberto Burri in Perugia, sei es dank der Unterstützung der Mäzenatin und Sammlerin Lucrezia De Domizio Durini, mit der er das kleine, in den Abruzzen gelegene Dorf Bolognano in einen Ort künstlerischer Produktion verwandelte.

Beuys und „zeitgenössische“ Themen

Die bereits genannten Themen, an denen sich Beuys abarbeitete, um sie in seinen Werken aus einem neuen Blickwinkel zu präsentieren, scheinen heute aktueller und präsenter denn je – allen voran das Thema Umwelt: Für den Künstler bedeutet ein Handeln zum Wohl der Natur zugleich ein Handeln zum Wohl der Menschen. In dieser Hinsicht war seine Erfahrung bei Monte Verità eine Gelegenheit, mit der Natur in Verbindung zu treten und einen spirituellen Lebensstil zu pflegen, der von Vegetarismus und der Ablehnung gewisser sozialer Konventionen geprägt war. Ein Beispiel, das zeigt, wie prophetisch Beuys‘ Zugang etwa hinsichtlich nachhaltiger Ernährung und Aufforstung der Städte war.
 
In Bezug auf den Themenbereich Behinderung und Körper nahm Beuys zudem gleichermaßen das Zeitalter der „Body Positivity“ vorweg. Er verknüpfte die Begriffe „Körper“ und „Inkarnation“ und behauptete schließlich, dass „es keine normalen Körper gibt“ und sich Behinderung in einem Fluss bewege, der Prekarität, Animalität, Wehrlosigkeit und Schwäche umfasse. In einem politischen Sinn bedeutet dies die Unmöglichkeit, „normale“ oder „gesunde“ Körper als Marker einer Staatsangehörigkeit zu transkodieren.
 
Anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys veröffentlichen wir in den kommenden Wochen drei redaktionelle Beiträge, die von seinen Erfahrungen in Neapel, Bolognano und Perugia erzählen und sich auf diesem Weg eingehend mit der Vision des Künstlers befassen. Darüber hinaus finden in Italien ab 9. Mai zahlreiche Initiativen von und mit Körperschaften und Partner- Organisationen des Goethe-Instituts statt.

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