Femme, ovvero: il miglior film che abbia visto alla Berlinale 73 - 73. Berlinale | 16.02.–26.02.2023 - Goethe-Institut Italien

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Berlinale Blogger*innen 2023
Femme oder Der beste Film, den ich auf der Berlinale gesehen habe

George MacKay und Nathan Stewart-Jarrett in “Femme”. Regie: Sam H. Freeman, Ng Choon Ping
George MacKay und Nathan Stewart-Jarrett in “Femme”. Regie: Sam H. Freeman, Ng Choon Ping | © Agile Films

Ich habe es bereits im Titel geschrieben und wiederhole es gern: Der in der Sektion Panorama präsentierte Film Femme von Sam H. Freeman und Ng Choon Ping ist zweifellos der beste, den ich bisher auf dieser 73. Berlinale gesehen habe. Natürlich basiert diese Aussage auf einem unvollständigen Bild, da ich nur einen winzigen Bruchteil der dutzenden, vielleicht über hundert Filme gesehen habe, die in den verschiedenen Sektionen des Festivals in Berlin laufen. Doch trotz der Schwere der verhandelten Themen war kaum ein anderer Beitrag so erfrischend.

Von Carlo Giuliano

Ein Rape-and-Revenge-Film im digitalen Zeitalter

Jules (Nathan Stewart-Jarrett) ist eint Dragqueen und Performer, dai eines Abends nach einer Show von einer homophoben Gang zusammengeschlagen wird. Traumatisiert zieht hen sich zurück, weigert sich auszugehen und gibt die Bühne sowie faktisch auch die eigene Identität auf.
Bis Jules in der Sauna in Preston (George MacKay) den brutalsten hens Peiniger wiedererkennt. Und begreift – was noch wichtiger, aber nicht so schockierend ist –, dass der ein heimlicher Homosexueller ist.

Daraufhin schmiedet Jules einen Racheplan: Hen wird Preston verführen, mit ihm ausgehen und ihn schließlich beim Sex filmen; mit dem Ziel, das Video zu veröffentlichen und seine sexuelle Orientierung publik zu machen. In anderen Worten: Hen wird ihn outen und dadurch vom Opfer zum Henker zu werden, wie das in einer Rachegeschichte eben so sein muss. Denn Femme ist in erster Linie ein exzellenter Genrefilm, dessen Tempo und Entwicklung der Handlung wunderbar gelungen ist. Gleichzeitig überzeugt das Werk als geniale Übersetzung des klassischen Rape-and-Revenge-Films in das Segment der LGBTQIA+-Filme und das digitale Zeitalter: Rape and Revenge (Porn).

Ein LGBTQIA+-Film über die Entwicklung der eigenen Identität

Natürlich (und vor allem) ist Femme aber ein Film von unschätzbarem Wert in Bezug auf die darin verhandelten Themen. Die Chemie zwischen den beiden großartigen Protagonist*innen ist einfach unglaublich – langsam verwandelt sich dai eint in den anderen und umgekehrt. Die Geschichte der Rache von Jules wird zur Geschichte der Bewusstwerdung von Preston.

Gleichzeitig führt diese transformative Rache bei Jules dazu, dass hen sich immer weiter von hens ursprünglichen Identität, hens wahren Selbst, entfernt. Und vielleicht ist es an dem Punkt, als Preston Jules fragt, woher hens Narbe stammt, die er hen selbst zugefügt hat, und – in einer absoluten Schlüsselszene – den Namen des Schuldigen hören will, um ihn „zu Tode zu prügeln“, vielleicht ist es an diesem Punkt, an dem klar wird, dass die Rache ihre Bedeutung verloren hat.

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