Design aus Berlin Produktdesign an der FH Potsdam

Storage Module 2016
© Geckeler Michels

Potsdam ist Berlins gut gepflegter Vorgarten. Im 10-Minuten-Takt fährt die S-Bahn vom Alexanderplatz in die brandenburgische Landeshauptstadt. Für die Designstudenten der Fachhochschule Potsdam heißt das, sie können einen Wohnsitz in der „City of Design“ mit dem Studium an einer kleinen, gut betreuten und weniger angelaufenen Schule verbinden.

Die Fachhochschule Potsdam präsentiert sich mit ihrem Standort leiser als die Berliner Akademien UdK und die weißensee kunsthochschule, ist aber bekannt dafür, sowohl in der Lehre, als auch in der Ausstattung mit Qualität überzeugen zu können. „Es gibt nicht so ein Campus-Feeling wie an anderen kleinen Schulen wie Giebichenstein oder Eindhoven, die zentraler liegen und so auch ein Ort der Begegnung jenseits der Kurse sind. Das ist in Potsdam anders, aber dafür trifft man sich in Berlin“, beschreibt Mark Braun, einer ihrer bekanntesten Absolventen, das Hochschulrezept. Und damit zieht Potsdam auch Dozenten an, die einen Wegzug aus der Metropole mit ihrem eigenen Studioalltag nicht vereinbaren können. Dazu zählen unter anderem renommierte Gestalter wie Jörg Hundertpfund oder Hermann August Weizenegger, der sein Büro im Zentrum Berlins führt. Die FH Potsdam bietet die volle Bandbreite der gestalterischen Auseinandersetzung; vom Automotive Design zum klassischen Produkt- und Möbeldesign, vom Interface bis zum Ausstellungsdesign. Sie präsentiert die Ergebnisse der studentischen Arbeit regelmäßig auf internationalen Messen und Ausstellungsräumen, wie in der Berliner Galerie erstererster. Die theoretische Auseinandersetzung und methodische Reflexion ist dabei ein wichtiger Fokus, um die Absolventen auf die wirtschaftliche Realität vorzubereiten.
 

Die Wirtschaft im Blick

„Gestaltung ist Kommunikation“, schreibt die FH sich auf die Fahnen und stellt als ihren zentralen Lehrinhalt auch gleich in umgekehrter Folge die Kommunikation von Gestaltung heraus. Die Ganzheitlichkeit des Ansatzes richtet sich an die Gesellschaft und unsere alltäglichen Produkte als offensichtliches Ergebnis, aber eben auch Räume, Systeme und Dienste. Innerhalb des Angebotes müssen sich die Studenten im Laufe des Studiums emanzipieren. „Du musst dir zusammenbauen, was du brauchst. Viele meinen, sie haben es geschafft, nur weil sie Student an der einen oder anderen Schule sind, aber das ist die falsche Grundhaltung“, resümiert Mark Braun, der mit Bravour im Berufsleben angekommen ist. Denn darauf bereitet die FH Potsdam ihre Studenten mit viel Sorgfalt vor. Das findet auch Anton Rahlwes, der an der FH Potsdam studiert und 2015 in Berlin das Büro Objekte unserer Tage mitgegründet hat. „Der Realitätsschock kommt vermutlich nach jedem Studium, nur hatte ich das Gefühl, dass ein Designer sich in seinem Beruf noch stärker profilieren muss und der Markt übersichtlich und deshalb sehr hart ist. Die FH Potsdam ist eine ehrliche, unprätentiöse Hochschule, die Entscheidungen nicht nach ihrem Ansehen trifft, sondern im Sinne ihrer Studenten und deren bestmöglicher Ausbildung.“
 

Mark Braun

Mark Braun ist einer der wenigen deutschen Gestalter, der in einem Wimpernschlag aus der Nachwuchsecke in die Riege der wichtigsten nationalen Design-Protagonisten aufgestiegen ist. Und auch das ist schon einige Jahre her. 2006 hat Mark Braun an der FH Potsdam seinen Abschluss gemacht, seit 2015 ist er Professor an der HBK Saar. Sein Studio führt er in Berlin, die Liste seiner Klienten reicht von e15 über Villeroy und Boch zu Nomos Glashütte.

Uhr NOMOS Metro Uhr NOMOS Metro | © Mark Weber | Foto: Ragnar Schmuck Trotz der Bandbreite und eines beeindruckenden Entwurfspensums schafft er es, jedem Produkt die typische Mark Braun-DNA mitzugeben. Die besteht aus funktionaler Konzentration, aber auch aus einem Augenzwinkern, das nie vordergründig ins Amüsante abgleitet. Diese besondere Mischung bringt ihm regelmäßig die wichtigsten internationalen Designpreise ein, wie etwa für einen Tischbock, der sich formal an einem Fahrradrahmen orientiert oder seiner Uhr Metro für die Nomos Glashütte. Letztere war so erfolgreich, dass die Firma zeitweise nicht mehr mit der Produktion hinterher kam.
 

Objekte unserer Tage

Wenn ein Designbüro seine Produkte Müller, Fischer oder Schneider nennt, dann lässt sich die Agenda schon erahnen. Die Ausrichtung ist lokal, gestaltet wird in Berlin und gefertigt von Handwerkern in Deutschland. Gegründet wurde das Studio im Oktober 2015 von Anton Rahlwes, Christoph Steiger und David Spinner, die sich an der FH Potsdam kennengelernt haben und jetzt in Berlin arbeiten. Stuhl Stuhl "Schulz Stool" | © Objekte unserer Tage Ihre Herangehensweise beschreiben sie als „individuelle Tradition“. Die Kollektion besteht aus kleinen Wohnaccessoires, wie einem Kerzenhalter bis zu Möbeln wie Stühlen, einem Sideboard oder Standspiegel. Dem Trio ist wichtig, dass alle Objekte „eine praktische und emotionale Funktion erfüllen, ohne jedoch an Ästhetik und Charakter zu verlieren.“ In der Praxis drückt sich das durch geradlinige und kompromisslose Entwürfe aus, die von ihnen verbundenen Manufakturen und Handwerksbetrieben umgesetzt werden. Auf die Frage, wie die Zeit an der Hochschule ihre Arbeit prägt, antworten sie mit einem Zitat ihres Professors Jörg Hundertpfund: „Qualität zu bewerten ist einfach. Qualität zu erschaffen nicht.“
 

Geckeler Michels

Die junge Laufbahn des 2013 gegründeten Designstudios Geckeler Michels kann man durchaus als rasant beschreiben. Sie haben nicht nur jede Menge Möbel, Leuchten und Wohnaccessoires im Portfolio, sondern begeistern mit ihren Entwürfen so überzeugend, dass sie sofort in die Kataloge der Hersteller aufgenommen wurden.
Geckeler Michels © Geckeler Michels Kennengelernt haben sich David Geckeler und Frank Michels an der FH Potsdam, gingen dann aber erst einmal getrennte Wege. Michels lebte für einige Zeit in Lissabon, Geckeler in Kopenhagen, dann beriefen sie sich auf ihre deutschen Wurzeln und starteten in Berlin in die Selbstständigkeit. Tatsächlich sind ihre Entwürfe exemplarisch für das zeitgenössische junge deutsche Design. Mit geometrischer Präzision, ehrlichen Materialien und durch spielerische oder narrative Momente schaffen sie Objekte, die absolut zeitlos auftreten.
 

Johanna Dehio

Provisorien begleiten uns alle durchs Leben, Designer wollen ihnen mit gut gestalteten Produkten eigentlich vorbeugen. Johanna Dehio aber sieht in den Übergangszuständen mehr, nämlich ein Inventar funktionierender Möglichkeiten, aus dem sich wiederum Produkte ableiten lassen. „Wir leben in einer Zeit, in der es täglich gefragt ist, sich mit neuen Situationen zu konfrontieren, umzudenken und flexible, variable Lösungen zu finden.“ Mit offenen Funktionen lädt sie bei ihren Entwürfen zur ständigen Interaktion aber auch zur Interpretation ein, wie etwa bei ihrem Entwurf Hockerbank.

Hockerbank © Johanna Dehio Wer weniger Hocker als Besucher hat, kann ihnen einfach eine Holzplatte mit auf die Sitzflächen passenden Aussparungen aufsetzen - und besitzt augenblicklich eine Bank. Noch einfacher macht es dem Besitzer die Drahtbank, deren Hauptmodul farbig lackierte Drahtskelette sind. Wer dazu alte Bretter aus der Garage holt, kann sich aus beiden Elementen individuelle Möbel zusammenstecken und immer wieder variieren. Ähnlich spielerisch ist auch die Serie Schirme, die eine dekorative Lösung für blanke Birnen bietet. Geschlitzte Leuchtenschirme aus Eternit, farbigem Glas und Keramik können über Kabel und Leuchtmittel gestülpt werden.