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Ausgesprochen ... Berlin
Party oder Beerdigung?

schwarze Kleidung
Manchmal muss es einfach das kleine Schwarze sein | Foto (Detail): Markus Gann © picture alliance

Zieht Euch was Schwarzes an, wir gehen tanzen! In Berlin macht man das so, zumindest als Freund*in elektronischer Musik. Und weil Gerasimos Euer Mann für das Besondere ist, geht es nicht ins Berghain, den berühmtesten Club Berlins, sondern in einen kleineren Club am Kanal – wie es sich gehört, auf einer Industriebrache.

Von Gerasimos Bekas

Es ist halb zwei am Morgen. Auch hier steht man an, bevor man hinein darf. Für einige ist das nicht die erste Station des Abends. Auch ein paar Schüler, die nicht ins Berghain durften, stehen vor mir. Von ihnen bekomme ich den Tipp, zu googlen, wer auflegt, weil ich eher reinkomme, wenn die Leute am Einlass merken, dass ich nicht zufällig hier vorbeikomme.

Als ich nach etwa zehn Minuten in der Schlange vorne ankomme und der Gigant von einem Türsteher mich prüfend anblickt und nach der Motivation für meinen Besuch fragt, nenne ich prompt einen der DJs. Er nickt, was für mich heißt: volle Punktzahl.

Doch dann fasst er mich an der Schulter, beugt sich zu mir runter, schaut mir tief in die Augen und fragt: „Geht’s dir gut?” „Ich weiß nicht”, antworte ich wahrheitsgemäß. Jetzt ist auch er irritiert, geht kurz in sich, winkt mich dann aber durch.

Ich brauche kein Telefon und Drogen besitze ich auch nicht

An der Garderobe kommt ein junger Engländer auf mich zu, der sich als Tom vorstellt. Er bietet mir folgenden Tausch an: sein neues iPhone gegen Drogen. Ich brauche kein Telefon und Drogen besitze ich auch nicht, daher kommen wir nicht ins Geschäft. Ich frage ihn, warum er ausgerechnet mich fragt. Er antwortet, dass ich fit und interessiert wirke. Ich weiß nicht, was das bedeuten soll, fühle mich aber erst mal geschmeichelt. Er zappelt, seine Augäpfel drohen herauszuspringen – vermutlich hat er schon genug konsumiert. Dann winkt er ab und vertraut mir an, dass er über das Wochenende in Berlin ist, um mal „richtig zu feiern“ und dass er sich vor einer Stunde in einer Klokabine mit zwei Unbekannten etwas „durch die Nase“ gezogen hat, das nicht wirkt. Das mit den Drogen habe ich mir romantischer vorgestellt. Und hygienischer.

Ins Gespräch komme ich hier nicht

Ab auf die Tanzfläche. Die Leute zappeln zu Krach. Ich mache mit. Das Licht flackert. Viele tanzen mit geschlossenen Augen, ich sehe mich um. Tatsächlich sind fast alle schwarz gekleidet. Die Stimmungen sind sehr unterschiedlich. Einige geben sich der Musik hin, andere sind mit ihren Freunden da und scheinen irgendetwas zu feiern. Ins Gespräch komme ich hier nicht. Ich gehe an die Bar. Die Barkeeperin verwechselt mich mit jemandem, den sie kennt und stellt mir sein Leibgetränk hin: Wodka-Mate. Der Schwindel fliegt auf, ich darf das Getränk aber behalten und werde in ein Gespräch über offene Beziehungen verwickelt, das sie gerade mit einer anderen Kundin führt. „Mir ist das zu kompliziert”, antworte ich, um irgendetwas zu sagen. Aber an der Bar braucht es keinen Doktortitel in Philosophie, um verstanden zu werden und so nicken beide zustimmend: „Ja, voll!”   

„AUSGESPROCHEN …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Gerasimos Bekas, Maximilian Buddenbohm, Qin Liwen und Dominic Otiang’a. Gerasimos Bekas wirft sich in „Ausgesprochen … Berlin“ für uns ins Getümmel, berichtet über das Leben in der Großstadt und sammelt Alltagsbeobachtungen: in der U-Bahn, im Supermarkt, im Club.

 

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