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Die Darstellung von Schwarzen Menschen in den Meisterwerken der Uffizien
​On Being Present

Caccia del Persiano
Caccia del Persiano, Zuschnitt | Filippo Napoletano © Gallerie degli Uffizi

In der Renaissance spielten Schwarze Menschen und der reiche kulturelle Austausch zwischen dem afrikanischen und dem europäischen Kontinent eine zentrale Rolle. Das spiegelte sich auch in vielen Kunstwerken aus der Epoche der kulturellen Innovation wieder. Im heutigen öffentlichen Bewusstsein ist die Existenz von People of Color als Protagonisten der Renaissancekunst jedoch nicht verankert. Eine Online-Ausstellung der Uffizien in Zusammenarbeit mit der Organisation Black History Month Florence möchte das ändern.

Von Christine Pawlata

„Auch für alle jene, die mit einem Auge für Details durch die Gänge der Uffizien oder der Galleria Palatina im Palazzo Pitti spazieren, ist es möglich, die in der Sammlung abgebildeten afrikanischen Schwarzen Personen zu übersehen“, erklärt Justin Randolph Thompson, Direktor von Black History Month Florence und Kurator der Ausstellung On Being Present – Recovering Blackness in the Uffizi Galleries in seinem Eröffnungsstatement. „Das liegt nicht an einer mangelnden Repräsentation dieser Menschen. Allein in den Haupträumen gibt es mehr als zwanzig Darstellungen von People of Color. Es liegt vielmehr an dem historischen und kunsthistorischen Kontext, in dem sich der Betrachter in diesen Räumen bewegt, dass Schwarzen Menschen unsichtbar bleiben.“

On Being Present ist ein Forschungsprojekt und eine virtuelle Ausstellung auf der Webseite und auf den Social-Media-Kanälen der Uffizien, die die Darstellung und Rolle von People of Color in den Gemälden des wichtigsten Renaissancemuseums der Welt beleuchtet. 
Anbetung der Könige, Albrecht Dürer Anbetung der Könige | Albrecht Dürer © Gallerie degli Uffizi Das Projekt lief Anfang 2020 vom Stapel und ist mittlerweile in seiner zweiten Ausgabe angelangt. Die Ausstellung umfasst zwanzig Kunstwerke, die die Besucher mittels Mausklick bis ins kleinste Detail betrachten können. Parallel dazu bespricht der Künstler Justin Randolph Thompson einige der Werke in der Video-Präsentationsreihe Black Presence, die die Uffizien auf Facebook und live auf TikTok veröffentlichen.

Versklavte Menschen, aber auch Könige

Unter den Meisterwerken aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert von Malern und Malerinnen wie Albrecht Dürer, Artemisia Gentileschi und Andrea Mantegna, befindet sich auch das Gemälde Das Rätsel von Homer des Malers Bartolomeo Passerotti. Das Kunstwerk, das über Jahrhunderte hinweg verloren geglaubt war, wurde erst unlängst wiedergefunden und von dem berühmten Museum am Ufer des Arno angekauft.
 
Katherina, Albrecht Dürer Katherina | Albrecht Dürer © Gallerie degli Uffizi Viele der Protagonisten der Gemälde sind exotisierte Fremde, Bedienstete oder versklavte Menschen. Eine davon ist die 20-jährige Katherina, die zur Sklavin gemacht wurde. Albrecht Dürer hielt sie 1521 in einer Silberstiftzeichnung im ersten bekannten Renaissance-Porträt einer afrikanischen Frau fest.
 
Einige Künstler und deren Auftraggeber begegneten People of Color auf Augenhöhe. Ebenso von Albert Dürer stammt das Gemälde Anbetung der Könige, eines der ersten Gemälde der Kunstgeschichte, in dem einer der drei heiligen Könige mit dunkler Hautfarbe abgebildet ist.

Ein Symbol für Respekt

„Ich stoße in meiner eigenen Arbeit oft auf einen gewissen Widerstand, die Existenz Schwarzer afrikanischer Königshäuser im europäischen Kontext und den gegenseitigen Austausch, den es in dieser Zeit zwischen den Königreichen auf dem afrikanischen Kontinent und den Herrschern in Europa gab, anzuerkennen“, erklärt Justin Randolph Thompson in einer Video-Führung zu Dürers Gemälde. „In einer Reihe von Gemälden, die die Anbetung der heiligen drei Könige darstellen, sehen wir jedoch sowohl ein klares Bekenntnis zu dieser Präsenz als auch den Respekt, den man vor dem Reichtum und der Macht hatte, die diese Personen verkörperten. Die Geschenke, die sie bei sich tragen, verdeutlichen auch den kulturellen und materiellen Austausch, den es gab.“
 
On Being Present war mit über 270.000 Visualisationen die meist besuchte Ausstellung der Uffizien im Jahr 2020. Über 100.000 Menschen folgten den live TikTok Streams.
 
Die inklusive Erweiterung des Blickwinkels stellt einen historischen Wendepunkt dar, betont der Direktor der Uffizien Eike Schmidt anlässlich der Eröffnung der zweiten Ausgabe von On Being Present im Februar 2021: „Wir zeigen unsere Gemälde in einem noch nie da gewesenem historischen, aber auch gesellschaftlichen Licht, wodurch es endlich möglich ist, denjenigen eine Stimme zu geben, die über Jahrhunderte hinweg nicht gehört worden sind.“

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