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Deutschland in Italien
​Deutscher EU-Ratsvorsitz, Europa am Scheideweg?

EU2020 - Deutsche EU-Ratspräsidentschaft
© Deutsche EU-Ratspräsidentschaft

Welches Bild von Europa haben die Italiener*innen, im Kopf und im Herzen? Ist es eine Vorstellung, die sich mit der Zeit gewandelt hat und möglicherweise weiter wandelt? Wie sehr hat sie sich beispielsweise in den letzten Monaten verändert, in diesem schwierigen Jahr, das durch die Gesundheitsnotlage eine Vielzahl besonders anspruchsvoller Herausforderungen bereithält? Seit mehreren Monaten bündeln die Staaten bereits ihre Anstrengungen, um sich der Pandemie entgegenzustellen, im Kampf gegen eine zweite, weiterhin sehr aggressive Welle des Virus.

Von Maria Grazia Pecchioli und Giovanni Giusti

Wie Europa sich verändert, hängt von Europa selbst ab

Durch Covid-19 verändert sich die Welt schlagartig, und auch Europa erlebt tiefe Veränderungen. Zweifellos kann man sagen, dass ein Bild von der Welt und von Europa vor der Pandemie existiert, und eines, das auf all das folgt, was wir gerade durchleben und noch nicht genau definieren können. Doch wie Europa sich verändert, hängt von Europa selbst ab. Wir befinden uns mitten in diesem Übergang und ein Baustein des Wandels ist, in dieser zweiten Hälfte des Jahres 2020, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Der Vorsitz wird von den Mitgliedsstaaten im Turnus jeweils für ein halbes Jahr ausgeübt und umfasst eine sehr wichtige Aufgabe: die Koordination der Arbeit aller europäischen Regierungen. Die Staaten, die den Vorsitz übernehmen, arbeiten in Dreiergruppen zusammen, nach einem System, das mit dem Vertrag von Lissabon eingeführt wurde. Die Triopartner legen langfristige Ziele fest und bereiten ein gemeinsames Programm mit Themen vor, die in den 18 Monaten ihrer Triopräsidentschaft vom Rat behandelt werden.

Die Programmschwerpunkte der deutschen Präsidentschaft

Seit dem 1. Juli hat Deutschland die Ratspräsidentschaft inne. Eröffnet wurde das Halbjahr unter deutschem Vorsitz mit einer Rede Angelas Merkels vor dem Europäischen Parlament, in der die Bundeskanzlerin das Halbjahresprogramm und die langfristigere Planung bis Ende 2021 bekannt gegeben hat. Bewältigung der Pandemie und wirtschaftliche Erholung, Innovation und Nachhaltigkeit, Sicherheit und gemeinsame Werte, gerechtes Wachstum und eine verantwortliche Rolle Europas in der Welt sind die Schwerpunkte des deutschen Programms, mit dem Ziel, Europa „gemeinsam wieder stark zu machen“. Ein Aufschwung, der keinen vergisst und der alle Länder in gemeinsamer Anstrengung vereinen soll. All diese Worte und Prinzipien werden von einem übergeordneten Bild zusammengehalten: dem Möbiusband, Logo der deutschen Ratspräsidentschaft. Die geometrische Figur wurde 1858 von zwei deutschen Forschern entdeckt und zeichnet sich dadurch aus, dass sie nur eine Seite und eine Kante hat, obwohl ihr ein Band mit zwei Seiten zugrunde liegt. Das ist möglich, weil das Band eine halbe Drehung vollführt, bevor seine beiden Enden zueinanderfinden. Das Möbiusband symbolisiert ein Europa der Solidarität und der Innovation, das in der Lage ist, Einigkeit zu schaffen, indem unterschiedliche Interessen miteinander geteilt und verbunden werden.

Ein Spagat, der Stereotype und Gemeinplätze überwindet

Von europäischer Solidarität zu sprechen, ist eine echte Revolution. Dies gilt auch für die Fähigkeit, wirtschaftliche und soziale Nöte aufzugreifen, die leider konkrete Gestalt angenommen haben. Ist diese Aufforderung an die EU-Mitgliedsstaaten in der Lage, Europas Gesicht zu verändern?

Um dies herauszufinden, und um zu begreifen, wie dieser Wandel von historischer Tragweite wahrgenommen wird, haben wir eine Reihe von Interviews mit Journalist*innen, Unternehmer*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen geführt, die in Deutschland geboren wurden, aber in Italien leben. Anhand ihrer Sicht der Dinge wollen wir ergründen, in welchem Maße Europa sich gerade verändert oder fähig sein wird, sich zu verändern, und was die Italiener*innen heute von Europa denken. Die Interviews stellen eine „virtuelle“ Reise durch Italien dar, und einen Spagat, der Stereotype wie Gemeinplätze überwindet und einen aufmerksamen, neugierigen Blick zeigt, auf die Fehler und Vorzüge der Italiener*innen und auf die gemeinsamen europäischen Wurzeln.

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