Integration durch Innovation Mondo Digitale, für eine demokratische Wissensgesellschaft

Phyrtual Factory
Phyrtual Factory | © Fondazione Mondo Digitale

Eine frisch auf den Namen „Città educativa di Roma„ (Römische Bildungsstadt) umgetaufte Schule im Quadraro, einer klassischen Vorstadtgegend. Mit Blick auf den Park der Aquädukte, die nicht atemberaubend sind, sondern das Atmen erst ermöglichen, nachdem man die Hochhäuser und den Verkehr von Cinecittà hinter sich gelassen hat. Hier hat die Fondazione Mondo Digitale ihren Sitz, ein Verein, der „für eine demokratische Wissensgesellschaft„ arbeitet. Eine Gesellschaft, die alle integriert, d.h. auch die Benachteiligten, weil der Nutzen des Wissens, der neuen Technologien und der Innovation allen ohne Unterschied zur Verfügung stehen muss.

„Wir nutzen das Aquädukt als Symbol“, sagt Valentino Catricalà, der künstlerische Leiter des Media Art Festival und Koordinator von Kunst- und Mediaprogrammen der Fondazione Mondo Digitale, zur Begrüßung am Eingang. „In gewisser Weise repräsentiert es uns, es ist ein Modell für den Übergang, für die Verbindung zwischen verschiedenen Teilen. Und es zeigt unsere Zugehörigkeit zu dieser Gegend.“
Wir durchqueren gemeinsam Klassenzimmer, die Mondo Digitale „Lernräume“ nennt, wo die Kinder das Programmieren mit Spielzeugen in Form von Bienen lernen, wo sie Videospiele entwickeln, Roboter und anderes, wo sie Anwendungen für die virtuelle Realität und digitale Herstellung entwickeln, wo an Media Art gearbeitet wird, an Videos über das „Internet der Dinge“. Schließlich sind wir in einer Schule und auch ich lerne neue Begriffe und Ideen kennen. Dass ein Maker nicht nur ein Macher ist, sondern eine kreative Persönlichkeit, die Ideen hat und die einen Space benötigt, einen gemeinsamen Raum mit modernster Ausrüstung, um sie umzusetzen. Ich lerne, dass die Phyrtualität unerlässlich ist, die „Integration der physischen mit der virtuellen Dimension in allen geförderten Innovationsprozessen“.

Bildung für das Leben

Fondazione Mondo Digitale © Fondazione Mondo Digitale Auch im Gespräch mit Valentino Catricalà lerne ich vieles. „Mondo Digitale ist für die Inklusion in allen Bereichen entstanden, allen voran im Bildungssektor“, sagt er. „Wir gehen von den Theorien unseres wissenschaftlichen Leiters Alfonso Molina aus, der dreißig Jahre lang an der Universität Edinburgh unterrichtet hat, er hat eine Theorie über die Bildung für das Leben entwickelt. Weil die Bildung nicht nur die Stunden betrifft, in denen man die Schulbank drückt, sondern eine weiter gefasste Idee ist, die die gesamte Existenz betrifft, die Tiefe der menschlichen Seele und alle Wissensbereiche. Und die alle Menschen betrifft, von den Alten zum Beispiel, bis hin zu den Arbeitslosen. Unser Innovationsübungsraum ist die Konkretisierung dieser Theorien. Das ist der Ort, wo Inklusion verwirklicht wird. Die große Stärke von Mondo Digitale besteht darin, dass die praktischen Aktivitäten theoretisch fundiert sind und umgekehrt starker Einfluss der Theorie einem Drang zur Umsetzung in die Praxis entspricht.“

Media Art Festival

Die Arbeit der Fondazione Mondo Digitale beschränkt sich nicht nur auf ihren Sitz im Quadraro.
Nach dem großen Erfolg der vergangenen Jahre wird Mondo Digitale auch 2017 das Media Art Festival organisieren, das aus einer von Valentino Catricalà als erstem in Italien eingebrachten Idee entstand. „Das Festival will nicht nur große Künstler präsentieren, sondern auch mit innovativen Bildungssystemen in Kontakt treten. Das wird durch den chronischen Mangel an Mitteln häufig nicht gerade leicht gemacht. Dreizehn internationale Künstler haben 2016 mit Schülern von zwölf Schulen aus Rom, Mailand und Neapel gearbeitet. Sie haben mit einer Mischung aus Technologie und zeitgenössischer Kunst experimentiert. Die Künstler haben mit den Schülern die Werke erstellt, die dann beim Festival ausgestellt wurden.“ Catricalà ist offensichtlich mit Leidenschaft dabei, seine Passion merkt man ihm an jedem Wort an. „Der Künstler, der sich für Technologien öffnet, verändert seinen Blick auf die Technologien, weil der Umgang mit ihnen diesen einen anderen Sinn verleiht. Und dank der Kunst werden neue Nutzungen für die bestehenden Technologien entwickelt. Genau darin besteht der Mehrwert der Künstler, die sich mit Technologien befassen, sie folgen nicht vorgefassten Schemata, sondern begeben sich auf die Suche, sie finden neue Nutzungen, die die Unternehmen zu neuen Entwicklungen anregen.“ Er nennt das Beispiel von Technologien wie dem Synthesizer und der Digitalfotografie, die in den vergangenen Jahrzehnten dank technischer Notwendigkeiten von Künstlern weiterentwickelt wurden. „Die gesellschaftliche Rolle der Media Art ist offensichtlich. Sie wird auch von den großen Unternehmen anerkannt, wenn sie Künstler einladen, bei ihnen zu arbeiten. Die Media Art schafft so eine Verbindung zwischen den Welten der Kunst, der Innovation und der Bildung. Und die Stärke von Mondo Digitale besteht darin, diese Verbindung in die großen Unternehmen hineinzutragen.“

Künstlerstipendien

Das Engagement von Mondo Digitale beschränkt sich nicht auf das Festival, es reicht sogar bis nach Deutschland. „Wir möchten die Idee des Künstlerstipendiums weiterentwickeln, indem wir sie aus der abgeschlossenen Welt der Akademien herausholen, die zwar wunderschöne Orte sind, aber kaum Kontakt zur Umgebung schaffen. Wir wollen eine kreativen Konfrontation der Kulturen herbeiführen, die sie in der Umgebung verwurzelt und mit ihr verbindet.“ Mondo Digitale wird Rom und Berlin miteinander verbinden. „Zwei italienische Künstler werden nach Berlin gehen, zwei deutsche werden nach Italien kommen. Eigentlich sollten sie zusammen arbeiten, aber es wird schwierig werden, die Daten miteinander in Einklang zu bringen. Hier in Rom werden wir in jedem Fall Abende für die deutschen Künstler organisieren, die dabei auch ihre Projekte ausstellen können.“

Das Goethe-Institut und der Maker Space

Ganz zu schweigen vom Maker Space innerhalb des Goethe-Instituts Rom. „Mondo Digitale realisiert damit ein Projekt des Goethe-Instituts und arbeitet dabei mit den städtischen Bibliotheken Roms und der Universität Roma Tre zusammen, damit die Idee dieses Maker Space auch in den Bibliotheken und an der Universität umgesetzt werden kann. Mondo Digitale wird den Inhalt der Projekte entwickeln. Der Maker Space wird ein Ort der Begegnung und der Konfrontation für Maker, Hacker und Handwerker sein, die mit der digitalen Welt umgehen und die bei der digitalen Herstellung zusammen arbeiten werden. Gleichzeitig wird der Maker Space ein Ort der Bildung sein.“
Von der „Città educativa“ bewege ich mich Richtung U-Bahn, dafür braucht es zu Fuß zehn Minuten. Ich entferne mich vom Grün des Parks und vom Aquädukt, das nach 2.000 Jahren noch immer steht. Dabei schwirrt mir ein Wort im Kopf herum, das mich sehr beeindruckt hat, Phyrtualität. An wen kann ich das weitergeben? Bei wem kann ich damit einen guten Eindruck machen?