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Berlinale Blogger*innen 2021
„Per Lucio“: Eine Hommage an Lucio Dalla von Pietro Marcello

Lucio Dalla
Lucio Dalla | Foto (Zuschnitt) © Teche Rai

„Per Lucio“, Pietro Marcello, 2021
Eine Produktion von IBC Movie und Rai Cinema, in Zusammenarbeit mit Avventurosa (ITA)

„Tobia, ich muss dir noch was sagen … ich habe keinen Pfennig!“, erklärt der junge Lucio Dalla dem erstaunten Umberto Righi, genannt Tobia, den er soeben gebeten hat, sein Manager zu werden. Tobia wird Lucio über 46 Jahre seiner Karriere begleiten und er ist es, der in diesem Dokumentarfilm von Pietro Marcello aus dem Leben des Liedermachers aus Bologna erzählt. Gemeinsam mit Righi erinnert sich auch Stefano Bonaga, ein langjähriger Freund seit Kindertagen, an Dalla.

Von Lucia Conti

Gemeinsam an einem Tisch sitzend, essend und rauchend, lassen die beiden ihre Erinnerungen an Dalla in witzigen Bemerkungen und gemeinsamen Reflexionen Revue passieren, sodass sich vor unseren Augen, Stück für Stück, ein Bild des Künstlers materialisiert.

Ein Mensch, den man nicht vergisst


Der Film erzählt keine Heiligenlegende und ist frei von Erinnerungsrhetorik. „Er war ein überaus hübsches Kind, aber mit der Zeit wurde er immer hässlicher“, meint Bonaga. „Ja, die Pubertät hat ihn betrogen“, ergänzt Righi. Ein Schlagabtausch, der den Tenor des Zwiegesprächs widerspiegelt und zeigt, dass Dalla im Leben der beiden nach wie vor eine zentrale Rolle spielt – nicht als Ikone, sondern als Lucio, als ein Mensch, den man nicht vergisst.“

Dallas Italien

Auf der Leinwand erleben wir einen vor Kreativität sprühenden Lucio, der in keine Schublade passt und in seinen Liedern von Italien erzählt – von der Nachkriegszeit, dem Ende der bäuerlichen Gesellschaft, dem Wirtschaftsboom der sechziger Jahre und den politischen wie sozialen Spannungen der darauffolgenden zwanzig Jahre. Sein Stil ist in den Jahren der Zusammenarbeit mit dem Dichter Roberto Roversi von einem eher persönlichen Zugang geprägt, der visionärer wird, als er beginnt, selbst Texte zu schreiben und zum Dalla der Tänzer, der Mambo Queens und der Poesie in Bildern wird.

Eine bedeutende Rolle kommt in dieser Rekonstruktion dem verwendeten Filmmaterial zu. Professionelle Aufnahmen und Amateurvideos zeigen den Menschen, den Künstler und ein gesamtes Land in einer Kombination aus Musik und Bildern, die von einer Epoche erzählen. Umberto (Tobia) Righi und Stefano Bonaga Umberto (Tobia) Righi und Stefano Bonaga | © IBC Movie

Lucio, wo fährst du hin?

„Lucio hatte stets einen Blick für jegliche Anomalie in dieser Welt, er saugte das Leben in sich auf“, erzählt Bonaga. Vielleicht ist das der Grund, weshalb seine Freunde weiterhin im Präsens von ihm sprechen, obwohl der Künstler am 1. März 2012 verstorben ist. Sie spüren nach wie vor seine körperliche Nähe. Sie spüren, er ist in ihrer Mitte, wie immer.

Am Ende des Dokumentarfilms sehen wir einen jungen Dalla mit einem Koffer in der Hand und der unverzichtbaren Schiebermütze auf dem Kopf, wie er gerade in den Zug einsteigen will und von einem Journalisten befragt wird.

„Lucio, wo fährst du hin?“ – „Ich fahre weg. Ich komme zurück. Im Grunde wie ein Held.“ Oder vielleicht wie ein Seemann, stehen doch in seinem Lied „Itaca“ die Seefahrer und nicht Odysseus im Mittelpunkt. Mit ihrem sehnlichen Wunsch, nach Hause zurückzukehren. Als ob sie nie weg gewesen wären.
Lucio Dalla Lucio Dalla | Foto © Teche Rai

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