Kreativwirtschaft Rom und Berlin durch Kunst verbinden

Rom und Berlin durch Kunst verbinden
Rom und Berlin durch Kunst verbinden | © Andrea D’Addio

Sich eine solche Brücke vorzustellen, ist ein Leichtes. Rom ist ein Symbol für die Kunst der Klassik, der Renaissance und des Barock, ebenso wie Berlin für zeitgenössische Kunst steht. Um die Theorie umzusetzen, braucht es jedoch Menschen, Erfahrungen und vor allem Werke.

Die Initiative

Das Goethe-Institut Rom bemüht sich darum mit einem ehrgeizigen Projekt, das zwischen November 2016 und März 2017 vier Kunststipendien zur Verfügung stellt, für zwei Italiener in Berlin und zwei Deutsche in Rom, die ebenso viele Werke für die dritte Ausgabe des Media Art Festival 2017 in Rom produzieren.

Um wen geht es? Einerseits Donato Piccolo und Simone Pappalardo, andererseits Kristina Paustian und Ulf Aminde. Koordiniert wird die Aktion von Valentino Catricalà, dem Gründer und Leiter des römischen Media Art Festivals, der zugleich die italienischen Künstler aussuchte. „Donato und Simone sind sehr unterschiedlich und doch zugleich komplementär bei ihrer Arbeit mit dem Ton, dem Schlüsselthema ihres Stipendiums. Für Donato handelt es sich um eine aufzulösende Idee, die es in Beziehung zu physikalischen und chemischen Gesetzen zu bringen gilt. Simone geht es dagegen mehr um Performances. Eines seiner früheren Projekte bestand darin, alte Radios und nicht mehr benutzte Objekte für musikalische Kompositionen einzusetzen.“
Kristina Paustian und Ulf Aminde wurden dagegen von der Fondazione Mondo Digitale und dem Goethe-Institut Rom ausgewählt, wie Christina Hasenau erklärt. „Beide beschäftigen sich über die Kunst mit der Aktualität und ihren Problemen, vor allem mit Blick auf soziale Themen. Im Unterschied zu den beiden italienischen Künstlern werden sie an Videokunstwerken arbeiten. Darüber hinaus sind sie Dozenten an zwei der wichtigsten Kunsteinrichtungen in Berlin, Kristina Paustian an der Universität der Künste und Ulf Aminde an der Kunsthochschule Weißensee. Wenn möglich, werden sie auch für alle offene Masterclass-Kurse halten, um die eigene Herangehensweise an die künstlerische Produktion zu erklären.“

Kunst entwickeln, anderswo

An einem für Berlin mit acht Grad Celsius warmen Tag treffen wir Anfang Dezember in der Galerie Mazzoli Kristina Paustian, Donato Piccolo und Valentino Catricalà. Kristina ist bereits im Aufbruch nach Rom begriffen und freut sich schon auf einen Spaziergang ohne Schal und Hut. „Ich habe schon eine Idee für das Werk, an dem ich arbeiten werde. Ich werde die drei Wochen des Stipendiums vor allem für die Suche nach den richtigen Materialen nutzen. Gibt es in Rom Baumärkte?“ „Nein“, antwortet Donato, „aber alles andere und, wenn Du willst, kann ich Dir helfen, auch per Mail. Egal, wonach du suchst, ich weiß, wo du es findest.“ Sie kennen sich erst seit wenigen Augenblicken, aber schon jetzt ist ihnen klar, dass sie ein gemeinsames Problem haben, dass sie als Team angehen können, die Suche nach der Ausrüstung, die sie für ihre jeweiligen Werke benötigen.

Donatos Arbeit geht denn auch von zwei Elementen aus, die in westlichen Ländern glücklicherweise nicht schwer zu finden sind, Wasser und Strom. „Beide haben keine Form, wenn sie nicht in einem Verhältnis zum Raum stehen. Ich möchte mit Hilfe eines physikalischen Phänomens, das mich sehr fasziniert, diese Beziehungen ans Licht bringen, und zwar mit der plötzlichen Auflösung von Symmetrie.“ Welche Rolle spielt Berlin in diesem Schaffensprozess? „Deutschland hat immer eine Vorreiterrolle, wenn es um Technologie und elektronische Mechanismen geht. Sie haben eine gute Art, Wissenschaft zu vermitteln. Diesen Aspekt behandle ich auch in meiner Kunst. Ich plane Besuche im Science Center Berlin Ottobock und im Deutschen Technikmuseum, um zu sehen, wie das deutsche Denken funktioniert. Außerdem werde ich mich bemühen, ansässige Künstler zu treffen, auch wenn die Kunst mittlerweile globalisiert ist und dass, was in Berlin passiert, wenig später nach Rom kommt und umgekehrt. Im Übrigen besteht die Arbeit des Künstlers darin, auf andere Künstler zu antworten, in einer kontinuierlichen Auseinandersetzung oder besser einem ständigen Dialog mit Lebenden und Toten.“

Auch Kristina zielt in die gleiche Richtung: „Das ist mein erstes Reisestipendium. Das Reisen gehört aber zu meinem Leben. Ich bin in Omsk in Russland geboren. Berlin ist die Stadt meines Vaters, ich kam mit 17 hierher. Für mich ist Rom weniger an die Kunst gebunden, von der Goethe in seiner Italienischen Reise schwärmt, als an Cinecittà als Bezugspunkt für jeden Cineasten. Ich werde die drei Wochen in Rom nutzen, um ein Konzept aus einer Idee zu entwickeln, die ich bereits im Kopf habe, während die Ausführung vor allem in Berlin erfolgen wird. Ich kann schon jetzt sagen, dass ich in 3D arbeiten werde, aber für das Ergebnis muss man auf das Festival warten.“ Brücken erfordern für ihren Bau schließlich Zeit.