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Ein Gespräch mit Claudia Bedogni, Satine Film
Crescendo – #makemusicnotwar

Szene aus dem Film „Crescendo“
Szene aus dem Film „Crescendo“ - #makemusicnotwar | © CCC Filmkunst | Foto: Christian Luedeke

Der Verleih Satine Film bringt aktuell den deutschen Film von Dror Zahavi „Crescendo – #makemusicnotwar“ ins italienische Kino. Wir haben die Geschäftsführerin Claudia Bedogni dazu interviewt und u.a. versucht zu erfahren, warum es oft Autorenfilme schwer haben, im Ausland zu erscheinen.

„Crescendo“ erzählt authentisch von der Macht der Musik, die religiöse und kulturelle Hindernisse überwindet. Der Dirigent Eduard Sporck (Peter Simonischek) stellt ein Orchester aus jungen Palästinensern und Israelis zusammen. Doch die Musiker sind in einem Klima gegenseitiger Feindseligkeit aufgewachsen und schaffen es nicht, sich aufeinander einzulassen. Eine aussichtslose Mission mit intensiven Momenten und kathartischer Wirkung.

Von Chiara Sambuchi

Wann hast du die Distribution des Films „Crescendo“ in Italien übernommen und was hat dich dazu bewogen, ihn ins Programm von Satine Film aufzunehmen?

Ich habe den Film zum ersten Mal auf den German Films Previews in Düsseldorf, also direkt in der finalen Fassung gesehen und war sofort begeistert. Ich habe umgehend Verhandlungen aufgenommen, um mir die Distribution in Italien zu sichern. Crescendo ist aus vielen Gründen sehenswert. Ich war sehr erstaunt über die Ehrlichkeit des israelischen Regisseurs. Ich denke da an die realistische Darstellung der unterschiedlichen Situation von jungen Palästinensern und Israelis, was den Zugang zu Bildung betrifft. Aber auch die filmische Erzählung hat mich beeindruckt, die zeigt, wie der Konflikt zuallererst über ein menschliches und nicht über ein politisches Verständnis der jeweiligen Bedürfnisse aufgelöst werden kann.

Wie ist dieser Film entstanden?

Als Inspiration für den Film diente die Geschichte des West-Eastern Divan Orchestra, das von Maestro Daniel Barenboim und dem Wissenschaftler Edward Said gegründet wurde und aus israelischen wie palästinensischen Musikern besteht. Einige der Darsteller im Film sind selbst Teil dieses Orchesters und kennen den kulturellen Konflikt zwischen den beiden Völkern nur allzu gut. Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass man sich für ein gemeinsames Ziel – in diesem Fall, gemeinsam zu musizieren – bemühen kann, eine gemeinsame Ebene mit dem persönlichen Feind zu finden. Crescendo ist kein politischer Film, aber er beschreibt schön, wie wichtig es ist, neuen Generationen beizubringen, die Argumente des anderen anzuhören. Und er hat ein bewegendes Ende, das uns angesichts dieses schmerzhaften, schrecklichen Konflikts einen Funken Hoffnung schenkt.

Der Regisseur des Films stammt aus Israel, lebt aber seit über zwanzig Jahren in Berlin. Wie hat er seine Arbeit mit den israelischen und palästinensischen Schauspielern, vor allem mit den Laiendarstellern, angelegt?

Der Regisseur erzählte, dass es während der Dreharbeiten auch sehr schwierige Phasen und starke Spannungen gab. Vor allem für die Laiendarsteller war es zum Teil sehr hart. So zum Beispiel bei den Aufnahmen für die Szene, in der die Orchestermusiker von ihrem Dirigenten dazu aufgefordert werden, sich gegenseitig zu beleidigen, um sich auf diesem Weg verbal von der Wut zu befreien, die sich über Generationen angestaut hat. Aber durch diesen Prozess gelang es ihnen, im Film wie hinter den Kulissen, eine gemeinsame Ebene zu finden.

Warum glauben Sie, dass „Crescendo“ dem italienischen Publikum gefallen wird?

Der Film behandelt auf packende Weise ein heikles Thema. Ich glaube daher, dass er auch beim jungen italienischen Publikum, das sich gewöhnlich für kommerziellere Produktionen interessiert, gut ankommen kann. Crescendo erzählt die berührende Geschichte einer unmöglichen Liebe und erlaubt gleichzeitig ein besseres Verständnis der Gründe für den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, dessen Auflösung immer aussichtsloser scheint. Echten Wandel können heute nur aufgeklärte Israelis herbeiführen, denn ihre palästinensischen Altersgenossen haben weder die praktischen noch politischen Mittel dazu.

Wie groß ist in Italien das Publikum für Autorenfilme wie diesen?

In Italien gibt es zweifellos ein Publikum für qualitativ hochwertiges Kino. Die Herausforderung besteht darin, die Pluralität des Angebots sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass diese Art von Filmen in den Kinosälen auch gezeigt wird, denn die werden zunehmend von Verleihern mit marktbeherrschender Stellung in Beschlag genommen. Bei qualitativ hochwertigen Filmen lassen sich zudem immer auch Synergien mit wichtigen kulturellen Einrichtungen herstellen, sofern thematische Schnittmengen bestehen. Für Crescendo haben wir beispielsweise ein tolles Co-Marketing-Projekt mit dem Konservatorium in Mailand initiiert. In Florenz wiederum zeigte der Präsident der Universität Cesare Alfieri – der übrigens Maestro Barenboim für sein Verdienst im Zusammenhang mit dem Divan Orchestra die Laurea honoris causa im Studienfach „Internationale Beziehungen“ verliehen hat – Interesse an Vorführungen des Films an der Universität.

Warum ist die Distribution von Filmen dieser Art in Italien so schwierig?

Es gibt mehrere Umstände, die den Markt verzerren und die Planung der Kinostarts von Filmen unabhängiger Verleiher erschweren. Deren Programmierung stellt für unabhängige Verleihfirmen eine Herausforderung dar: Wenige, große Distributoren belegen fast den gesamten verfügbaren Platz. Aber wenn immer dieselben Player in den Kinosälen zu sehen sind, bedeutet das einen Verlust der Vielfalt von Meinungen und Ansichten. Hier steht ein wichtiges demokratisches Prinzip auf dem Spiel. Kino ist eines der mächtigsten Instrumente zur Vermittlung von Ideen und Inhalten, die wir haben. Wenn die Vielfalt der Stimmen beschränkt wird, beschränken wir damit gleichzeitig massiv unsere Möglichkeiten, Wissen zu erwerben und uns zum Nachdenken anregen zu lassen.

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