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Berlinale Summer Special 2021
Eine Reise in die Welt von „Cryptozoo“

Cryptozoo | von Dash Shaw | USA 2021, Generation
Cryptozoo von Dash Shaw | Generation | USA 2021 | Foto (Detail): © Cryptid Rescues, LLC

Wenn surreale Welten gut gemacht sind, ermöglichen sie es uns, die von der Realität aufgezwungenen Verteidigungsmechanismen und Beschränkungen aufzugeben und uns von Inhalten, Formen und Farben mitreißen zu lassen, die mit unserem Verstand nicht zu fassen sind. „Cryptozoo“ funktioniert gerade dank seiner traumweltartigen Glaubwürdigkeit: Die visionäre Geschichte zieht uns sofort in ihren Bann.

Von Elena Gabella

Vergangenen Samstagabend wurde Cryptozoo in der ungewöhnlichen Szenerie des Freiluftkinos Pompeji unweit der East Side Gallery gezeigt. Tatsächlich verzaubert jede der über die ganze Stadt verteilten Open-Air-Spielstätten des Berlinale Summer Specials mit ihrem eigenen Flair. Was aber allen Berlinale-Locations gemein ist, sind die kleinen Getränkestände, an denen Bier verkauft wird. Und was gibt es Besseres, als mit einem schönen Glas Bier vor der großen Leinwand zu sitzen?

Cryptozoo ist ein amerikanisches Animationsdrama des Comiczeichners Dash Shaw (Buch und Regie), der bei der Vorführung am Samstag ebenfalls anwesend war. Vor Beginn des Films trat Shaw auf die Bühne und bedankte sich zunächst sofort bei seiner Frau, ebenfalls Trickfilmzeichnerin, für die wertvolle Unterstützung bei der Fertigstellung des Films. Die darin verwendeten Farben und Bilder wirken wie aus einer Traumwelt und sind reich an Meta-Bezügen. Grund für Shaw, seine Gedanken zur Sichtbarkeit von Träumen zu erläutern: Da diese nur durch Zeichnungen sichtbar gemacht werden können und sich nicht mit Kameras aufnehmen lassen, hat er sich für das Format des Trickfilms entschieden. Und so erzählt Cryptozoo von einer Welt im Grenzbereich zwischen Realität und Fantasie, genau wie wir sie gewöhnlich in unseren nächtlichen Träumen erleben.
Cryptozoo | von Dash Shaw | USA 2021, Generation Cryptozoo von Dash Shaw | Generation | USA 2021 | Foto: © Cryptid Rescues, LLC Der Zeichentrickfilm, dessen Titel sich vom griechischen Wort „kryptos“, deutsch „verborgen“, ableitet, spielt in den 70er Jahren. Die Protagonistin, Lauren Gray, will alle Fabelwesen der Welt erforschen und vor der Bedrohung durch Wilderer retten. Zu diesem Zweck lässt sie den Cryptozoo errichten – einen Ort, an dem man die Fantasiewesen bewundern kann und diese zugleich ungestört sind. Aber nicht alles läuft wie geplant.

Die charakteristische grafische Gestaltung des Films, die satten Farben und die zum Teil kaleidoskopischen Muster lassen die Zuseher*innen rasch in die vom Autor geschaffene imaginäre Welt eintauchen. In einigen Szenen präsentiert sich die Geschichte mit einem ironischen Augenzwinkern, aber die meiste Zeit wechseln sich witzige Momente mit brutalen, fast grausamen Szenen ab.

Nach dem Film Cryptozoo hat man das Gefühl, gerade erst von einer langen Reise zurückgekehrt zu sein. Und zwar von einer dieser Reisen, die man sofort wiederholen möchte, um alle Aspekte und Bedeutungsnuancen zu erfassen, die einem beim ersten Mal entgangen sind.

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