Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Interview mit Dr. Petra Richter
Joseph Beuys – Das Erdbeben in unseren Köpfen

Petra Richter in der Fondation Louis Vuitton, Paris, 2014
Petra Richter in der Fondation Louis Vuitton, Paris, 2014 | Foto: © privat

Der 100. Geburtstag des bedeutenden Künstlers ist weltweit in aller Munde. Doch nicht alles, was wir in diesem Jahr über ihn lesen, ist fundiert. Wir haben mit der Kunsthistorikerin und Beuys-Expertin Dr. Petra Richter darüber gesprochen.

Von Sarah Wollberg

Was wird dieses Jahr über Beuys erzählt, was nicht wahr ist?

Es gibt Autoren, die immer wieder versuchen, Beuys in die politisch rechte Ecke zu drängen und dabei mit Unterstellungen und Verleumdungen vorgehen. Es gibt keinerlei historische Belege für deren Behauptungen.

Was ist die größte Falle, in die man tappen kann, wenn man allgemein über Beuys schreibt?

Beuys’ Biographie dient häufig allein der Interpretation seiner Werke, dabei werden seine dazu gehörenden Legenden und Mythen, die nicht der Wahrheit entsprechen, moralisch abgewertet. Auch wenn die Biographie eines Künstlers für eine Werkanalyse hilfreich ist, ersetzt sie nicht die kunstwissenschaftliche Analyse unter Hinzuziehung historischer Faktoren.

<i>Joseph Beuys. Ein Erdbeben in den Köpfen der Menschen. Neapel Rom 1971–1985</i> von Petra Richter, Richter Verlag. Das Foto auf dem Buchcover ist in Rom im Palazzo Braschi entstanden, als Beuys 1981 <i>Terremoto</i> installierte. Joseph Beuys. Ein Erdbeben in den Köpfen der Menschen. Neapel Rom 1971–1985 von Petra Richter, Richter Verlag. Das Foto auf dem Buchcover ist in Rom im Palazzo Braschi entstanden, als Beuys 1981 Terremoto installierte. | Buchcover | Foto © Tano D‘Amico Was ist Ihrer Meinung nach das größte Vermächtnis, das Beuys uns hinterlässt?

Für mich sind seine Werke wie Palazzo Regale oder 7000 Eichen ein Vermächtnis, das an Wirkkraft nicht verloren hat. Zusätzlich waren und sind seine aus seinem erweiterten Kunstbegriff abgeleiteten Vorstellungen und Visionen zur Veränderung gesellschaftlicher Brüche gerade angesichts aufgezehrter utopischer Energien wichtige Inspirationen, die nach wie vor Geltung beanspruchen. Man denke nur an seine ökologischen Überlegungen, die sich u.a. in der Bewegung Fridays for Future wiederfinden lassen.

Was haben wir von Beuys bis heute nicht verstanden?

Dass er seine Lösungsvorschläge für soziale Veränderungen nicht als absolute Lösung begriff. Er wollte geistige Prozesse anstoßen, um für die Zukunft Strategien zur Bewältigung gesellschaftlicher Probleme zu finden.

Was war Italien für Beuys? Was Beuys für Italien?

Zu Italien hatte Beuys eine tiefe emotionale Beziehung, besonders der Süden war für ihn wie eine Heimat. In Italien fand er in den 1970er und 1980er Jahren sehr viele Menschen, die sich mit seinen Vorstellungen und Zielen identifizierten und zu denen er intensive Freundschaften entwickeln konnte. Die Rezeption verlief in Italien aufgrund einer gegenseitigen geistigen Affinität intensiver als in anderen Ländern.

Was ist Ihr liebstes Beuys-Werk?

Es gibt nicht das einzige Lieblingswerk. Mich hat die Installation Zeige deine Wunde tief beindruckt, aber auch Aktionen wie I like America and America likes me oder Objekte wie die Capri Batterie gehören zu den von mir bevorzugten Werken.
 

Petra Richter

Dr. phil. Petra Richter ist Kunsthistorikerin mit den Schwerpunkten Kunst der 1960er und 1970er Jahre, Rezeption des Kunstbegriffs von Joseph Beuys, Beuys’ Lehrtätigkeit und Joseph Beuys in Italien. Sie lebt in Düsseldorf.

Top