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Koloniale Spuren im öffentlichen Raum
Und die Statuen leben doch

Kolonialzeit – Angriff auf die Statue von General Storms in Brüssel (Belgien), die an die koloniale Vergangenheit erinnert
Angriff auf die Statue von General Storms in Brüssel (Belgien), die an die koloniale Vergangenheit erinnert | Foto (Detail): Dursun Aydemir © picture alliance / Anadolu Agency

Was tun mit kolonialen Denkmälern und Spuren im öffentlichen Raum? Spätestens seit der Ermordung George Floyds und den weltweiten Demonstrationen im Rahmen der Bewegung „Black Lives Matter“ ist die Diskussion um historische Monumente neu entfacht. Der Sturm auf Statuen, die koloniale Herrscher ungeachtet ihrer gewalttätigen Vergangenheit ehren, hat unter anderem in Antwerpen, Bristol und Boston zu Vandalismus und der Entfernung von Denkmälern geführt. 

Von Jana J. Haeckel

Die Denkmäler seien eine Hommage an den Hass nicht an das Erbe, lautet der vielfache Vorwurf. Welche Wege sind über den ikonoklastischen Akt der Bildvernichtung hinaus vorstellbar? Das Anbringen von Schrifttafeln? Gegenbilder in Form künstlerischer Bearbeitung? Oder reichen regelmäßige Stadtführungen in Zusammenarbeit mit Diaspora-Expert*innen aus, um über die brutalen historischen Verstrickungen aufzuklären?
 
Diese drängenden Fragen wurden bei dem dritten Workshop im Rahmen des Projekts Alles vergeht, außer der Vergangenheit im Museu Etnològic i de Cultures del Món in Barcelona diskutiert.
 


Vom 23. bis 25. Oktober 2019 debattierten Aktivist*innen, Historiker*innen, Politiker*innen, Künstler*innen und Museumsexpert*innen aus Afrika, Lateinamerika und Europa über die bis heute weitgehend marginalisierte europäische Kolonialgeschichte und ihre Folgen.
 
Everything you do for me without me is against me“ war einer der Schlüsselbegriffe, um den sich viele stichhaltige Diskussionen über Ein- und Ausschluss drehten. Dabei kamen die Teilnehmer*innen unter anderem zu dem Schluss, dass europäische Institutionen als Wissensproduzenten an ihre Grenzen stoßen und eine nachhaltige Aufarbeitung und Umdeutung des kolonialen Diskurses nur durch die langfristige strukturelle Einbindung der Diaspora-Communitys realisiert werden kann. Darüber hinaus wurden alternative Praktiken der Wissensproduktion vorgeschlagen, wie Graswurzelaktivitäten, die eine in die marginalisierten Wohnviertel und Jugendzentren reichende Beschäftigung mit Geschichte, Kunst und Wissen ermöglichen.
 
Für besonderes Aufsehen sorgte eine öffentliche Intervention der Performance-Künstlerin und Aktivistin Linda Porn zur Hauptverkehrszeit vor dem wohl monumentalsten Denkmal Kataloniens: der Kolumbussäule. Für ihre intersektionell-feministische Performance verlas Linda Porn barbusig, in indigenem Kostüm und vor einer reproduzierten historischen Zeichnung, welche die grausame Gewaltherrschaft Kolumbus dokumentiert, ein Manifest. Ihr eindrucksvoller Apell klagte den sogenannten „Entdecker Amerikas“ für sein gewalttätiges Verhalten gegenüber den Ureinwohner*innen Amerikas an, der entscheidend, zum transatlantischen Sklavenhandel beigetragen hat und forderte die Anerkennung und Sichtbarmachung (neo-)kolonialer Gewalt. An den perplexen, teils belustigten Reaktionen der unfreiwillig zum Publikum geratenen Tourist*innen zeichnete sich ab, wie viel Aufklärungsarbeit noch in Hinblick auf die Kolonialgeschichte geleistet werden muss.
 
Workshop-Teilnehmer*innen:
 
  • Silvia Albert Sopale, Schauspielerin und Dramaturgin
  • Tania Adam, Journalistin
  • Andres Antebi, Anthropologe und Kurator
  • Kokou Azamede, Historiker
  • Laida Azkona Goñi, Künstlerin
  • Karfa Diallo, Journalist und Aktivist Memoire & Partages
  • Sally Fenaux, Filmemacherin
  • Duane Jethro, Wissenschaftler
  • Hannimari Jokinen, Künstlerin und Aktivistin Hamburg Postkolonial
  • Yann Le Gall, Aktivist und Wissenschaftler Berlin Postkolonial
  • Billy Kalonji, Aktivist und Bildungsvermittler
  • Grace Ndiritu, Künstlerin
  • Gustau Nerín, Historiker und Kurator
  • Justo Aliounedine Nguema Pouye, Aktivist
  • Gala Pin, Politikerin
  • Mnyaka Sururu Mboro, Aktivist, Berlin Postkolonial
  • Txalo Toloza, Künstler
  • Oriol Pascual Sanpons, stellvertretender Direktor Museu Etnològic i de Cultures del Món
  • Linda Porn, Künstlerin und Aktivistin

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