Berlinale Blogger 2018 „La terra dell’abbastanza“ bringt die Randbezirke Roms auf die Berlinale

La terra dell’abbastanza
„La terra dell’abbastanza“ von Damiano und Fabio D’Innocenzo | © La terra dell’abbastanza

Zwei Jugendliche im Alter von 18 Jahren. Sie sitzen in einem geparkten Fiat Panda in einer halbverlassenen Gegend irgendwo in einem Randbezirk von Rom und essen Brötchen mit Zichorie. Beide besuchen die Hotelfachschule. Der eine will Barkeeper werden, der andere Koch. Es ist früh am Morgen, beide haben die Nacht damit verbracht, Pizzen zuzustellen. Sie fahren los, denn sie wollen schlafen gehen. Doch auf dem Weg passiert etwas, das ihrem Leben eine unerwartete Wende gibt. Zunächst läuft alles besser, zumindest finanziell gesehen, aber dann…

ZWISCHEN ETHOS UND KRIMINALITÄT

La terra dell’abbastanza, der Debütfilm der Brüder Damiano und Fabio D’Innocenzo, erzählt von den Verquickungen zwischen Kriminalität und Großstadtperipherie am Beispiel zweier scheinbar rechtschaffener Jugendlicher, die beschließen, eine Verbrecherkarriere zu starten. Ihr so selbstverständlicher, so vorhersehbarer Einstieg in die Kriminalität löst beim Zuseher dasselbe unangenehme Gefühl aus, das uns überkommt, wenn wir die Schlussfolgerungen Hannah Arendts in ihrer Banalität des Bösen zum Prozess gegen Adolf Eichmann lesen.

Doch so unmöglich es uns scheint, gewisse Verbrechen rational zu erfassen – manchmal lässt das Umfeld scheinbar keine moralischen Barrieren und keine Wahlfreiheit zu. Wenn man Geld benötigt, dann nimmt man es an, auch wenn man über dessen Herkunft nicht glücklich ist. Der Traum von einem normalen, von einem schwierigen, aber ehrlichen Leben muss hier aufgegeben werden, sobald sich die Möglichkeit bietet, schnell viel Geld zu machen. Man nimmt was da ist, heißt es auch im letzten Satz des Films.

Unmöglich bei dieser Geschichte nicht an den Streifen Tu nichts Böses von Claudio Caligari zu denken, den Italien für den Oscar einreichte. Der Stil der Brüder D’Innocenzo ist jedoch minimalistischer und ähnelt mehr dem von Matteo Garrone, der nicht zufällig eine Art Lehrer für sie war (vor den Aufnahmen trafen sie sich mehrmals).

Für Variety ist La terra dell’abbastanza einer der besten Filme der Berlinale 2018 und es ist zu bedauern, dass er nicht am Wettbewerb teilnimmt. Wir stimmen dem zu: Ein solches Debüt hat jedes Lob verdient.