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Berlinale 2020
Von der Kellnerin zur Berlinale-Schauspielerin

Daphne Scoccia und Giovanni Anzaldo in „Ordinary Justice“ von Chiara Bellosi
Daphne Scoccia und Giovanni Anzaldo in „Ordinary Justice“ von Chiara Bellosi | © Rocco Franconi

Daphne Scoccia – Co-Protagonistin im Film „Ordinary Justice“ – erzählt, wie sie (fast) zufällig zum Film gekommen ist.

Von Andrea D’Addio

„Die Berlinale? Eine Überraschung. So wie mein Leben bisher immer voller Überraschungen war, zumindest in den letzten Jahren.“ Die 25-jährige Daphne Scoccia zählt heute zu den begehrtesten jungen TV- und Film-Schauspielerinnen Italiens. Auf dem Festival in der deutschen Hauptstadt ist sie dank Ordinary Justice gelandet. Der Film, der in der Sektion Generation gezeigt wird, erzählt von einem Prozess gegen einen Tankwart, der im Anschluss an einen Überfall einen Tankstellenräuber erschossen hat. Notwehr? Mord? Regisseurin und Drehbauchautorin Chiara Bellosi interessiert etwas anderes. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das, was unmittelbar außerhalb des Gerichtssaals passiert. Hier sitzen die jugendliche Tochter des Tankwarts und die Tochter des Komplizen, die noch ein kleines Mädchen ist. Zwischen den beiden entwickelt sich gegen ihren Willen eine Beziehung, die auf gegenseitigem Anlächeln basiert und dem gemeinsamen Wunsch, dem Drama, das ihre jeweiligen Familien gerade durchleben, zu entfliehen. Scoccia spielt die junge Mutter des kleinen Mädchens, die im Film als wichtiges Bindeglied zwischen der Welt innerhalb und der Welt außerhalb des Gerichts dient. Chiara Bellosi berichtet: „Ich hatte sie bereits im Film Fiore gesehen und sie hatte mir sehr gut gefallen. Zu Beginn habe ich nicht an sie gedacht, aber nach zahlreichen Vorsprechen las ich auf meinem Schreibtisch plötzlich ihren Namen. Und da schloss sich der Kreis.“

Ein ganz normales Mädchen

„Manchmal kommt es vor, dass mich junge Frauen fragen, wie ich es bis hierher geschafft habe. Die Antwort ist, dass ich das nicht weiß.“ Der Wendepunkt kam für Daphne an einem Abend in der Osteria Palmira, im römischen Stadtteil Monteverde. „Ich bin in San Benedetto del Tronto in den Marken aufgewachsen, aber noch als Teenagerin nach Rom gezogen. Ich hatte viele Gelegenheitsjobs. Dann kommen eines Tages der Regisseur Claudio Giovannesi und Casting-Direktorin Chiara Polizzi zum Abendessen. Ich bediene sie an ihrem Tisch, ohne zu wissen, wer sie sind. Nach dem Essen fragt mich Chiara, ob ich gerne einen Film drehen würde. Ich sage zu, glaube aber nicht so recht daran. Es war mir in der Vergangenheit schon ein paar Mal passiert, dass ich falsche Angebote erhalten hatte. Aber dann ruft sie mich am nächsten Tag in der Arbeit an. Sie macht mir einen Termin. Ich komme zu einer Reihe von Vorsprechen und auch zu Probeaufnahmen. Claudio ist der Meinung, dass ich für die Rolle die Richtige bin. Und so fange ich an.“ Das Ergebnis ist Fiore, der 2016 im Rahmen des Filmfestivals in Cannes in der Reihe Quinzaine des Réalisateurs präsentiert wurde. „Gleich danach halfen sie mir, einen Agenten zu finden. Das war der Beginn meiner Karriere. Ich habe nie einen Schauspielkurs besucht. Ich lerne bei jedem Vorsprechen dazu und auch durch die Zusammenarbeit mit Schauspielern wie dem verstorbenen Ennio Fantastichini oder Claudia Cardinale. Ich lebe einen kleinen Traum, von dem ich, das gebe ich zu, nie geträumt habe.“

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