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Berlinale Blogger*innen 2021
„Genderation“: Die Generation Trans* in San Francisco, 20 Jahre später

Sandy Stone in Genderation by Monika Treut
Sandy Stone in Genderation von Monika Treut | Foto (Zuschnitt): © Salzgeber

„Genderation“, Monika Treut, Dokumentarfilm, 2021 (D)

1999 war die Regisseurin Monika Treut nach San Francisco gereist, um den Dokumentarfilm „Gendernauts“ zu drehen. Sie interviewte einige junge Pionier*innen der Trans*-Bewegung. Mehr als 20 Jahre später ist Treut an den Ort zurückgekehrt, an dem alles begann, um die Personen von damals wiederzutreffen, die heute zwischen 58 und 84 Jahre alt sind.

Von Lucia Conti

Die Dinge haben sich verändert. Und die Aktivist*innen der Neunzigerjahre wurden vom Aufwind der New Economy mitgerissen.

San Francisco ist nicht mehr dieselbe Stadt

Monika Treut Monika Treut | Foto (Zuschnitt): © Salzgeber San Francisco wird von den Tech-Riesen und Geldströmen des Silicon Valley beherrscht. Durch die Gentrifizierung hat sich der Charakter der Stadt verändert, sie ist jetzt nur noch Wohlhabenden zugänglich. Einige der Ex-Gendernauten haben eine eigene Immobilie, wie die Akademikerin Susan Stryker, die sagt, dass der Erfolg die Stadt getötet habe. Andere sahen sich gezwungen, nach Nordkalifornien oder Colorado zu ziehen. Die alte queere Szene existiert nicht mehr, die sogenannte „app culture“ hat sie fortgefegt.

Das Privileg, kämpfen zu können

Zwei der damaligen Unterstützer*innen der Bewegung, Annie Sprinkel und Beth Stephens, sind noch aktiv. Doch es ist ihre entspannte finanzielle Lage, die es ihnen erlaubt, sich dem Aktivismus und sogar der kreativen Avantgarde zu widmen. Momentan beleben sie den Kampf für die Umwelt mit einer erotischen Komponente. „Wir sind ökosexuell und die Erde ist unsere Liebhaberin“, erklären sie. Annie Sprinkle and Beth Stephens in Genderation Annie Sprinkle und Beth Stephens in Genderation | Foto: © Salzgeber Auch Sandy Stone, die als Gründerin der Transgender Studies gilt, geht erfolgreich ihren Leidenschaften nach. Sie ist nach Santa Cruz gezogen und hat dort einen unabhängigen Radiosender gegründet.

Ausgeschlossen und prekär: der Zukunft standhalten

Stafford hingegen gelingt es nicht, kreativ zu arbeiten, er versucht, seine Umzugsfirma zum Laufen zu bringen. Vor zwanzig Jahren war er Model und Fotograf und beantwortete die Frage „Bist du ein Mann oder eine Frau“ mit „Ja“. Heute bringt ihn sein Bedürfnis nach Stabilität dazu, über Cohousing-Lösungen nachzudenken, die Menschen wie ihm dabei helfen, beim Älterwerden auf gegenseitige Unterstützung zu bauen.

Auch Max Wolf Valerio, Transmann und Schriftsteller, der seinerzeit mit Burroughs bekannt war und zusammen mit Ginsberg studiert hat, sah sich dazu gezwungen, nach Denver zu ziehen. „San Francisco ist mittlerweile nur noch etwas für Reiche“, bestätigt er. Nun wohnt er bei seinen Eltern und sagt lachend, dass er hoffe, nicht in einem Zelt zu enden.

Doch das ist nicht alles. Zur schwierigen finanziellen Lage, in der einige der Pionier*innen der Bewegung sich befinden, kommt für alle das Risiko eines Vormarschs der Rechten in den USA hinzu. Für die Gendernauten ist keines der erworbenen Rechte dauerhaft gesichert. Auch wenn sie nicht mehr die jungen queeren Streiter*innen des alten San Francisco sind, müssen sie doch die Reihen schließen und weiterkämpfen. Noch mutiger als zuvor.
Genderation Genderation, Filmstill | Foto © Salzgeber

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