Bottomap Rom Millim Studio trifft auf AC Project: Offiseria

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© Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi

BottoMap ist zurück und unsere Recherchen zur Kreativszene in Rom gehen weiter. Dieses Mal haben wir Millim Studio und AC Project getroffen – die beiden Unternehmen, die hinter Offiseria stehen.

In den vergangenen zehn Jahren haben zwei Finanzkrisen unser berufliches wie auch unser soziales Leben in allen Bereichen spürbar verändert. Von den am stärksten betroffenen Wirtschaftszweigen stand in Italien insbesondere der Industriesektor im Mittelpunkt einer breiten und erbitterten Diskussion über die Ressourcen, das Potenzial und die Fähigkeit der Unternehmen, sich auf dem Markt neu zu positionieren und damit trotz allem ihre Zukunft zu sichern. Flexibilität wurde zu einer notwendigen Tugend.

AC Project

Das 1955 in Rom im Stadtteil San Giovanni gegründete Unternehmen SUPERNEON war eines der ersten, das sich der Produktion von Neon-Leuchtschildern verschrieb, der damals angesagtesten Form der Geschäftsreklame. Nach zehn Jahren Unternehmenstätigkeit eröffnet man schließlich eine neue Niederlassung in Velletri: AC NEON. Das ist der Moment, in dem einer der Protagonisten dieser neuen Ausgabe von BottoMap die Bühne betritt. Milo Castrichella, der Enkel des Gründers von AC NEON, ist von den neuen Technologien der Branche fasziniert und erweitert das Angebot des Unternehmens unter seiner Leitung auf neue Formen der Außengestaltung von Geschäften.
 
Im Jahr 2008 beschließt er – mit dem Ziel die schwierige Lage der Branche erfolgreich zu überstehen – eine neue Strategie. Er konzentriert sich vermehrt auf die Gestaltung von Geschäftsinnenräumen und zieht schließlich sogar eine Tischlerei für die Fertigung personalisierter Einrichtungselemente hinzu. AC NEON wird zu AC PROJECT und startet Kooperationen mit renommierten Vertretern aus den Bereichen Design und Architektur.
 
Die industrielle Serienfertigung von Neon-Buchstaben wird nun zum Teil durch eine neue Produktionslinie ersetzt, die beinahe schon handwerklich organisiert ist und mit der echte Einzelstücke gefertigt werden können. „Diese Art von Arbeit hat mich gelehrt, auf Details und Kleinigkeiten zu achten. Dieses Feingefühl – das ich dann versucht habe, dem gesamten Team zu vermitteln – hat uns an die Welt des Designs herangeführt, der wir mit großem Respekt und großer Demut begegnet sind. Um uns dieser neuen Herausforderung auf dem internationalen Markt zu stellen, haben wir eine neue Marke gegründet: Offiseria, ein Anagramm von „Soffieria“ – jener Abteilung im Unternehmen, in der die Neonschilder gefertigt wurden.“

 

  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Offiseria © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi

 

Damit erfolgt vor drei Jahren die Gründung von Offiseria, in Zusammenarbeit mit Chiara Pellicano und Edoardo Giammarioli. Die damals 26 Jahre jungen Designer sind heute Art Directors. „In die Jugend zu investieren, ist für uns das wichtigste. Fünfzig Jahre Erfahrung sind wichtig, aber heutzutage wird man in einem Unternehmen früher alt. Die verschiedenen Prozesse und Szenarien entwickeln sich inzwischen, beschleunigt von der Technologie, extrem schnell weiter. Um Schritt halten zu können, muss man lernen, sich gegenüber jüngeren, aufstrebenden Welten zu öffnen. Das ist eine Tatsache, die ich zuallererst an mir selbst erleben durfte, als wir die Zusammenarbeit mit Edoardo und Chiara begonnen haben, die frischen Wind und Enthusiasmus in das Unternehmen gebracht haben.“

Millim Studio

Privat wie beruflich ein Paar gründen Edoardo und Chiara vor einem Jahr, nach Abschluss eines langen gemeinsamen Ausbildungswegs, Millim Studio. Nach verschiedenen Erfahrungen in der Berufswelt beschließen sie zunächst, sich der Designbranche als Freiberufler anzubieten. In Folge arbeiten sie einige Zeit mit anderen Unternehmen zusammen, bis sie schließlich die Entscheidung treffen, ihre Tätigkeit künftig selbstständig weiterzuführen.

Das Wort „Millim“ ist ein Palindrom und beschreibt damit treffend den Zugang der beiden: „Wir versuchen stets, eine doppelte Perspektive auf unsere Projekte zu bieten. Wir lieben Doppeltes und verstehen darunter auch die Fähigkeit zu begreifen, dass die Dinge meist nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden können, sondern auch wundersame Interpretationen in unterschiedliche Richtungen erlauben. Diese Ambivalenz, diese Tendenz, polyfunktional und manchmal auch mehrdeutig zu denken, ist etwas, dem wir in unserer Arbeit explizit Ausdruck verleihen. Auch in der Art, wie wir unsere Produkte präsentieren.“

 

  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi
  • Millim © Goethe-Institut Italien / Francesco Cicconi

 

Ein vielseitiger Zugang, den sie seit ihren ersten Annäherungen an die Welt des Designs pflegen. Edoardo verkörpert den technischen Fokus, konzentriert sich auf die Funktionalität und die Entwicklung des Produkts. Chiara ist sein ausgleichender Gegenpol, sie betrachtet das Design aus der Perspektive der visuellen Gestaltung und versucht auf damit kreative Art und Weise eine Botschaft zu vermitteln. Zwei verschiedene Zugänge, die sich gegenseitig beeinflussen und eine einzigartige, harmonische und umfassende Formensprache entstehen lassen.

Obwohl die Geschichte Roms die beiden durchaus inspiriert, ebenso wie die unerschöpfliche Vielzahl künstlerischer Impulse, die eine solche Stadt bietet, richtet man bei Millim Studio den Blick ins Ausland. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen die beiden die Angebote der Designbranche außerhalb Italiens und richten sich auch ihrerseits mit ihren Produkten an ein internationales Publikum.
 
„Als wir Milo kennengelernt haben, hat er uns sofort von seinem Traum erzählt, selbst etwas Eigenes zu machen, nachdem er viele Jahre für Kunden gearbeitet hat. Der Einstieg in das Projekt hat uns sofort überglücklich gemacht. Wir wussten, dass es ein Langzeitunterfangen werden würde, anstrengend, aber auch sehr inspirierend. Es war unglaublich bei der Entwicklung eines Projekts dabei zu sein, das aus einer Plauderei, um einen Tisch sitzend, entstanden ist. Staunend sahen wir zu, wie zwei Welten miteinander verschmolzen. Jeder kann mit seiner eigenen Erfahrung und Vision einen Beitrag liefern und man entscheidet sich dann füreinander, um einen Weg gemeinsam zu gehen. Es gibt zahllose Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, vielleicht müssten wir uns manchmal einfach ein bisschen öffnen, um zu verstehen, dass der oder die neben uns eventuell eine tolle Geschichte zu erzählen hat.“

OFFISERIA

Die Marke Offiseria wird im November 2014 auf dem Markt präsentiert, nach einer eingehenden Analyse der Unternehmensproduktion, der geplanten Verarbeitungsformen sowie der Kosten. Man beschließt für die Entwicklung der Kollektion allen beteiligten Designern dasselbe Design-Briefing zu geben, um ein heterogenes aber in sich harmonisches Produktportfolio zu erhalten. So entsteht 9 Minuti, die erste Kollektion von Offiseria mit neun kleinen Objekten von neun verschiedenen Designern.
 
Seither hat Offiseria seinen Weg fortgesetzt und für seine Projekte mit verschiedenen jungen und vielversprechenden Designern der nationalen Szene, wie Elena Salmistraro, Gumdesign, Giulio Patrizi und Roberto Romagnoli zusammengearbeitet. Dennoch ist es gelungen, der eigenen Linie treu zu bleiben. Die Philosophie der Marke beruht darauf, ein Produkt als funktionale Lösung für ein Problem zu verstehen, mit einer ansprechenden Optik und entsprechendem Wiedererkennungswert. Stets mit dem Ziel, dieses original italienische Design schließlich international zu exportieren.

„Unsere Vision für das Unternehmen ist mit dem Wunsch verknüpft, unsere Möglichkeiten im Bereich Produktentwicklung immer weiter auszubauen. Zu diesem Zweck möchten wir in nicht allzu ferner Zukunft zwei Offiseria-Produktlinien anbieten. Eine für ein junges Publikum, mit frischem Design zu erschwinglichen Preisen – also jene Linie, auf die wir seit unserer Gründung setzen. Und eine mit Produkten aus dem Spitzensegment, die aus selteneren Materialien gefertigt und raffinierter sind und sich an eine andere Zielgruppe richten. Das wäre unser Traum: mehr und mehr mit Materialien experimentieren zu können und unsere Fähigkeiten wie auch die Kreativität der Designer, die mit uns zusammenarbeiten, auf inspirierende Weise auf die Probe zu stellen.“