Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Deutschland in Italien
Zwischen Arbeitsethos und Freude am Unerwarteten

Lisa Di Giuseppe
© Foto: privat

Die junge Journalistin Lisa Di Giuseppe arbeitet für die Tageszeitung „Domani“. Dort betreut sie unter anderem eine Rubrik mit dem sehr ansprechenden Titel „Deutsche Vita“, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im heutigen Deutschland beleuchtet.

Von Giovanni Giusti

Lisa Di Giuseppe, stellen Sie sich doch erst einmal kurz vor.

Ich bin 26 Jahre alt und mittlerweile seit fünf Jahren Journalistin. Die Arbeit für Domani ist meine erste Festanstellung bei einer Tageszeitung. Vorher war ich als freie Mitarbeiterin für den Corriere della Sera tätig und habe dann in verschiedenen Presseagenturen gearbeitet, bei Reuters, der ANSA oder Public Policy. Im Laufe der Zeit habe ich mich mit verschiedenen Themen beschäftigt, mit Wirtschaft, mit Innenpolitik, aber ich hatte immer eine enge Bindung zu Deutschland, weil meine Mutter Deutsche ist. Und auch bei meiner Arbeit von Italien aus versuche ich immer, die Dinge in den Kontext einzuordnen und diese Bindung so gut wie möglich zu nutzen. Sie ermöglicht es mir, Ereignisse sozusagen aus erster Hand zu verfolgen.

DEUTSCHE VITA, EINE SCHÖNE HERAUSFORDERUNG

„Domani“ ist eine neue Tageszeitung mit einer bestimmten, sehr „zeitgenössischen“ Ausrichtung. Wie ist „Deutsche Vita“ entstanden? Und wie ist es generell, für eine solche Zeitung zu arbeiten – Ihre Arbeit beschränkt sich ja nicht nur auf diese Rubrik?

Ich habe das Glück, im Laufe der Zeit in vielen verschiedenen Bereichen gearbeitet zu haben, und Deutsche Vita war eine schöne Herausforderung, in die auch der Chefredakteur Stefano Feltri investieren wollte. Wir haben gleich zu Beginn darüber gesprochen. Domani ist eine Zeitung, die eine andere Perspektive auf Europa eröffnen möchte. Die italienischen Zeitungen zeigen oft eine gewisse Tendenz zur „Nabelschau“, was ganz klar durch die wechselhafte italienische Politik bedingt ist. Wir versuchen, nicht nur Nachrichten zu liefern, sondern sofort eine Einordnung, ein Bild, eine Interpretation des Geschehens und der Ursachen, die zur jeweiligen Situation geführt haben, zu bieten.

 

 

DAS SCHWIERIGE HALBJAHR DES DEUTSCHEN EU-RATSVORSITZES

Europa und Deutschland: Können wir versuchen, eine Bilanz der deutschen Präsidentschaft zu ziehen, die nun im Dezember zu Ende gegangen ist? Auch im Lichte der dramatischen, unvorhersehbaren Ereignisse, mit denen wir weiterhin konfrontiert sind?

Das war zweifellos ein sehr schwieriges Halbjahr. Wir hatten es mit einer Pandemie zu tun, die auch auf europäischer Ebene sehr schwer zu bewältigen ist. Unbedingt zu würdigen ist das Vermittlungstalent von Bundeskanzlerin Merkel, ohne dass es Anfang Juli niemals zur Einigung bezüglich des Wiederaufbaufonds gekommen wäre. Das betrifft vor allem die Idee, die deutsche Herangehensweise bei dieser Art von Thema zu verändern, die Flexibilität, ein neues Instrument in Betracht zu ziehen, um ein Problem anzugehen, das sich so bisher noch nie gestellt hatte. Dies vorausgeschickt, wurde leider eine Reihe sehr wichtiger Problemfelder nur am Rande behandelt. Im Juli standen sie noch auf der Agenda, dann gab es keinen Raum mehr dafür. Ich denke dabei an das Thema Einwanderung, oder an die Details beim Brexit.

EINE SCHWER PLANBARE ARBEIT

Wenn wir nun aus einem persönlicheren Blickwinkel von Italien und Deutschland sprechen, was bringen Sie aus der deutschen Kultur mit nach Italien, und was aus der italienischen Kultur nach Deutschland?

Ich mache mir oft eine etwas abgenutzte Formulierung zu eigen und sage, dass ich in Deutschland Italienerin bin und in Italien Deutsche, denn es ist immer schwer, Stereotype zu überwinden. Was ich von der deutschen Kultur in mir trage? Sicherlich hoffe ich, als verlässlich gelten zu können, außerdem ist da die Bedeutung des Arbeitsethos, der Tatsache, dass man sich die Dinge verdienen muss. Das war ein Antrieb, der mich in meinem Berufsleben gekennzeichnet hat. Was die italienische Kultur angeht, so würde ich sagen, dazu gehört meine Freude an unerwarteten Aspekten, meine Fähigkeit, mich anzupassen, die beste Lösung für etwas zu finden, das nicht auf dem Programm stand. Unsere Arbeit geht ein bisschen in diese Richtung, denn der Journalismus ist schwer planbar, wir machen jeden Tag etwas anderes. 

Top