Wolfgang Staehle Digitale Bilder in Echtzeit

Screenshot des digitalen Kunstprojekts „The Thing“
Screenshot des digitalen Kunstprojekts „The Thing“ | Foto (Zuschnitt): © Wolfgang Staehle / CC BY-SA 3.0

Der in New York tätige Künstler Wolfgang Stähle hat sich auf Videoskulpturen und Live-Videostreams spezialisiert. Bekannt wurde er vor allem durch seine Aufnahmen des Terroranschlags am 11. September 2001 auf das World Trade Center.

Der 1950 in Stuttgart geborene Videokünstler Wolfgang Stähle studierte an der Freien Kunsthochschule Stuttgart und an der School of Visual Arts in New York. Er gilt als einer der Pioniere der Internetkunst. Nachdem er bereits als Maler, Fotograf und Videokünstler tätig war, gründete Stähle 1991 das kollektive Medienprojekt The Thing, eine Online-Community für Künstler und Kunstprojekte, das sich im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Forum für neue Medienkunst, Theorie und Kritik entwickelte. 1996 begann Wolfgang Stähle damit, eine Serie von Online-Live-Videostreams zu produzieren – etwa Empire 24/7, eine fortlaufende Aufzeichnung des oberen Empire State Buildings, oder die Bilder eines Dorfes im brasilianischen Regenwald. Seit Ende der Achtzigerjahre hatte Wolfgang Stähle zahlreiche internationale Einzelausstellungen, unter anderem in New York, Tel Aviv, Shanghai, Paris, Mailand, Tokyo und Köln. 2016 wurde sein Projekt Ludlow Street in der New Yorker Postmasters Gallery gezeigt, für das er über zehn Jahre hinweg Bilder von ebenjener Straße gesammelt hat.

 
Was er vermitteln möchte

Mit seiner Arbeit erforscht Wolfgang Stähle Dynamik, Ereignisse und Implikationen der Konnektivität. Statt Malerei, Fotografie oder Film nutzt er in Echtzeit übertragene digitale Bilder, um ein neues Verständnis für das Landschaftsgenre zu schaffen. Laut einer Pressemitteilung seines Ausstellers in New York bietet Stähle „gegen die heutige Dauer-Gegenwart und das fieberhafte Netzwerken der Welt, um alles überall zu jeder Zeit zu erfahren, die reflexive Verlangsamung schöner Bilder als Kur an, die nah und doch weit entfernt, statisch und doch veränderlich zugleich sind.“
 

Was außergewöhnlich ist

2001 zeichnete Wolfgang Stähle durch Zufall mit einer Webcam die Anschläge vom 11. September in New York auf. Die Aufzeichnungen waren für eine Installation in der New Yorker Postmasters Gallery gedacht. Stähle archivierte die Bilder und stellte sie 2001 nicht den Medien zur Verfügung. Erst einige Zeit später fanden seine Aufnahmen Einzug in Ausstellungen.
 


 
In eigenen Worten

In einem Interview mit Journal of Contemporary Art sagte Wolfgang Stähle über die Rolle der Medien in der Kultur: „Die Medien, wie das Fernsehen, sind in unserer Kultur so weit verbreitet. Viele Leute schauen die ganze Zeit fern, und es gibt Snobs, die sagen ‚Ich schaue nicht fern‘. Ich denke, es ist egal ob du fernsiehst oder nicht, du wirst auf jeden Fall kulturell beraubt, weil das Fernsehen alle Menschen um dich herum beeinflusst.“