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Interview mit Antonella Di Nocera
Kino ist Begegnung

Antonella Di Nocera
© Riccardo Siano

Als Filmproduzentin ist Antonella Di Nocera daran gewöhnt, visionär zu denken. Für sie besteht das „Danach“ im strahlenden Lächeln des Publikums, in der Umarmung von Filmemachern, die weit her für die Filmvorführung gereist sind. Die Selbstbesinnung, die uns die Krise beigebracht hat, könnte aber im Danach verloren gehen, fürchtet sie.

Von Maria Carmen Morese & Johanna Wand


Welchen Raum nimmt Ihre Arbeit in der Isolation ein?

Ich gehöre zu den Glücklichen, die die Quarantäne zuhause verbringen dürfen, mit meinem Mann und meinen beiden Kindern. Trotz der beklemmenden Angst wegen dem, was in unserem Land passiert ist und noch immer passiert, habe ich die Geborgenheit und die Ruhe, mich meiner Filmarbeit zu widmen, ohne die es mich nicht gibt. Doch da ist immer auch die Sorge um das, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, und das nun in Gefahr ist. Die Welt des Kinos wird durch die Pandemie schwer getroffen. Viele Menschen bekommen die Auswirkungen schon jetzt zu spüren. Das schmerzt mich und ich kann nicht anders, als beständig daran zu denken.

Wie alle schwierigen Momente eröffnet auch die gegenwärtige Krise neue Möglichkeiten. Was können wir aus dieser Situation lernen?

Ohne Zweifel lehrt uns die Krise mehr bei uns selbst zu sein, uns mit unseren Gedanken zu beschäftigen, sie nicht so schnell loszulassen oder zu unterdrücken, wie es im stressigen Alltag oft geschieht. Vielleicht klingt es banal, aber die Krise erinnert uns an das, was im Leben wirklich zählt. Dennoch bin ich nicht so optimistisch, dass diese Erfahrung wirklich bleiben wird, wenn alles vorbei ist. Ich hoffe es, aber ich glaube, dass wir beginnen werden, auf eine neue Art durchs Leben zu hetzen.
 
Die neuen Umstände erschüttern und beunruhigen uns, aber sie ermutigen uns auch zu visionärem Denken. Von welchem Danach träumen Sie?

In all den Jahren, die ich mich nun schon der Kulturförderung und der Sozialisation durch das Kino widme, habe ich mich daran gewöhnt, "visionär" zu denken, ganz einfach, indem ich Projekte entwickelt habe, die es vorher nicht gab. Der gemeinsame Nenner all dieser Visionen ist die Begegnung zwischen Menschen: das strahlende Lächeln des Publikums in einem vollbesetzten Kinosaal, die Umarmung mit einem von weit her angereisten Gast, Filmaufnahmen in einem Museum oder in den Straßen der Stadt. Noch stelle ich mir das Danach so vor. Wir müssen diese Hoffnung bewahren.

 

Biographie

Antonella Di Nocera (*1970) gehört zu den profiliertesten Filmschaffenden Italiens. Seit den 1990er Jahren prägt sie die italienische und insbesondere neapolitanische Filmszene als Produzentin, Kuratorin zahlreicher Film-Events sowie politisch und sozial engagierte Kulturmittlerin. Ihr besonderes Interesse gilt der filmbildenden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen v.a. aus sozial benachteiligten Milieus. Darüber hinaus widmet sie sich der Förderung junger Talente.
Die Kurz- und Dokumentarfilme ihrer 2002 gegründeten Produktionsfirma Parallelo 41 erhalten international große Aufmerksamkeit und sind vielfach prämiert.
In ihrer Arbeit verbindet Antonella Di Nocera politisches und soziales Engagement mit der Entwicklung und Stärkung der internationalen Zusammenarbeit in der Welt des Kinos. Sie ist Mitglied der nationalen Organisation UCCA und des internationalen Komitees von CIFEJ. 2015 war sie eine der Gründerinnen des Netzwerks der Filmschaffenden in Kampanien (CLARCC). Seit 2019 ist sie die Delegierte des CNA cinema e audiovisivi in Kampanien. Gegenwärtig entwickelt und produziert sie verschiedene Dokumentarfilme, darunter vier unter der Regie junger Regisseurinnen.

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