BottoMap Rom Interview mit Mauro Del Santo

Mauro del Santo
© Giorgio Pasqualini

Für diese erste Folge von BottoMap Rom haben wir uns mit Mauro Del Santo getroffen, der an der La Sapienza, am IED und der Universität Nairobi unterrichtet.

Wer den Alltag intensiv erlebt, trifft in Rom auf einen unendlichen Reichtum, darunter das Quadraro und seine bedeutende Widerstandsgeschichte. Dort findet sich kaum beachtet die Fondazione Mondo Digitale und in ihrem Innern das Experimentierfeld der Palestra dell’Innovazione und des Fab Lab Roma. Mauro Del Santo ist für seine intensive Lehrtätigkeit als Dozent für Entwicklung, Musterbau, und Materialtechnologie am römischen IED, an der Universität La Sapienza und der Universität Nairobi bekannt. Seit 2015 verbindet er in einem Forschungsprojekt digitale Herstellung und Produktdesign.

Tradition und Robotertechnik vereint

Wegen ihres exponentiellen Wachstums ist Technologie mittlerweile Teil des Alltagslebens geworden und bedarf keiner Adjektive mehr, die ihr Wesen beschreiben. Ihre Neuheit ist längst überholt, sie befindet sich in ständigem Wandel. Die rasche Entwicklung der digitalen Welt macht sie seit mehr als fünfzehn Jahren auch für das Handwerk unverzichtbar. Inzwischen trägt sie dazu bei, zwei scheinbar ferne Welten miteinander zu verbinden, Tradition und Robotertechnik.
 
„Computer versetzen jeden in die Lage rasch, flexibel und billig Objekte zu produzieren. Dabei sind schnellere Produktionsprozesse entstanden, die die Welt des Handwerks und der Industrie miteinander verbinden“, erzählt Mauro Del Santo, während wir von 3D-Druckern zu Maschinen für Laser-Schnitttechnik und zu Prototypen gehen, die eifrige Mitglieder des römischen Fab Labs erstellt haben. Junge Designer probieren hier handwerkliche Techniken aus und tragen dabei gleichzeitig zu ihrer Entwicklung bei, während Handwerker sich an die Designer wenden, um Produktionsabläufe zu beschleunigen. Aus der Besonderheit dieser Verbindung entsteht eine neue Misch-Figur. „Wir schaffen einen Mehrwert, indem wir in einem Ambiente, das fruchtbaren Austausch fördert, verschiedene Berufszweige aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführen, und damit einen weiteren Innovationsschritt ermöglichen. So ähnlich funktionierten früher auch Bibliotheken, heute aber wegen mangelnder Vertrautheit mit Büchern kaum mehr.“

Die nächste Entwicklungsstufe

Knapp hundert Jahre nach der Gründung des Bauhauses als einer der einflussreichsten Schulen für Design und Architektur stehen wir an der Schwelle einer neuen Entwicklungsstufe, in der ursprünglich für Massenherstellung genutzte Serienproduktion auf kleinere Maßstäbe angewendet wird und damit das Individuum wieder mehr den Alltagsobjekten annähert. Materialforschung und schnelle Herstellungsverfahren bei gleichzeitiger Beachtung der Bedürfnisse des einzelnen. „Dieser neue Schritt nährt sich aus der gleichen Entwicklungsphilosophie, die das Bauhaus prägte“, sagt Del Santo. „Dabei kommen aber neue Seiten zum Tragen.“ So kann dank einer leichten Veränderung des Algorithmus etwa der berühmte Wassily-Sessel von Marcel Breuer in Design und Materialien unverändert serienmäßig hergestellt werden.
 
Die Innovation entsteht genau genommen nicht ausschließlich durch die Weiterentwicklung der Software und der Computersysteme, denn im Grunde geht sie vor allem auf Ausbildung zurück. Rom hat wie alle Großstädte den Vorteil, dass es Designer, Studenten und Interessierte zusammenführt. Aber nur mit Hilfe entsprechender Strukturen kann eine Idee ebenso wie eine Region sich weiterentwickeln.

Teamwork lernen

Im Fab Lab und in der Fondazione Mondo Digitale nimmt Mauro Del Santo Dutzende Grundschüler, Gymnasiasten und Schüler römischer Berufsschulen auf, um ihnen die Bedeutung von Teamwork beizubringen, das Verständnis komplexer Projekte und ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, Probleme rasch und auf ungewohnte Weise zu lösen. Mit den richtigen Werkzeugen und einer wirksamen Methode können neue Generationen sich in einer technologisch und gesellschaftlich extrem dynamischen Welt gut entwickeln.

Mauro del Santo © Giorgio Pasqualini „Junge Leute können heute mit ihren eigenen Händen Objekte herstellen und mit im Handel verfügbaren besonderen Toolkits wie den Mindstorms von LEGO optimal die ihnen zur Verfügung stehende Technologie nutzen, die sie dabei pro-aktiv und nicht mehr nur passiv kennen lernen“, betont Del Santo. Dabei legt er besonderen Wert auf die die Bedeutung der Forschung im digitalen Bereich, die Lerntechniken verbessern helfen.

Auf dem Gang durch die Räume des Gebäudes an der Via del Quadraro stoßen wir auf Tafeln für Ideenpläne, für das Erlernen von Zahlenproportionen oder die Bereicherung der „Zeitachse“, die für den nächsten Geschichtstest benötigt werden. Sie alle wurden von den Schülern mit Laserschneidemaschinen hergestellt.
 
Unser Gespräch voller Zukunfts- und Gegenwartselemente zeigt, wie sehr Rom sich mittlerweile auf die Entwicklung modernster Technologie konzentriert, die dabei dennoch menschliche Maße behält.