Inklusion Kultur als Schlüssel zur Integration

Dedalus
Dedalus | © Goethe-Institut Italien

Die meisten jungen Migranten, die nach Europa kommen, haben Schwierigkeiten Gleichaltrige kennenzulernen und sich an das Leben fern der Heimat zu gewöhnen. Doch es gibt es immer mehr Organisationen und Vereine, die Projekte auf die Beine stellen und durch Kunst und Kultur das Anknüpfen an die Gesellschaft vereinfachen.

Bei Salma Jreige und Babou Bojang war es vor allem der kulturelle Ansatz, der ihnen das Ankommen in Deutschland einfacher gemacht hat.

Treffpunkt Museum

Salma stammt aus Damaskus, ist dort aufgewachsen und 2014 als Jurastudentin nach Berlin gekommen. Kurz nach ihrer Ankunft hat sie sich im Projekt „Multaka: Treffpunkt Museum“ eingebracht, bei dem sich Geflüchtete als Museumsführer in Berliner Museen engagieren. Sie macht nicht nur Führungen im Deutschen Historischen Museum, sondern ist auch Teil der Projektleitung. Dass das Museumsprojekt so erfolgreich sein würde, hätten sie und der Rest des Teams nicht erwartet. Multaka hat 2016 den „Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen“ verliehen bekommen und war außerdem Bundessieger des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“.
Vor den Auszeichnungen sind es aber vor allem die persönlichen Erfolge, die Salma durch ihr Engagement bei Multaka erreicht hat: für sie war und ist es ein sozialer Anknüpfpunkt, denn hier verschmelzen Mensch, Geschichte, Kultur und Kunst. Dadurch, dass Kunst und Werke aus ihrer Heimat in Museen ausgestellt sind, fühlt sie sich und ihre Kultur als anerkannt. „Wenn wir uns die Objekte im Pergamon-Museum anschauen, sehen wir Objekte aus unseren Ländern.“ Anerkennung, Respekt und Wohlgefühl, sowie das Agieren beider Seiten, sind für sie Schlüsselelemente zu einer erfolgreichen Integration.
 

Musik verbindet

Babou ist als Minderjähriger, mit 16 Jahren, aus Gambia nach Deutschland gekommen. In München hat er zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner gemacht und danach ein Architekturstudium angefangen. Am Anfang lebte er zurückgezogen und hatte wenig Kontakt zu deutschen Gleichaltrigen. Als er jedoch die Berufsschule besuchen konnte, fand er immer mehr Anschluss zu deutschen Jugendlichen und ihrer Kultur. „Mit den Leuten reden war eine der wichtigen Sachen, denn so lernt man Leute kennen.“ Er hat selbst miterlebt, dass es wichtig ist, jungen Migranten Möglichkeiten zu geben, die sie zu einem Teil der Gesellschaft werden lassen. „Wenn du die Möglichkeit hast in die Schule zu gehen oder eine Arbeit zu haben, oder auch einfach dass sich Leute mit anderen zusammentun, dann ist das eine sehr gute Integration.“

Aber nicht nur durch die Ausbildung hat er kulturellen und sozialen Anschluss gefunden, sondern auch durch die „Refugio Kunstwerkstatt“, die kunsttherapeutisch und künstlerisch mit minderjährigen Flüchtlingen arbeitet. Hierher kam er zum Musikmachen und hat er sich von Anfang an willkommen gefühlt. „Die waren auch sehr offen, meine Kultur kennenzulernen. Deswegen war das eigentlich super.“ Mittlerweile ist Babou im Projektteam der Refugio Kunstwerkstatt, organisiert Musikworkshops und betreut kleine Musikgruppen mit Jugendlichen aus vielen verschiedenen Ländern, die viele verschiedene Sprachen sprechen. Da gibt es natürlich eine gewisse Sprachbarriere, die man aber leicht überwinden kann, denn „man kann ja auch Bewegungen machen und man versteht sich schon irgendwie“. Musik ist ja bekanntlich eine Sprache, die jeder spricht.

Schule oder Arbeit?

Doch nicht alle jungen Migranten finden leicht Anschluss, wenn sie nach Europa kommen. Neben den traumatischen Erlebnissen, die ihnen widerfahren, wenn sie vor Krieg und Übergriffen aus ihrem Heimatland flüchten, lastet auf ihnen ein großer Druck. In sie wird die Hoffnung gelegt, dass sie schnell Arbeit finden und die ganze Familie ernähren können. Da bleibt für das Jungsein wenig Zeit. „Es gibt unbegleitete Minderjährige, die an Migrationsprojekten teilnehmen, die sie viel zu schnell erwachsen werden lassen“, bemerkt Elena De Filippo, Präsidentin der neapolitanischen Kooperative Dedalus. Sobald sie volljährig werden, brechen sie oft die angefangene Schulausbildung ab, da sie sofort in den Arbeitsmarkt eingeschlossen werden müssen. „Ab dem Tag, an dem er 18 wird, gilt er als erwachsener Immigrant. Er muss also wie alle anderen eine Arbeit haben, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und die Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.“
 

Mittlerweile gibt es viele Kulturprojekte und Initiativen, die Jugendliche aus verschiedenen Ländern, aber mit gleichen Interessen, zusammenbringen und sich abseits der oft lästigen Bürokratie für ein freundliches Zusammenleben einsetzen. Gemeinsame Erlebnisse und gegenseitiger Austausch festigen persönliche Bindungen und helfen dabei, Freundschaften entstehen zu lassen. Und diese tragen einen Großteil dazu bei, sich als respektierter Teil der Gesellschaft wohlzufühlen.