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Freiraum
Ich habe meinen Traum begraben

Sukrina, 20 Jahre | Herkunft: Marokko | <i>Mayas Schleier.</i> In den Himmel schauen, um Hürden zu überwinden.
Sukrina, 20 Jahre | Herkunft: Marokko | Mayas Schleier. In den Himmel schauen, um Hürden zu überwinden. | © Goethe-Institut Italien | Foto: Sukrina

„Scatti di libertà“ ist ein Projekt von dreißig Jugendlichen aus Turin und Genua. In der Fotoinstallation, die auch ein interaktives Spiel umfasst, erzählen die Jugendlichen von sich und von ihrer Angst, sich in ihrem Leben nicht verwirklichen zu können.

Von Elisa Costa

Wer bin ich? Woher komme ich? Wie alt bin ich und was mache ich? Das sind üblicherweise die ersten Informationen, die wir geben, wenn wir über unsere Herkunft und Identität sprechen. Und genau diese Fragen dienten auch dreißig Jugendlichen aus Italien und dem Ausland, im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, als Ausgangspunkt, um gemeinsam über den Begriff „Freiheit“ nachzudenken. Insbesondere über die Freiheit, sich auszudrücken und sich zu verwirklichen, wenn man in den multiethnischen Stadtteilen Cornigliano oder Porta Palazzo in Genua beziehungsweise Turin lebt.
 
Dazu wurde von den Vereinen Yepp Porta Palazzo und Yepp Cornigliano in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut im Zuge des Projekts Freiraum eine Reihe von Treffen organisiert, in deren Rahmen sich die Jugendlichen zunächst mit Fragen zu ihrer Identität beschäftigten. Aus diesen ergab sich schließlich die entscheidende Frage: Was hindert mich daran, mich auszudrücken, mich frei zu fühlen? Welche Hindernisse erschweren meinen Weg ins Erwachsenenleben, meine Entwicklung?
 
Bei diesen Treffen, bei denen sich die Jugendlichen intensiv mit dem Begriff „Freiheit“ auseinandersetzten, fiel immer wieder das Wort „Mut“. Mut, sich von bereits verinnerlichten Vorurteilen zu lösen. Mut, sich den großen Herausforderungen des Lebens zu stellen. Mut, zu versuchen, den eigenen Freiraum – wenn auch nur ein ganz kleines bisschen – zu vergrößern.

Eine junge Frau schreibt: „Ich habe immer gern gelernt. Aber meine Zeit in der Schule war nicht einfach. Ich hatte eine andere Hautfarbe, sprach eine andere Sprache, hatte andere Erfahrungen in der Familie, kam aus einer anderen Kultur. Und weil ich anders war, wurde ich von meinen Mitschülern oft aus ihren Spielen und Freundschaften ausgeschlossen, für dumm gehalten und verspottet.“

Ein junger Mann hingegen erzählt: „Seit ich ein Kind war, habe ich davon geträumt, Feuerwehrmann zu werden. Ein Held, der sich um andere kümmert. Stark, furchtlos, großzügig. Einer, der sich der Gefahr stellt und Menschen aus ihrem Unglück rettet, ohne Angst vor dem Risiko, das er eingeht. Aber es ist ganz anders gekommen. Ich war lange allein. Ich bin immer arm gewesen und konnte deshalb nicht zur Schule gehen. Ich habe meinen Traum begraben.“

„Ich bin Marokkaner und habe keine Dokumente. Keiner vertraut mir, gibt mir eine Wohnung oder Arbeit. Ich möchte nicht mehr ausgebeutet werden, eine Menge Geld für eine kalte Dachkammer ohne Mietvertrag zahlen. Aber niemand vermietet an Ausländer ohne reguläre Arbeit.“

  • Ahmed, 17 Jahre | Herkunft: Ägypten | <i>Die Unterstützung der eigenen Familie</i>. Nur in der Umarmung meiner Mutter finde ich die Lösung zu meinen Problemen. © Goethe-Institut Italien | Foto: Sukrina
    Ahmed, 17 Jahre | Herkunft: Ägypten | Die Unterstützung der eigenen Familie. Nur in der Umarmung meiner Mutter finde ich die Lösung zu meinen Problemen.
  • Alberto, 27 Jahre | Herkunft: Italien | <i>Ihr seid naiv.</i> Wissen ist Macht: Es ermöglicht jedem Menschen – Mann, Frau, Jungen oder Mädchen – sich ein Bild von der Welt zu machen und sich die eigene Freiheit zu erobern. © Goethe-Institut Italien | Foto: Alberto
    Alberto, 27 Jahre | Herkunft: Italien | Ihr seid naiv. Wissen ist Macht: Es ermöglicht jedem Menschen – Mann, Frau, Jungen oder Mädchen – sich ein Bild von der Welt zu machen und sich die eigene Freiheit zu erobern.
  • Giulia, 16 Jahre | Herkunft: Italien | <i>Power Art. </i> Vorstellungskraft innerhalb eines Raumes. © Goethe-Institut Italien | Foto: Giulia
    Giulia, 16 Jahre | Herkunft: Italien | Power Art. Vorstellungskraft innerhalb eines Raumes.
  • Hicham, 16 Jahre | Herkunft: Italien | <i>Frei, aber in der Leere.</i> In habe einerseits Angst und andererseits Lust, etwas zu wagen und Neues zu entdecken. © Goethe-Institut Italien | Foto: Hicham
    Hicham, 16 Jahre | Herkunft: Italien | Frei, aber in der Leere. In habe einerseits Angst und andererseits Lust, etwas zu wagen und Neues zu entdecken.
  • Serena, 22  Jahre | Herkunft: Italien | <i> Es geht nicht voran.</i> Wenn es an Unterstützung und Chancen mangelt, weiter zu kommen und sich zu verwirklichen. © Goethe-Institut Italien | Foto: Serena
    Serena, 22 Jahre | Herkunft: Italien | Es geht nicht voran. Wenn es an Unterstützung und Chancen mangelt, weiter zu kommen und sich zu verwirklichen.
Häufig sind es ihr Geschlecht, ihre ethnische Zugehörigkeit, persönliche, wirtschaftliche oder soziale Gründe, die den jungen Menschen viele Wege versperren. Ausgehend von diesen Überlegungen entstanden letztlich die 19 Fotos der Serie Scatti di libertà, die im Juli in den Giardini Luzzati in Genua und in der Conserveria in Turin gezeigt werden.

Ergänzend zur Ausstellung präsentieren die Jugendlichen dort außerdem ein interaktives Spiel, das den Besuchern die Möglichkeit bietet, am gemeinsamen Reflektionsprozess zum Thema Freiheit teilzunehmen. Das Spiel beginnt mit denselben Fragen, die auch den Jugendlichen von Porta Palazzo und Cornigliano als Einstieg in ihr Projekt dienten. Indem die Besucher eine Frage nach der anderen beantworten, wählen auch sie einen Lebensweg, in dem sie sich entweder wiederfinden, oder aber der zum Nachdenken anregt. Was schließlich zu einer letzten Frage führt, die zugleich viele neue aufwirft: Ist das wirklich das, was ich wollte?

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