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Für eine Kultur der Netzwerke
Innovation war gestern

cheFare
© cheFare

Im Mailänder Palast der Triennale trafen wir Bertram Niessen, wissenschaftlicher Leiter und Vorsitzender von cheFare. Der 2012 entstandene Verein setzt sich für kulturelle Wandlungsprozesse und ihre nachhaltige Finanzierung ein. Wie das abläuft, erzählt er uns hier.

Von Sarah Wollberg

Der Kulturpreis für ein neues Publikum

Für den cheFare-Gründer gibt es ein einschneidendes Datum, an dem sich die Kulturarbeit für immer verändert hat: das Krisenjahr 2008, das für Italien große Budgetkürzungen im Bereich Kultur und Recherche mit sich gebracht hat. In der Kulturarbeit gibt es ein deutliches Vorher und Nachher. Der am Anfang ihrer Gründung stehende Preis „Premio cheFare“ möchte die neuen Arbeitsweisen innerhalb des vielfältigen Panoramas der Kulturarbeit fördern. Das Hauptaugenmerk fällt zunächst auf die finanzielle Haltbarkeit der einzelnen Kulturprojekte, die sich heute nicht mehr nur auf öffentliche Mittel, sondern vor allem auf neue Formen der Finanzierung stützen müssen. In den bisher drei Ausgaben des Preises haben die Macher von cheFare italienweit 1800 unterschiedliche Projekte kennengelernt. Die Abstimmung findet online statt, um zu sehen, wie die Projekte beim Publikum ankommen und welche Reichweite sie erzielen. Bisher wurden sehr verschiedene Projekte ausgezeichnet: Liberos in Sardinien, Case del Quartiere in Turin, Open Source in Bari, Baumhaus in Bologna und Tournée dei Bar in Mailand. Das, was alle Projekte gemeinsam haben, ist, dass sie Netzwerke knüpfen und auf Zusammenarbeit setzen – kurz: auf Kulturarbeit, die verbindet. Diese neue Perspektive impliziert einen Richtungswechsel: Heute sind es nicht mehr die Leute, die die Kulturmacher aufsuchen, sondern es sind die Akteure der Kulturszene, die auf das Publikum zu gehen und ihm eine aktive Rolle zuweisen.
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Vom Preis zur Webseite

Im Magazin von cheFare erscheint jeden Tag ein Artikel, den die Mitglieder selbst schreiben oder einem der 350 Autoren in Auftrag geben. Unter den Autoren sind auch junge Akademiker, die das Online-Magazin als Übungslabor nutzen, um ihre akademischen Texte in Webartikel zu verwandeln, ohne ihnen die Qualität zu nehmen. Ihnen ist es wichtig nicht nur innovatives Storytelling zu betreiben, sondern auch gesellschaftliche, politische und kulturelle Kritik zu üben. Alle Artikel lehnen sich an die Gründungsthemen des cheFare-Preises an: Kulturwirtschaft, kulturelles Projektmanagement, Stadterneuerung durch unabhängige Bürgerinitiativen und Kulturvereine, Kultur als Netzwerkarbeit und Technologie als Vehikel für partnerschaftliche Zusammenarbeit. Auf der Webseite wurden durch eine publikumsbezogene Umfrage unter Kulturmachern die Wörter der neuen Kulturarbeit definiert: Open Data, Comunity Hub, Audience Engagement, Nachhaltige Finanzierung. Vier Konzepte, ohne die Kulturarbeit heute nicht mehr auskommt.
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Empowerment und Kunstprojekte in öffentlichen Räumen

Aber cheFare ist nicht nur digital. Sie beraten zum Beispiel unabhängige Kulturvereine, mit denen sie vor allem eine nachhaltige finanzielle Organisationsstrategie ausarbeiten. Sie vermitteln ihr Wissen an kleinere Einrichtungen, um ihnen dabei zu helfen, groß zu denken und ihre Ziele zu erreichen. Fragen wie „Wo seid ihr heute und wo wollt ihr in fünf Jahren sein?“ und „Wie kommen wir dahin?“ werden dabei besonders beachtet. In den Antworten geht es um unbefristete Verträge und lückenlose Kommunikation mit der Stadt, den Ministerien, den Stiftungen. cheFare entwickelt auch eigene Kulturprojekte im öffentlichen Raum. Rosetta ist ein Veranstaltungsformat auf hohem Niveau, das aber sehr „cool“ daherkommt. Ein Philosoph, ein Künstler, ein Semiologe oder andere professionelle Persönlichkeiten gehen in die kleinen Kulturzentren der Vorstädte wie Makerspaces, Bibliotheken, Kinos, Bücherbars und halten einen anspruchsvollen Talk mit anschließendem DJ-Set. „Mailand ist, was die Kultur betrifft, in einem wahnsinnig lebhaften Moment, von den ganz großen Stiftungen und Institutionen bis hin zu den vielen kleinen Kulturvereinen, die alle eine ausgesprochen gute Arbeit leisten. Vor einigen Jahren habe ich Berlin verlassen. Heute bereue ich das nicht mehr!“, gesteht uns Bertram Niessen, bevor wir uns im Triennale-Palast nahe des Deutschen Pavillons von Armin Linke voneinander verabschieden. Es ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir uns mit cheFare zum Thema Kulturarbeit austauschen.

Die Kultur ist die beste Plattform, um der Öffentlichkeit Raum zu geben, sie inklusiver zu gestalten und eine stetig wachsende Anzahl an Personen mit einzubinden.

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