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Berlinale Summer Special 2021
Die ersten 54 Jahre – ein kurzes Handbuch für eine militärische Besetzung

The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation | von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021
The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021 | © Avi Mograbi

Der am 12. Juni auf der Berlinale präsentierte Film von Avi Mograbi behandelt das Thema des israelisch-palästinensischen Konflikts von 1967 bis heute.

Von Lucia Conti

Wie man sich Land aneignet – die einzelnen Schritte

Magrabi liefert provokativ eine Art „Handbuch des perfekten Besatzers“, in dem er als Beispiel die israelische Besetzung der palästinensischen Gebiete über einen Zeitraum von 54 Jahren beschreibt. Der Regisseur spricht in die Kamera, gibt Tipps. Die man natürlich NICHT befolgen sollte.
 
Die Regeln sind klar: ein Gebiet besetzen, das demografische Gleichgewicht durch den Bau neuer Siedlungen verändern, Demokratie für die Besatzer, Kriegsrecht für die Besetzten durchsetzen, Angst machen. „Die Menschen dürfen sich nicht einmal bei sich zu Hause sicher fühlen“, so Mograbi.

Das Schweigen brechen

Der Film zeigt Aufnahmen aus der Region und Interviews mit Veteranen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Sie gehören Breaking the silence an, einer NGO von ehemaligen Soldaten, die ungefiltert über die Besetzung berichten. Darunter auch Zvi Barel, stellvertretender Militärgouverneur von Hebron von 1971 bis 1976.
The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation | von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021 The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021 | © Avi Mograbi Die Soldaten berichten von ganzen Dörfern, die für die Handlungen eines Einzelnen bestraft wurden, von zwei- oder dreijährigen Verwaltungshaftstrafen, von achtjährigen Kindern in Metallkäfigen. Ein ehemaliger Soldat erzählt davon, wie er einen weinenden Mann aus seinem Haus zerrte, weil er eine Rechnung nicht bezahlt hatte.
 
Eine Aufnahme zeigt, wie eine Familie nachts für eine zufällige Kontrolle geweckt wird. Zwei Kinder werden von Soldaten mit Sturmhauben fotografiert. Sie wirken gequält, aber nicht überrascht. Sie sind daran gewöhnt.

Good Morning, Gaza

Ab Mitte der 90er Jahre ist das Gebiet die Hölle auf Erden. Auf der einen Seite Selbstmordattentate, auf der anderen brutale Unterdrückung. Und als im Jahr 2000 die zweite Intifada beginnt, wird jeder Palästinenser als Gefahr, als potenzieller Terrorist, als menschliche Bombe betrachtet.
The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation | von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021 The First 54 Years – An Abbreviated Manual for Military Occupation von Avi Mograbi | Forum | FRA, FIN, ISR, DEU 2021 | © Avi Mograbi Nach dem Bau der Sperranlage (2002) erhalten die Soldaten der IDF den Befehl, „ein paar Beine wegzuknallen“, wenn Palästinenser versuchen, die Barriere zu überwinden. Wenn Kinder der Anlage zu nahe kommen, schießen sie in deren Richtung, „um ihnen Angst zu machen“.
 
Ab dem Jahr 2000 werden die Soldaten, anders als in der Vergangenheit, nicht mehr dazu angehalten, Zivilisten zu verschonen, und 2005, nach dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen, wird die ehemals besetzte Region zum Kriegsgebiet.
 
Der Film endet mit Aufnahmen von Sprengungen palästinensischer Häuser. „Good Morning, Gaza!“, ruft ein Soldat der IDF, während andere lachen. „Das war toll“, meint einer von ihnen.

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