Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)
Giuseppe Valente und die Gäste aus Amsterdam (Sophia Karimi) und Berlin (Yasser Almaamoun) blicken über Neapel vom Corso Vittorio Emanuele aus.© Bianco-Valente

Tandem Neapel–Amsterdam
Die kulturelle Identität einer Stadt

Freiraum: Neapel – Amsterdam arbeitete zum Thema Stadt bzw. den Fragen, wie Menschen ihren Lebensraum im Verhältnis zu anderen artikulieren (Neapel) und inwieweit die Stadt identitätsbildend sein kann (Amsterdam).

Neapel: Piazza Carità Bottom up

In Neapel stellte das Künstlerduo Bianco-Valente (Giovanna Bianco und Pino Valente) in Zusammenarbeit mit dem Architekten Fabio Landolfo die folgende Frage:

Angesichts der sehr hohen Bevölkerungsdichte und des begrenzten Raums, insbesondere in der Altstadt, haben sich die Bürger an einen von großer Toleranz geprägten Lebensstil angepasst. Die Erweiterung privaten Raums durch Einbeziehung des öffentlichen Raums ist allgegenwärtig. Aber ist das wirklich Freiheit? Wie manifestiert sich dieses Phänomen in der Architektur und im Stadtbild? Wie artikulieren die Neapolitaner ihren Lebensraum im Verhältnis zu anderen Menschen?
Der aus Syrien stammende und in Berlin lebende Architekt Yasser Almaamoun, Freiraum-Partner des Goethe-Instituts Amsterdam, beantwortete diese Frage mit einem Ad-hoc-Projekt. Im Anschluss an mehrere kurze Aufenthalte in der süditalienischen Metropole entwickelte Almaamoun ein Projekt zur Neugestaltung der Piazza Carità, alias Piazza Salvo D’Acquisto, das sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert.

Almaamoun präsentierte seine Ideen im November 2018 in Neapel in drei unterschiedlichen Kontexten und regte so eine lebhafte Debatte zwischen Architekten, Studenten, Kulturschaffenden und Bürgern an:
 

Im Rahmen des Seminars zur Stadt-, Umwelt- und Raumplanung (Universität „Federico II“, Fachbereich Architektur), unter der Leitung von Daniela Lepore, zeigte Yasser Almaamoun auf der Grundlage seines Projekts Möglichkeiten auf, wie Menschen die Entwicklung ihrer Stadt mitgestalten können, indem sie zum Beispiel Projekte initiieren, die sich an ihren tatsächlichen Bedürfnissen orientieren und die sie als Ergebnis eines partizipativen Vorgangs an die Stadtvetreter herantragen.
Im Mittelpunkt einer Begegnung mit Yasser Almaamoun, organisiert vom Zentrum für Postkoloniale Genderforschung der Universität „L’Orientale“, stand die Frage nach der Freiheit des Künstlers, im öffentlichen Raum auf unkonventionelle Weise zu arbeiten, auch gegen die programmatischen Linien der Politik. An der Debatte nahmen die Kulturwissenschaftler Silvana Carotenuto, Ian Chambers und Annalisa Piccirillo teil.
Die öffentliche Präsentation seines Projekts im Kunstraum SuperOtium bildete den Abschluss und Höhepunkt seiner Residenz: Anhand von 3D-Modellen demonstrierte Almaamoun Möglichkeiten einer Neugestaltung der Piazza Carità und diskutierte seine Vorschläge mit dem Publikum.

  • Bianco Valente, Yasser Almaamoun und Sophia Karimi unterwegs im Viertel Sanità © Bianco-Valente
    Bianco Valente, Yasser Almaamoun und Sophia Karimi unterwegs im Viertel Sanità
  • Bianco Valente, Fabio Landolfo, Yasser Almaamoun, Sophia Karimi und der Journalist Uwe Rada im Gespräch © Bianco-Valente
    Bianco Valente, Fabio Landolfo, Yasser Almaamoun, Sophia Karimi und der Journalist Uwe Rada im Gespräch
  • Yasser Almaamoun und Sophia Karimi besuchen die Kunstwerkstätten der Sanità © Bianco-Valente
    Yasser Almaamoun und Sophia Karimi besuchen die Kunstwerkstätten der Sanità
  • Die Freiraum-Projektpartner planen eine Route durch die Altstadt von Neapel © Bianco-Valente
    Die Freiraum-Projektpartner planen eine Route durch die Altstadt von Neapel

Freiraum Amsterdam

Die Amsterdamer Fragestellung lautete:

Wie setzen wir Freiheit in die Praxis um? Anstatt auf kulturelle Isolierung zu setzen, sollte unsere kulturelle Identität nicht vielmehr als Werkzeug der Vereinigung genutzt werden, um unser kulturelles Selbstverständnis zu überdenken und neue Herausforderungen anzunehmen?

Auf diese Frage antworteten Bianco-Valente und Fabio Landolfo mit einer Installation. Zur Vorbereitung und Recherche reisten die Partner des Goethe-Instituts Neapel zweimal in die Hauptstadt der Niederlande. Sie sprachen mit Vertretern von Institutionen und Privatpersonen, die in der interkulturellen Arbeit erfahren sind. Im Zentrum ihres Interesses stand die Frage, wie die Konzepte von Freiheit und kultureller Identität in einem historisch multikulturellen Land wie den Niederlanden entstehen. Aus den Diskussionen heraus entwickelte sich die Idee einer Installation mit starker visueller Wirkung, die die Verflechtung verschiedener Kulturen in einem einzigen Bild zeigt. Eine großformatige Flagge (cm 140x220) in der Form des historischen Zentrums von Amsterdam befindet sich derzeit in Produktion. Die Details dieser ganz besonderen „Landkarte“ – einzelne Stadtviertel, Straßen etc. – werden anhand von Ausschnitten der Flaggen verschiedener Nationen gestaltet, die in Amsterdam vertreten sind, wie die Türkei, der Libanon, Eritrea, Marokko, Surinam, Syrien, der Irak, Deutschland und die Niederlande selbst. Der Produktionsphase ging ein Aufruf an die Amsterdamer Bevölkerung voraus, die Flaggen ihrer Herkunftsländer für das Projekt zu spenden.

Die neue Flagge wird im Juni 2019 in Amsterdam zusammen mit einem künstlerischen Video präsentiert, das die einzelnen Phasen des Projekts dokumentiert.

  • Umayya Abu-Hanna, Projektleiterin Rethink Amsterdam / Pakhuis de Zwijger im Gespräch mit Bianco-Valente, Fabio Landolfo und Sophia Karimi © Bianco-Valente
    Umayya Abu-Hanna, Projektleiterin Rethink Amsterdam / Pakhuis de Zwijger im Gespräch mit Bianco-Valente, Fabio Landolfo und Sophia Karimi
  • Fares Al Qadi, Sophia Karimi, Fabio Landolfo und Pino Valente beim Blick auf einen Amsterdamer Stadtplan © Bianco-Valente
    Fares Al Qadi, Sophia Karimi, Fabio Landolfo und Pino Valente beim Blick auf einen Amsterdamer Stadtplan
  • Amsterdamer Stadtplan © Bianco-Valente
    Amsterdamer Stadtplan
  • Fernando, der Besitzer des surinamischen Restaurants „Warung Rahayu“ mit der Nationalflagge seines Heimatlandes Surinam © Bianco-Valente
    Fernando, der Besitzer des surinamischen Restaurants „Warung Rahayu“ mit der Nationalflagge seines Heimatlandes Surinam
  • Amsterdamer Straße © Bianco-Valente
    Amsterdamer Straße
  • FabioLandolfo, Pino Valente und Vittoria Caradonna, PhD, Marie Sklodowska-Curie Actions, Amsterdam School for Heritage, Memory and Material Culture © Bianco-Valente
    FabioLandolfo, Pino Valente und Vittoria Caradonna, PhD, Marie Sklodowska-Curie Actions, Amsterdam School for Heritage, Memory and Material Culture
  • Nationalflagge von Surinam © Bianco-Valente
    Nationalflagge von Surinam
  • Bianco-Valente, Fabio Landolfo © Bianco-Valente
    Bianco-Valente, Fabio Landolfo
  • Giovanna Bianco, Fabio Landolfo © Bianco-Valente
    Giovanna Bianco, Fabio Landolfo

Die kulturelle Identität einer Stadt
Die Fragestellungen

Freiraum Neapel Goethe-Institut

Neapel / Die lebenswerte Stadt
Auf engem Raum

Die Bevölkerung Neapels reagiert auf die hohe Bevölkerungsdichte und Enge der Stadt mit einem von großer Toleranz geprägten Lebensstil. Illegale Bauten werden als Maßnahme gegen die strikten staatlichen Regelungen und als Recht auf Freiheit zur Erweiterung des eigenen Lebensraumes betrachtet – doch handelt es sich dabei wirklich um Freiheit? Wie wird dies in Architektur und Stadtbild ersichtlich?

Freiraum Amsterdam © Goethe-Institut Niederlande

Amsterdam / In Verteidigung der Vielfalt
Neue Perspektiven der Freiheit

Freiheit als Konzept der Konstruktion und Performanz kultureller Identität: Inwiefern wirkt das Konzept verbindend oder trennend? Inwiefern verkörpert sich Freiheit in kulturellen Objekten und welche Strategien werden hierbei angewandt? Akteure aus unterschiedlichen Bereichen sind eingeladen, ihre Erfahrungen und Expertisen zu den Objektfeldern Mode, Essen, Körper und anderen Themen zu teilen und in einen Dialog miteinander zu treten.