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Eleonora Chiarantano im Gespräch
Roboter als digitale Assistenten

Eleonora Chiarantano mit GAIA
Eleonora Chiarantano mit GAIA | Foto: Christina Hasenau © Goethe-Institut Italien

Eleonora Chiarantano ist 23 Jahre alt und studiert im Master Künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sapienza in Rom. Seit 2018 ist sie Teil des Teams SPQR, das sich in Rom die Teilnahme an Robots in Residence sichern konnte. Im Rahmen dieses Residenzprogramms stattete sie gemeinsam mit ihren Kollegen den Roboter NAO GAIA mit neuen Fähigkeiten aus.

Von Christina Hasenau

Als Mitglied des Teams SPQR warst du an der Programmierung des Roboters GAIA beteiligt, den ihr mit neuen Fähigkeiten ausgestattet habt. Kannst du uns erklären, wieso ihr ihn so programmiert habt, dass er unter anderem auch spielerische Tätigkeiten ausführen kann?

Zentrales Ziel des Projekts war es, einen Roboter zu programmieren, der in chaotischen Umgebungen wie Messen oder öffentliche Veranstaltungen erfolgreich mit Menschen in Kontakt treten kann. Um in diesen Situationen – in denen wir auch zahlreichen anderen Reizen ausgesetzt sind – entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen, musste NAO fähig sein, extrem ansprechende Tätigkeiten auszuführen. Wir haben uns für die Fähigkeiten Spielen, Tanzen, Bewegen entschieden, weil diese Aktivitäten stark zum Mitmachen animieren. Die allgemeine Idee ist, spielerische Aktivitäten als „Intermezzo“ zu nutzen, während gleichzeitig wichtigere Informationen vermittelt werden, etwa zu Sicherheitsvorschriften oder zu kommerziellen Angeboten.

Warum hast du dich dafür entschieden, Informatik und Robotik zu studieren?

Das Potenzial von Computern hat mich schon immer fasziniert. Als Kind habe ich meine Zeit gern vor dem PC verbracht und Computerspiele gespielt oder mit Paint, Word und PowerPoint herumexperimentiert. Als ich älter wurde, bin ich dann mit dem Internet und später mit dem Programmieren in Kontakt gekommen. Schließlich habe ich begonnen, mich für Robotik zu interessieren. Das war quasi eine natürliche Entwicklung, ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Ich wollte etwas Neues, Spannendes und gleichzeitig gesellschaftlich Nützliches machen und Robotik verband alle diese Dinge.

Glaubst du, dass Frauen in der Informatik noch immer benachteiligt sind? Wie läuft die Zusammenarbeit mit deinen männlichen Kollegen?

Natürlich stellen auch in der Informatik – wie in allen wissenschaftlichen Fächern – die Männer die Mehrheit. Ich glaube aber nicht, dass das eine Frage der Diskriminierung ist, zumindest heute nicht mehr. Die Zahl der Frauen, die sich für ein Informatikstudium entscheiden, steigt von Jahr zu Jahr und diese Entwicklung wird sehr positiv gesehen und vor allem auch gefördert. Ich habe mich an der Universität immer wohlgefühlt. Allgemein ist unser Jahrgang bunt durchmischt, sowohl im Hinblick auf das Alter als auch die Herkunft der Studierenden. Trotzdem sind wir alle miteinander befreundet, niemand wird diskriminiert.

GAIA Robot NAO 6
© Goethe-Institut
Was fasziniert dich an der Robotik?

Das enorme Potenzial, das sie bietet, vor allem wenn es darum geht, den Menschen das Leben zu erleichtern. Ich denke da nicht nur an die Automatisierung repetitiver, körperlich schwerer Arbeiten in der Industrie, sondern auch an alle Anwendungen, die Menschen im Alltag unterstützen, vor allem Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Denken wir nur an Prothesen, die menschlichen Gliedmaßen immer ähnlicher werden, an Geräte, die gelähmten Menschen Kommunikation ermöglichen, an medizinische Instrumente, die dazu beitragen, Operationen präziser und sicherer zu machen, wie auch an soziale Roboter und Rettungsroboter (zur Rettung von Menschen in Gefahr) sowie Haushaltsroboter.

Welche Voraussetzungen müssen deines Erachtens erfüllt sein, damit Roboter Menschen im Alltag unterstützen können?

Die Fähigkeit zur Interaktion ist zweifellos eine Schlüsselkompetenz. Und sie muss in allen denkbaren Formen möglich sein. Einer der Bereiche, auf den sich die Forschung in diesem Zusammenhang sehr stark konzentriert, ist eben gerade der Bereich Kommunikation. Natürlich muss der Roboter auch so gebaut sein, dass er alle Bewegungen ausführen kann, die notwendig sind, um die verschiedenen Aufgaben erfolgreich auszuführen – von den ganz einfachen bis hin zu hochkomplexen und auch solchen, die eventuell erhebliche physische Stärke erfordern.

Was soziale Roboter betrifft, so müssen diese meines Erachtens fähig sein, sich entsprechend anzupassen, also den Kontext zu verstehen, in dem sie sich befinden und ihr Verhalten darauf abzustimmen. Darüber hinaus wird auch der kulturelle Kontext eine wichtige Rolle spielen. Nicht zuletzt ist es genauso wichtig, dass Roboter in jeder Hinsicht sicher sind. Außerdem müssen sie auch vor jeglicher Art von externen Computerangriffen geschützt sein, die ihre Funktionalität beeinträchtigen können.

Wird es in einer nahen Zukunft wirklich vollkommen normal sein, dass jeder einen Roboter zu Hause hat? Ist das wirklich etwas, dass für unsere Gesellschaft wünschenswert ist?

Wenn man Roboter als Geräte betrachtet, die über einen gewissen Grad an Autonomie verfügen, dann könnte man behaupten, dass diese bereits heute in breitem Umfang in unseren Haushalten zum Einsatz kommen. Denken wir etwa an Saugroboter. In der allgemeinen Vorstellung ist ein Roboter aber oft ein Gerät, das menschliches Verhalten simuliert. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass wir alle einen humanoiden „Roboter-Butler“ zu Hause haben werden, wie wir ihn aus der Science-Fiction kennen. Wir sprechen hier von hochentwickelter, kostspieliger Technologie mit einem beschränkten Nutzen. Auf der anderen Seite können nicht-humanoide Roboter, die in der Lage sind, Hausarbeiten wie Kochen und Putzen zu übernehmen, potenziell große Vorteile bringen. Ich denke, dass deren Verbreitung in naher Zukunft stark gefördert werden wird. Allgemein ist der massive Einsatz von Robotik für unsere Gesellschaft durchaus wünschenswert – vorausgesetzt, dass die Gesellschaft auch klare Regeln und Grenzen für deren Anwendung festlegt. Roboter sollen das Leben von Menschen erleichtern, aber sie können den Menschen nie wirklich ersetzen.

Viele glauben, dass Roboter unsere digitalen Sklaven sein werden. Was können wir diesen Menschen sagen, um sie von ihrer Überzeugung abzubringen?

Wenn man bedenkt, dass es möglich ist, Roboter zu konstruieren, die menschliche Arbeit erleichtern oder sogar ersetzen, ist zu erwarten, dass diese in Zukunft die härtesten und anstrengendsten Aufgaben übernehmen können und dadurch die Mühe jener Menschen ersetzen werden, die diese Arbeiten heute gewöhnlich ausführen. Ein Roboter kann menschliche Emotion aber nur simulieren, er bleibt ein elektronisches Gerät. Er spürt keine Anstrengung und empfindet keine echten Gefühle. Er ist ein Gerät, das den Menschen in irgendeiner Form unterstützt, kein Lebewesen. Die Vorstellung von einem digitalen Sklaven entbehrt damit ihrer Grundlage. Richtiger wäre es, sich einen Roboter als einen digitalen Assistenten vorzustellen.

Gibt es für dich eine Ethik des Programmierens? Und was bedeutet das für dich?

Die Frage der Ethik in der Informatik wird viel diskutiert und ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt bereits einen Verhaltenskodex für Programmierer und Softwareingenieure (von der Association for Computing Machinery), der ethische Regeln für die Entwicklung von Software und die Arbeit in Teams festlegt. Die Sache wird komplexer, wenn wir über eine Ethik für künstliche Intelligenz sprechen. Was das Ganze so komplex macht, ist die Schwierigkeit, das komplexe System menschlicher Werte mit dem Zweck in Einklang zu bringen, für den die künstliche Intelligenz genutzt wird. Denken wir beispielsweise an folgendes Szenario: Ein selbstfahrendes Auto ist mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs, da taucht plötzlich ein Fußgänger auf, der die Straße überqueren möchte. Ein rechtzeitiges Anhalten ist aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht möglich. Das Auto kann entweder durch ein schnelles Manöver dem Fußgänger ausweichen, mit dem Risiko, dass das Fahrzeug ins Schleudern gerät und die Insassen getötet werden, oder bremsen, um den bevorstehenden Aufprall abzumindern. Das sind die moralischen Dilemmata, die aktuell untersucht werden, da es für sie keine allgemein anerkannte Lösung gibt.

Welche Herausforderungen und Risiken sind für die nahe Zukunft im Zusammenhang mit Entscheidungsalgorithmen deines Erachtens zu erwarten?

Uns erwarten eine ganze Reihe unterschiedlichster Herausforderungen. Neben der Entwicklung neuer Architekturen und Systeme sowie der Optimierung der Effizienz und Problemlösungskapazität derselben, wird eine der größten Schwierigkeiten meiner Meinung nach darin bestehen, die philosophischen und ethischen Probleme zu lösen, die mit diesen Erfindungen einhergehen. Um einem Agenten im positiven wie im negativen Sinn Verantwortung zuschreiben zu können, muss er seine Handlungen erklären können. Das ist nur möglich, wenn Algorithmenarchitekturen und Datenstrukturen entwickelt werden, die es ermöglichen, den logischen Pfad nachzuvollziehen, der den Agenten veranlasst, in einer bestimmten Situation eine bestimmte Handlung auszuführen. Dieses Problem, das Ethik und Informatik miteinander verknüpft, mag verglichen mit der Erfindung künstlicher Agenten als sekundär erscheinen, wird aber primär werden, wenn diese dann in die Gesellschaft integriert werden sollen.

Wie möchtest du dein im Studium erworbenes Wissen im Berufsleben später einsetzen?

Mein größter Traum wäre, an etwas arbeiten zu können, das den Menschen helfen kann – sei es, ihren Alltag zu bewältigen, sei es, ein erfülltes, glückliches Leben zu führen. In den letzten Jahren habe ich mich vor allem für Anwendungen im medizinischen und neurologischen Bereich interessiert. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird.

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