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Berlinale Blogger 2019
„Piranhas“ erobert die Berlinale

Szenenbild aus „La paranza dei bambini“ von Claudio Giovannesi
Szenenbild aus „La paranza dei bambini“ von Claudio Giovannesi | Foto (Zuschnitt): © Palomar 2018

„Der Film erzählt von den Träumen und Gedanken vieler Jugendlicher, die in den ärmsten Großstädten der Welt leben. Dort, wo Kriminalität manchmal die einzige Möglichkeit darstellt, wirklich zu leben, bevor man stirbt.“ Mit diesen Worten beschreibt Maurizio Braucci den Film „La paranza dei bambini“ (internationaler Titel: „Piranhas“), den er zusammen mit Regisseur Claudio Giovannesi und dem Autor des Buchs „Der Clan der Kinder“, Roberto Saviano, gedreht hat.

Von Andrea D’Addio

Der auf der Berlinale 2019 präsentierte Film zeigt den Kreislauf jugendlicher Kriminalität tief im Herzen der Altstadt von Neapel: von den ersten Schritten bis zum Erwachsenenalter. Eine Entwicklung, die oft erschreckend schnell durchlaufen wird – wie auch das Leben derjenigen, die diesen Weg einschlagen, oft erschreckend kurz ist.
 
Im Mittelpunkt des Films steht der 15-jährige Nicola, der die Schule geschmissen hat und „arbeiten will“. Seine Mutter betreibt eine Reinigung, die jedoch mehr schlecht als recht läuft, auch wegen des Schutzgeldes, das sie an die Mafia zahlen muss. Zunächst scheint Nicola auf dem rechten Weg bleiben zu wollen, doch kaum ergibt sich die erste Gelegenheit, knickt er ein und entscheidet sich für das Angebot eines Mafiabosses aus der Gegend und damit für ein Leben als Kleinkrimineller. Bald sind auch alle seine gleichaltrigen Freunde in die Angelegenheit involviert. Nicola will den Erwachsenen geben, aber wenn er zu Hause ist, streitet er nach wie vor mit seinem kleinen Bruder, weil der das ganze Frühstück aufgegessen hat. Es dauert nicht lange, bis er begreift, dass er – wenn er dieses Leben wirklich will – auf vieles verzichten müssen wird: auf Familie, Freunde und die Liebe. Wenn es nicht ohnehin schon zu spät ist.
 
„Wenn man genau hinsieht, zeigt sich, dass der banale Schluss, wenn du Kind einer Camorra-Familie bist, wirst du später selbst Camorrista, heute nicht mehr funktioniert. Häufig sind es Jugendliche aus unbescholtenen Familien, die diese grausamen und unerklärlichen Taten begehen“, erklärt Roberto Saviano, der mit La paranza dei bambini das in Gomorrha (Buch, Film und Serie) beschrieben Bild um eine weitere Perspektive ergänzt. Wenn das soziale Umfeld krank ist, riskiert auch alles, was daraus entsteht, sich zu infizieren. Die Camorra – und gemeint ist hier nicht die Organisation, sondern die Mentalität, in der sie verwurzelt ist – macht keinen Unterschied zwischen den Menschen. Gleich wie ein Virus. Schade, dass noch kein wirksames Gegenmittel gefunden wurde. Bis es soweit ist, erinnern uns großartige Filme wie dieser daran, dass die Krankheit bereits Teil des Systems ist.

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