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Kultur im Lockdown

Rückblick in unkomplizierte Zeiten: Der Auftakt des Oktoberfest 2019. Um Menschenansammlungen während der andauernden COVID-19 Pandemie zu vermeiden wurden Massenveranstaltungen dieses Jahr abgesagt.
Rückblick in unkomplizierte Zeiten: Der Auftakt des Oktoberfest 2019. Um Menschenansammlungen während der andauernden COVID-19 Pandemie zu vermeiden wurden Massenveranstaltungen dieses Jahr abgesagt. | © Foto: picture alliance/dpa | Felix Hörhager

Der Kulturbereich gehört zu den Sektoren, die von der Pandemie am schwersten getroffen wurden. Die Auswirkungen sind nicht nur wirtschaftlicher Art. Wie der kenianische Autor Dominic Otiang'a ausführt, fühlen sich glühende Anhänger*innen der abgesagten Festivals, als hätten sie ihren Daseinszweck verloren.

Von Dominic Otiang'a

Die Nachricht, dass wegen COVID-19 sowohl das Münchner Oktoberfest 2020 als auch der Kölner Karneval 2021 nicht stattfinden werden, hat nicht wenige am Boden zerstört. Wenn sich Fans beider Kulturfestivals zu den Absagen äußerten, musste man auf Wortwahl und Gesichtsausdruck achten, um das Ausmaß der Enttäuschung zu verstehen.

„Können Sie sich Köln ohne Karnveal vorstellen?“ 

In Nordrhein-Westfalen beschrieb ein Vertreter der Staatskanzlei den Karneval als „Teil der DNA von NRW“. Ich schwöre, Sie würden ihm das glauben, wenn Sie die Trauer gesehen hätten, die ihm ins Gesicht geschrieben stand. Übertreibt das nicht die Bedeutung der Veranstaltung ein wenig? fragte ich einen Kölner, der zurückfragte: „Möglich, aber können Sie sich Köln ohne Karneval vorstellen?“ Diese Frage stellen sich jetzt viele. Nun, für manche Menschen auf der Welt steht Köln nach wie vor nur für eines, nämlich Parfum (Eau de Cologne) oder Kölnisch Wasser, wie es hierzulande genannt wird. Aber es gibt mehr „Wässerchen“ in Köln, als der Welt bekannt ist.


Fans aktzeptieren, COVID-19 ist eine ausreichend ernsthafte Bedrohung, um Absagen zu rechtfertigen 

Auch wenn manche die Absage von Karneval und Oktoberfest mit der Streichung von Weihnachten verglichen haben, scheint es doch, als hätten viele Fans die Gründe akzeptiert, die hinter den Entscheidungen über so berühmte Kulturereignisse stehen. Sie teilen die Ansicht, dass COVID-19 eine ausreichend ernsthafte Bedrohung und ein genügend guter Grund ist, um die Absagen zu rechtfertigen. Hauptsächlich haben sie jedoch Mitgefühl mit den kulturellen Unternehmer*innen, die finanziell auf solche Festivals angewiesen sind. Und, wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn formulierte, „nach dem dritten Bier“ wird es schwierig, den Überblick über die Covid-19-Sicherheitsmaßnahmen zu behalten. Um zu verstehen, was er meinte, muss man die Größe eines Biers bei einem deutschen Bierfest gesehen haben. Bis einschließlich 2019 war das Oktoberfest seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr abgesagt worden. Lassen Sie mich das näher erklären; wenn man in Deutschland einem Satz die Worte „seit dem Zweiten Weltkrieg“ hinzufügt, wiegt das schwer. Ergo, ja, Covid-19 ist eine solch schwerwiegende Angelegenheit. Es scheint, als müssten diesmal die meisten Karnevalanhänger*innen in kleinen Gruppen zuhause feiern, vorausgesetzt, es bestehen aufgrund erhöhter täglicher Neuinfektionen mit COVID-19 keine entsprechenden Einschränkungen. Aber nachdem es bei der Feier nicht nur um Menschenmassen geht, ist die Aufregung in München trotzdem zu spüren. Die kleinen Biergärten, die Straßen der Stadt, die Parks, die Reklametafeln und die Oktoberfest-Outfits, die die städtischen Bars sprenkeln, verkünden alle lauthals, dass das Oktoberfest bevorsteht. 

„Kaner will mi singen hearn“

Gut, mir ist bewusst, dass so manchem Einheimischen schleierhaft ist, warum Tourist*innen ausgerechnet in München, Stuttgart oder Köln freiwillig ein Bierzelt besuchen und sich „langweilige“ Musik wie Kaner will mi singen hearn aus dem Lied Fürstenfeld von S.T.S. oder I woit schön gmüatlich in am Bierzelt sitzn aus dem Lied Achterbahn von der Spider Murphy Gang anhören. Das verstehe ich, denn selbst in Kenia und Tansania können einige Einheimische nicht begreifen, warum es Tourist*innen Spaß macht, durch ein Tierreservat zu fahren und dabei „langweilige“ Liedzeilen wie Hakuna Matata aus dem Lied Jambo bwana der Band Them Mushrooms zu singen.

Oktoberfest in Denver?

Angesichts der Tatsache, dass das Oktoberfest als größtes Bierfest der Welt gilt, würde es mich nicht überraschen, wenn es bald eine Onlineversion gäbe. Vielleicht würden die Gäste diesmal via Fernsehen und Online-Plattformen unterhalten werden. Und da es nicht länger eine nur auf München beschränkte Angelegenheit wäre, würden die Fans auch in Chicago, Denver und einigen unerwarteten Ecken dieser Welt feiern.

Bleiben Sie bis dahin gesund und munter!

 

„Ausgesprochen …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Dominic Otiang’a, Aya Jaff, Maximilian Buddenbohm und Magrita Tsomou. Dominic Otiang’a schreibt über sein Leben in Deutschland: Was fällt ihm auf, was ist fremd, wo ergaben sich interessante Einsichten?

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