Social Design Max Borka über die Funktion von Design heute

Max Borka und Gabriele Kreuter-Lenz
Max Borka und Gabriele Kreuter-Lenz | © Goethe-Institut Italien

Für Max Borka, Gründer des Festivals State of Design Berlin, dreht sich Design heutzutage nicht mehr einfach um Tische und Stühle. Mit Gabriele Kreuter-Lenz, Direktorin des Goethe-Institut Italien, spricht er über die Funktionen von Design heute und wirft einen Blick in die Zukunft des 3D-Druckers.

Der belgische Designtheoretiker und Wahlberliner Max Borka lehrt nicht nur Design Theory an der Fachhochschule Potsdam, sondern ist auch Gründer und Direktor des Designfestivals State of Design Berlin. Bei beiden Tätigkeiten setzt er sich mit Design und Designern der nächsten Generation auseinander, denn durch sie möchte er zu einer nachhaltigen Veränderung bewirken, die er als dringend notwendig ansieht.
 

 

Mittel zum Leben

Max Borkas Vorstellungen von Design sind ziemlich deutlich und lassen sich in wenigen Worten zusammenfassen. Design sollte vor allem leicht zugänglich sein und nicht unnötig verkompliziert werden. „In meine Definition spielen eigentlich nur 3 Wörter rein: tools for living, also Mittel zum Leben.“ Social Design stellt den Menschen in den Mittelpunkt und muss ihm nahestehen. Alltag und alltägliche Prozesse, etwa wie man am schnellsten von A nach B kommt, sind mittlerweile bedeutender in der Entwurfsfindung von Designern. „Es geht eben nicht mehr um ganz luxuriöse und schicke Möbel.“
Mit Kunst hat Design für ihn nichts zu tun. „Es geht hier immer noch um Tools, es geht nicht um Kunst.“ Max Borka zieht eine klare Linie zwischen den beiden Kreativbranchen, denn im Gegensatz zum Designer hat der Künstler es um einiges einfacher. „Er muss keine Lösung anbieten. Wenn der Künstler einen Stuhl machen soll, ist er nicht zum Sitzen da. Wenn jemand sich doch auf diesen Stuhl setzt, ist das auf eigenes Risiko.“ Die Funktionalität und der Zweck sind es, die hier den entscheidenden Unterschied machen.
 

Ein Blick in die Zukunft

Doch wie wird es in ein paar Jahren und Jahrzehnten aussehen? Inwieweit werden innovative Entwicklungen Design beeinflussen? Wird durch den 3D-Drucker bald jeder zum Designer?
In Theorie oder wie Max Borka sich ausdrückt in Utopie, würde die „total andere und neue Produktionsart“ zwar jedem ermöglichen, seine eigenen Objekte wie Stühle, Spielzeuge oder auch Autos herzustellen, aber in der Realität sind die Fortschritte des digitalen Fabrikators noch nicht ausreichend. „Der Mensch wartet darauf.“ Wann der Durchbruch kommen wird, ist allerdings schwer zu sagen. Ein praktisches Beispiel dafür, wie rasant technische Entwicklungen die Welt revolutionieren können, ist das Smartphone. Als 1983 das erste Mobiltelefon auf den Markt kam, konnte sich wahrscheinlich niemand vorstellen, dass es mal zu etwas anderem als zum Telefonieren benutzt werden würde - ganz abgesehen davon, dass das World Wide Web noch gar nicht erfunden war. In etwas mehr als 30 Jahren ist das Handy smart geworden und hat sich zu einer „Dose mit hunderten Funktionen, die darin gruppiert sind“ entwickelt, die kaum noch aus dem Alltag wegzudenken ist. Ähnlich rasante Entwicklungen kann sich Max Borka auch beim 3D-Druck vorstellen. „3D ist noch in einer Pionierphase, aber das kann sich unglaublich schnell weiterentwickeln.“ Die Grundvoraussetzungen dazu sind in der heutigen Welt zumindest gegeben.
„Es gibt unendlich viele Möglichkeiten“, findet Max, „wir leben in ziemlich guten Zeiten“. Die Entwicklungen im Design und des 3D-Druckers gilt es also weiterhin mit Spannung zu verfolgen - und junge Designer können durch ihre Visionen aktiv dazu beitragen.