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Das Projekt „Redrawing Stories from the Past #2“
Zeichnen gegen das Vergessen

Workshop in Leipzig, Juli 2018. Julia Kluge arbeitet an ihrem Comic.
Workshop in Leipzig, Juli 2018. Julia Kluge arbeitet an ihrem Comic. | © Johanna Wand

Junge Comic-Zeichnerinnen erzählen die Geschichten vergessener Opfer der antisemitischen und rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus.

Von Johanna Wand

Redrawing Stories from the Past #2 ist ein Projekt der Kuratoren Elisabeth Desta und Ludwig Henne, das junge europäische Comic-Künstler dazu einlädt, historische Ereignisse im Kontext von Flucht und Migration und die Erinnerung daran im Format der Graphic Novel zu erzählen. Ziel des Projekts ist es vor dem Hintergrund der aktuellen Flucht- und Migrationsbewegungen das Bewusstsein für die gemeinsame europäische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu stärken. Die an dem Projekt beteiligten Künstlerinnen recherchieren historisches Material wie Fotos, Filme, Dokumente, Interviews, Biographien und treffen Nachfahren Betroffener. Von diesem Recherchematerial ausgehend, entwickeln sie Geschichten, die sie mit den Mitteln der Graphic Novel umsetzen. Ihre Geschichten veranschaulichen einen unsichtbaren, vergessenen und marginalisierten Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Sie verleihen Menschen, die noch nie zuvor gehört wurden, eine Stimme und bieten eine neue Perspektive und ein besseres Verständnis der Gegenwart, die wir alle teilen.

Die Projektteilnehmerinnen Alice Socal, Emilie Josso, Lina Itagaki und Julia Kluge werden von Comiczeichner Sascha Hommer, dem Comic-Theoretiker Ole Frahm und dem Historiker Michael Hein in ihrer Forschungs- und künstlerischen Arbeit unterstützt.

Redrawing Stories from the Past – Flucht und Migration in Europa findet in Neapel und Leipzig statt. Es wird von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Goethe-Institut Italien in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Neapel, dem AJZ Chemnitz und Kuš! finanziert.

Wir haben mit den Kuratoren des Projekts Elisabeth Desta und Ludwig Henne über ihr Projekt gesprochen.

Warum findet ihr es wichtig heute ein Comic-Projekt über Flucht und Migration als Folge von Nationalsozialismus und Faschismus zu realisieren?

Das Projekt setzt eigentlich bei der Gegenwart an. Man fragt sich ja immer, wie es während des Nationalsozialismus so weit kommen konnte, dass Juden und Jüdinnen, aber auch andere vom System Verfolgte nicht aus Deutschland weggekommen sind und das dies für die meisten mit dem Tod endete. Juden und Jüdinnen, die monatelang auf Schiffen von einem zum anderen Hafen außerhalb Europas geschickt wurden und kein Land sie aufnehmen wollte und sie letztendlich wieder in Europa an Land gehen mussten. Flüchtlingskonferenzen, auf denen beraten wurde, wie mit den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich umzugehen sei und die ergebnislos blieben. Die gegenwärtige Situation ist natürlich eine historisch andere, aber viele Mechanismen sind ähnlich. Die Grenzen werden dicht gemacht, kein Land möchte Geflüchtete aufnehmen, sogar die Rettung derselben auf dem Mittelmeer durch zivilgesellschaftliche Akteure wird kriminalisiert, die europäischen Staaten schaffen es nicht eine gemeinschaftliche und vor allem humanistische Lösung zu finden, (Rechts)Populismus und rassistische Hetze stehen oft im Vordergrund. Europa wurde auf dem Imperativ des „Nie wieder“ aufgebaut. Dieser moralischen Verpflichtung sollten sich die europäischen Staaten nicht entziehen.

Was möchtet ihr mit diesem Projekt erreichen?

Mit diesem Projekt möchten wir die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschichte fördern und auch eine Haltung in der Gegenwart möglich machen. Zudem möchten wir über die fertigen Comics den Einstieg für Jugendliche in das Thema erleichtern.

Was ist bisher passiert?

Bisher haben zwei Workshops stattgefunden, mit allen Beteiligten. Einer in Neapel, der andere in Leipzig. Der Fokus des ersten Workshops lag eher auf inhaltlichem Input zum Thema. Es gab einen historischen Input von dem Historiker Michael Hein und comictheoretische Überlegungen von Ole Frahm und Sascha Hommer. Die ersten Ideen der Künstlerinnen wurden vorgestellt und besprochen. Die Zeit zwischen den Workshops nutzten die Künstlerinnen, um an ihren Ideen weiterzuarbeiten und ein Storyboard zu entwerfen. Im zweiten Workshop wurden die Entwürfe besprochen und von den Künstlerinnen weiter bearbeitet. Parallel zu den Workshops haben wir gemeinsam mit den Projektteilnehmerinnen wichtige Gedenkstätten besucht, wie das ehemalige Internierungslager Campagna in der Nähe von Salerno (Italien) und die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig.

Wie geht das Projekt weiter?

Zuerst einmal werden die Künstlerinnen ihre Comics bis zum Jahresende 2018 fertig stellen. Diese werden dann von unserem Kooperationspartner Kus! in 2019 – zeitgleich zu der geplanten Ausstellung in der Galerie Neurotitan in Berlin (16.3-6.4.19) – veröffentlicht. Im April 2019 wird die Ausstellung dann auch im Rahmen des Comic Festivals Comicon in Neapel zu sehen sein.
 

  • Workshop al RIOT Studio, Palazzo Marigliano, Napoli. Attorno al tavolo in senso antiorario: Ole Frahm, Lina Itagaki, Lea Heinrich (presente solo al workshop di Napoli), Julia Kluge, Ludwig Henne, Alice Socal, Emilie Josso, Sascha Hommer © Elisabeth Desta
    Workshop al RIOT Studio, Palazzo Marigliano, Napoli. Attorno al tavolo in senso antiorario: Ole Frahm, Lina Itagaki, Lea Heinrich (presente solo al workshop di Napoli), Julia Kluge, Ludwig Henne, Alice Socal, Emilie Josso, Sascha Hommer
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018. Colloquio con Julia Kluge; da sinistra a destra:  Sascha Hommer, Julia Kluge, Ole Frahm. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018. Colloquio con Julia Kluge; da sinistra a destra: Sascha Hommer, Julia Kluge, Ole Frahm.
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal.
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Julia Kluge. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Julia Kluge.
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal.
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018; bozzetti di Alice Socal.
  • Workshop a Lipsia, luglio 2018; Julia Kluge al lavoro. © Johanna Wand
    Workshop a Lipsia, luglio 2018; Julia Kluge al lavoro.

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