Gegenwarten reformieren
#180 Sekunden

Ad Fontes

Goethes Entdeckung der Langsamkeit
Ad Fontes

These: Wir leben in einem Zeitalter mit extremen Beschleunigungsturbulenzen. Für tiefgreifende Reformen unserer gegenwärtigen Existenz müssen wir wieder zum Nachdenken kommen.


Das Wort „Reformation“ bedeutet „Wiederherstellung“, „Erneuerung“. Eine der wichtigen Voraussetzungen für den Erfolg der Reformation in Deutschland war der vorangegangene Humanismus, eine von Italien ausgehende Bildungsbewegung, die für eine Wiederbelebung der antiken Gelehrsamkeit eintrat.
 
Goethe erkannte schon früh die Tendenzen zur Übereilung, was er später als das „Veloziferische“, seine Wortschöpfung aus „Velocitas“ (Eile) und „Luzifer“, bezeichnen wird. Beides sind auch die Konstanten der Faust-Tragödie.

Je weiter Goethe sich von uns entfernt, desto näher rückt er uns mit dem Thema der Ungeduld und Übereilung am Anfang des 21. Jahrhunderts. Das langsame Verfahren der Natur und der Gefühle hat Goethe dem Denken verordnet, indem er es zurückzubinden versucht an die Vernunft der Gefühle, der Sinne, und das Denken aufforderte, die Dinge wahrzunehmen. Goethe hat hierbei die Natur verstanden als die verlässlichste Gegenwelt des Veloziferischen. (Manfred Osten, Goethes Entdeckung der Langsamkeit)
 
In meinem filmischen Essay ist eine Ameisenstraße zu sehen, als eine Metapher unseres hektischen Daseins. Aufgenommen in mediterraner Natur mit Tönen der Umgebung bringt sie den Zuschauer zum Beobachten und Wahrnehmen. Ameisen sind soziale Insekten und sind in Staaten organisiert.

Nanni Schiffl-Deiler