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Designagentur Art+Com
Melange aus Kunst und Kommunikation

Art+Com-Installation „Petalclouds“ am Singapurer Changi-Flughafen.
Art+Com-Installation „Petalclouds“ am Singapurer Changi-Flughafen. | Foto (Detail): © ART+COM AG

David gegen Goliath: Wer hat Google Earth erfunden? Dank einer Netflix-Serie ist die Designagentur Art+Com nun auch einem breiteren Publikum bekannt. Dabei wird Art+Com seit 30 Jahren regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet.
 

Von Romy König

Es klingt wie ein Plot aus Hollywood, und das ist es auch fast geworden: Für ein Kunstprojekt konzipierte die Berliner Designagentur Art+Com 1993 einen interaktiven digitalen Globus, basierend auf Ideen von Mitgliedern der Berliner Hochschule der Künste. Diese Geo-Anwendung genannt „Terravision“ stellten sie ausführlich im Silicon Valley vor, nur um Jahre später zu erleben, wie Google mit seinem Programm „Google Earth“ Internetgeschichte schrieb. Die Programmierer fühlten sich ihrer Innovation beraubt und starten einen – erfolglosen – Gerichtsprozess gegen den Giganten. Netflix hat über den Rechtstreit eine Serie produziert, seitdem ist die Agentur auch jenen bekannt, die mit Kunst und Design sonst wenig zu tun haben.

Dreiklang aus Kunst, Kommunikation und Forschung

Eine solche Erfahrung mag andere Unternehmen brechen, Art+Com aber hat sich nicht beirren lassen: Der „Pioniergeist und Forschungsdrang“ ist den in der Agentur tätigen Mitarbeiter*innen aus Kunst, Design, Wissenschaft und Technik nach eigener Aussage geblieben, seither seien „etliche neue Formate und Erfindungen“ entstanden und es werde ständig in Forschungsaktivitäten investiert. So gestaltet die Agentur vor allem mediale Skulpturen und Kunstinstallationen für öffentliche und private Auftraggeber. Die Kunstobjekte, ausgestellt in Ländern wie Taiwan, Mexiko, Italien und Singapur, sollen den Orten, an denen sie errichtet sind, eine bestimmte Identität verleihen, ohne dabei zwingend eine Funktion zu erfüllen – wie etwa die mehrteilige Holzskulptur mit dem Titel Neo-Natur im Zukunftsmuseum Futurium in Berlin, die auf ein neues Naturverständnis verweisen möchte.

  • Im Berliner Futurium ließen die Künstler*innen von Art+Com eine mehrteilige Skulptur scheinbar organisch aus dem Boden wachsen, die einen acht Meter hohen Bogen im Raum schlägt: „Neo-Natur“. Foto (Detail): © ART+COM AG
    Im Berliner Futurium ließen die Künstler*innen von Art+Com eine mehrteilige Skulptur scheinbar organisch aus dem Boden wachsen, die einen acht Meter hohen Bogen im Raum schlägt: „Neo-Natur“.
  • Im Futurium trifft man noch auf weitere Installationen von Art+Com: Eine begehbare Licht-Klang-Installation soll den unsichtbaren Datenraum erlebbar machen, der uns umgibt. Foto (Detail):© ART+COM AG
    Im Futurium trifft man noch auf weitere Installationen von Art+Com: Eine begehbare Licht-Klang-Installation soll den unsichtbaren Datenraum erlebbar machen, der uns umgibt.
  • Augmentation von Historie: Für die Ausstellung „Geschichte des Ortes“ im Humboldt Forum Berlin hat Art+Com die historischen Überreste und Ausgrabungsfunde medial und visuell ergänzt. Foto (Detail): © ART+COM AG
    Augmentation von Historie: Für die Ausstellung „Geschichte des Ortes“ im Humboldt Forum Berlin hat Art+Com die historischen Überreste und Ausgrabungsfunde medial und visuell ergänzt.
  • Ein kontemplatives Moment soll die Installation „Kinetic Rain“ in die Abflughalle des Changi-Flughafens in Singapur bringen: Die 608 Tropfen sind über ein dünnes Stahlseil mit kleinen, computergesteuerten Motoren verbunden, die sie auf und ab bewegen. Foto: © ART+COM AG
    Ein kontemplatives Moment soll die Installation „Kinetic Rain“ in die Abflughalle des Changi-Flughafens in Singapur bringen: Die 608 Tropfen sind über ein dünnes Stahlseil mit kleinen, computergesteuerten Motoren verbunden, die sie auf und ab bewegen.
  • Ebenfalls im Singapurer Changi-Flughafen zu bewundern: „Petalclouds“. Die Skulpturen aus je 16 Aluminium-Elementen, die in einer Reihung aufgehängt sind, verändern sich wie Wolken in fließenden Bewegungen. Foto (Detail): © ART+COM AG
    Ebenfalls im Singapurer Changi-Flughafen zu bewundern: „Petalclouds“. Die Skulpturen aus je 16 Aluminium-Elementen, die in einer Reihung aufgehängt sind, verändern sich wie Wolken in fließenden Bewegungen.
  • War „Terravision“ der Vorläufer von „Google Earth“? Die virtuelle 3D-Abbildung der Erde setzt sich aus Satellitenbildern, Luftaufnahmen, Höhen- und Architekturbildern zusammen. Foto (Detail): © ART+COM AG
    War „Terravision“ der Vorläufer von „Google Earth“? Die virtuelle 3D-Abbildung der Erde setzt sich aus Satellitenbildern, Luftaufnahmen, Höhen- und Architekturbildern zusammen.

Unter dem Aspekt der Kommunikation entwirft Art+Com zudem Räume und Installationen, über die komplexe Inhalte vermittelt werden können. Im Schlosskeller unterhalb des Berliner Humboldt Forums lassen die Designer*innen in einem ihrer aktuellsten Projekte die bewegte Vergangenheit des Ortes per Augmentation sicht- und erfahrbar werden. Daneben widmen sich die Agenturmitarbeiter*innen auch der Erforschung neuer Medien und ihrer Anwendungsmöglichkeiten, entwerfen Modelle der Kommunikation und Interaktion mit der Welt.

Netflix-Serie: Auch ein Denkmal für Joachim Sauter 

Für die gestalterische Haltung der mit zahlreichen Kreativpreisen prämierten Agentur war bis zuletzt Gründungsmitglied und Vorstand Joachim Sauter verantwortlich. Im Sommer 2021 verstarb der Designer und Hochschulprofessor, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung als „Visionär“ und einen „der renommiertesten Medienkünstler“ beschrieb. Bleiben werden Sauters Erfindungen und Designkonzepte, und bleiben wird nicht zuletzt die Geschichte der von ihm mitentwickelten Terravision-Idee.

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