Berlinale-Blogger 2017 Milena Canonero, italienischer Star der Berlinale 2017

Milena Canonero
Hommage 2017 und Goldener Ehrenbär für Milena Canonero | Foto (Ausschnitt) © Manuele Geromini

Die italienische Kostümbildnerin erhält im Berlinale Palast den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk.

Es kommt selten vor, dass Filmfestspiele mit einem speziellen Ehrenpreis und einer Retrospektive Leute aus der Branche küren, die weder Regisseure noch Darsteller sind. Wenn es doch einmal geschieht, dann handelt es sich um derart brillante Talente, dass sich niemand fragen muss: „Warum gerade er oder sie?“

Darum ist die Anerkennung, die die Berlinale 2017 mit der Verleihung des Ehrenbären am 16. Februar der italienischen Kostümbildnerin Milena Canonero aus Turin entgegenbringt, beinahe unumgänglich – obwohl wenige die Entscheidung vorhergesehen haben, bevor Berlinale-Direktor Dieter Kosslick sie im Januar bekanntgab: „Milena Canonero ist eine außergewöhnliche Kostümbildnerin. Mit ihren Kostümentwürfen hat sie maßgeblich am Stil vieler filmischer Meisterwerke mitgewirkt. Mit der Hommage 2017 möchten wir eine große Künstlerin ehren und das Augenmerk auf die große Bedeutung der Kostümbildner innerhalb des Filmgeschäfts werfen.“

Eine Karriere von oben

Milena Canonero, Jahrgang 1946 und seit mehr als 45 Jahren in der Filmbranche tätig, hat ganz oben angefangen. Nach ihrem Studium in Genua zog sie nach London und arbeitete dort für die Werbung und für das Theater. Den ersten Kinoauftrag bekam sie dank ihres außergewöhnlichen Talents und dank einiger Freunde, die sie mit Stanley Kubrick bekannt machten. Die Kostüme für den Film Uhrwerk Orange sind ihr Werk. Milena Canonero erinnert sich an diese Erfahrung: „Es war der aufregendste Auftrag meiner Laufbahn. Von der Uni landete ich direkt beim großen Kino, als Kostümbildnerin in einem Kubrick-Film … Zu beobachten, wie er drehte, welche Objektive er benutzte, wie er mit dem Licht experimentierte, wie detailversessen er war und wie er die Schauspieler führte, machte mir trotz meiner Unerfahrenheit klar, dass ich ein Genie vor mit hatte.“
 
  • Marie Antoinette (2006, Regie: Sofia Coppola) Filmstill © Marie Antoinette
    Marie Antoinette (2006, Regie: Sofia Coppola)
  • Uhrwerk Orange (1971, Regie: Stanley Kubrik) Filmstill © Uhrwerk Orange
    Uhrwerk Orange (1971, Regie: Stanley Kubrik)
  • Barry Lyndon (1975, Regie: Stanley Kubrick) Filmstill © Barry Lyndon
    Barry Lyndon (1975, Regie: Stanley Kubrick)
  • Grand Budapest Hotel (2014, Regie: Wes Anderson) Filmstill © Grand Budapest Hotel
    Grand Budapest Hotel (2014, Regie: Wes Anderson)
Seitdem hat sie außer mit Kubrick (auch bei Barry Lindon und Shining) mit anderen herausragenden Regisseuren wie Hugh Hudson, Sidney Pollack, Francis Ford Coppola, Roman Polanski und Wes Anderson zusammengearbeitet und hat bei sage und schreibe neun Nominierungen vier Oscars gewonnen.

Milena Canonero ist mit dem Schauspieler Marshall Bell verheiratet und lebt seit vielen Jahren in Los Angeles. Obwohl wir Italiener ihr Talent nur aus der Ferne feiern, lässt ihr Erfolg doch eines der wenige Klischees wiederaufleben, auf das wir stolz sind: das italienische Stilbewusstsein. Im Kino wie im echten Leben.