Katharina Grosse Farbe transformiert Materialien

Wunderblid-Ausstellung von Katharina Grosse in Prag, Tschechien, Februar 2018
Wunderblid-Ausstellung von Katharina Grosse in Prag, Tschechien, Februar 2018 | Foto (Zuschnitt): © picture alliance/Roman Vondrous/CTK/dpa/VG Bild-Kunst

Die Berliner Künstlerin Katharina Grosse verwandelt mit ihren großformatigen Sprayarbeiten komplette Räume in komplexe Farbwelten. Dabei setzt sie sich bewusst über konservative Strukturen in der Malerei hinweg.

Katharina Grosse, geboren 1961 in Freiburg im Breisgau, studierte an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf unter anderem bei den Künstlern Norbert Tadeusz und Gotthard Graubner. Die Werke der vielfach ausgezeichneten Malerin befinden sich in den Sammlungen des Pariser Centre Georges-Pompidou, dem Kunsthaus Zürich, dem Kunstmuseum Bonn, dem Museum für Neue Kunst in Freiburg, dem Museu Serralves in Porto, dem Kopenhagener Arken Museum für moderne Kunst und der Gallery of Modern Art in Queensland, sowie in mehreren  Unternehmenssammlungen.

2009 entwickelte sie für ihre Ausstellung shadowbox in der Temporären Kunsthalle Berlin einen Werkkomplex bestehend aus vier bemalten Ellipsen, die sich in den Raum wölben. Eine dieser Ellipsen wurde 2010 im Rahmen der Quadriennale außen an der Düsseldorfer Johanneskirche befestigt. Von 2000 bis 2018 war Katharina Grosse zudem als Professorin tätig, zunächst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, danach an der Kunstakademie Düsseldorf.

Katharina Grosse Katharina Grosse | Foto: © picture alliance / Horst Ossinger / dpa

Das Besondere an ihrem Werk

Die Künstlerin arbeitet nicht mit Leinwand und Pinsel, sondern verwendet eine Airbrush-Pistole, die mit einem Kompressor betrieben wird. Sie besprüht ganze Räume oder Außenflächen und bezieht unterschiedlichste Materialien und Gegenstände in ihre Kunstwerke mit ein. So bemalte Grosse bereits Privathäuser, Museen, Kantinen und Treppenhäuser, aber auch Schutt oder große Erdhügel. Ihre Werke sollen eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit schaffen. Laut ihrer Auffassung kann Farbe Materialien transformieren, da sich durch die neue Optik die Vorstellungswelt verschiebt.  
 

Worauf sie Wert legt

Wichtig ist Katharina Grosse die Rolle der Frauen in der Malerei. Bereits als Studentin war sie über die konservativen Strukturen an den deutschen Kunstakademien schockiert. Obwohl etwa siebzig Prozent der Kunststudierenden Frauen seien, gingen die meisten von ihnen unter, da sie in „dieser vollkommen männlich dominierten Gesellschaft nicht unterstützt werden.“
 

Wie sie die Social-Media-Plattform Instagram eroberte

2016 beauftragte das US-amerikanische Kulturinstitution MoMA PS1 die Künstlerin damit, eine vom Wirbelsturm „Sandy“ zerstörte Militärbaracke am Strand von New York zu bemalen. Das Bild des pink und rot angesprühten Hauses entwickelte sich zum viralen Hit auf Instagram, wo es in wenigen Monaten tausendfach hochgeladen wurde.

Installation von Katharina Grosse an einer vom Wirbelsturm „Sandy“ zerstörten Militärbaracke am Strand von New York, USAFoto: © picture alliance / Christina Horsten / dpa / VG Bild-Kunst

In eigenen Worten

„Ich baue Prototypen der Imagination. Diese Prototypen bilden die Realität nicht ab, sondern produzieren sie, treiben sie voran, sie wirbeln die Realität auf, falten sie ein, vertiefen sie, bringen sie in Gang, Prototypen beschleunigen sie, lassen sie entgleisen.“ (Quelle: Facebook)