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Giorgia Pagliuca
Die bewusste Haltung der Influencer*innen

Giorgia Pagliuca, auf Instagram als @ggalaska
© privata

Giorgia Pagliuca ist 23 Jahre alt und absolviert einen Master in Gastronomiewissenschaften. In den sozialen Medien ist sie zum Thema Nachhaltigkeit aktiv, vor allem auf Instagram, wo sie über 17.000 Follower hat.

Giorgia, du bist eine grüne Influencerin, was bedeutet das?

‚Influencer’ hat in Italien eigentlich keine besonders positive Bedeutung. Man denkt dabei an Leute, die mit ihrem Telefon Geld verdienen, indem sie ein paar Fotos und Stories auf Instagram posten. In Wirklichkeit hat ein Influencer eine sehr wichtige Funktion, die eben daran geknüpft ist, dass man das Verhalten der anderen beeinflusst, und dabei geht es nicht unbedingt und ausschließlich um Konsumverhalten, sondern auch darum, im Alltag eine bewusste Haltung einzunehmen. Und daher kommt die Bezeichnung ‚grüne Influencerin’: eine Person, die zur einer umweltbewussteren, achtsameren, nachhaltigeren Einstellung anregt.

Nachhaltigkeit kommunizieren

Become an influencer for ecological change” (Werde Influencer*in für die Ökologiewende) ist eine Initiative des Goethe-Instituts, die sich an junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren richtet und eine Social-Media-Kampagne für Klima- und Umweltschutz ins Leben rufen möchte. Wie wichtig ist die richtige Kommunikation in diesem Bereich?

Diese Initiative ist sehr wichtig, vor allem, weil sie das Thema Nachhaltigkeit aufgreift. Die Schwierigkeit liegt gerade darin, das Thema Nachhaltigkeit zu kommunizieren, eine sehr komplexe Materie mit vielen verschiedenen Facetten. Die Vermittlungsarbeit sollte daher von Personen übernommen werden, die ausgebildet und kompetent sind, die verstanden haben, wie man das Storytelling anpasst und einen positiven Einfluss ausübt, indem man sich auf gesicherte Quellen stützt. Personen, die auch zu vermitteln versuchen, dass wir einen echten Aktivismus brauchen, der nicht nur Show ist. Die sozialen Medien bestehen nicht nur aus Hass oder Fake news, sondern im Gegenteil aus positiver Kommunikation, die eine inklusivere Zukunft in den Blick nimmt. Ich lerne online ständig vieles dazu, und so ist es auch bei anderen jungen Leuten, die vielleicht in Richtung einer nachhaltigeren Perspektive, zu nachhaltigeren Tätigkeiten gelenkt werden können.

Gastronationalismus und greenwashing

Als ich mir dein Instagram-Profil angesehen habe, sind mir besonders die Begriffe „Gastronationalismus” und „Greenwashing” ins Auge gefallen.

Was den Gastronationalismus angeht, so steckt in diesem Wort bereits das Thema Nationalismus, mit dem ja schon für sich genommen keine, sagen wir, positive Geschichte verbunden ist. Mit Gastronationalismus ist gemeint, dass sich Gastronomietraditionen abkapseln, aber auch, dass kulturelle Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen abgebrochen werden, dass die eigene Wein- und Gastronomiekultur verteidigt wird. In Wirklichkeit aber entsteht jede gastronomische Kultur, nicht nur die italienische, aus dem Kontakt heraus, genauso wie die Kultur im Allgemeinen. Die Küche ist Begegnung, Kommunikation und Vertrautheit, und das Essen reicht über den Traditionsbegriff hinaus, ist nichts Unverrückbares und Statisches, sondern wandelt sich mit der Zeit.

Was den Begriff Greenwashing angeht, so sprechen wir hier von Marketing. Hier erhalten Produkte, die nicht grün sind, einen grünen Anstrich. Greenwashing führt uns von bewussterem Konsum weg, weil wir glauben, etwas Gutes für die Umwelt, für uns selbst und die Gesellschaft zu tun, während wir uns in Wirklichkeit schaden. Ich versuche immer, das an grünen Claims von Firmen zu verdeutlichen, die das Adjektiv „nachhaltig” nur pro forma verwenden, wie etwa bei einer Kollektion, die zu 20 Prozent aus recyceltem Plastik besteht, aber nach wie vor in Bangladesch von Kindersklavinnen hergestellt wurde. Oder was heißt schon CO2-neutrale Produktion, das bedeutet, dass man so produziert wie immer und dann Bäume pflanzt. Ein Flicken auf einem riesigen Loch also. Und außerdem sind Greenwashing und Gastronationalismus im Bereich der Gastronomie, auch der Weinkultur, leider besonders eng miteinander verknüpft.

Wollen wir noch kurz das Thema Plastik ansprechen?

Plastik lässt sich nicht vollkommen vermeiden, ich denke da an die Medizin. Aber wir können die „Plastic free”-Bewegung in ein „Plastic no more” verwandeln, also kein neues Plastik herstellen, sondern das recyceln und wiederverwenden, was bisher bereits produziert worden ist.

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