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Ausgesprochen … gesellig
Wie man es richtig falsch macht

Schülerinnen und Schüler in Hamburg schwänzen die Schule um sich an Fridays-for-Future-Protesten zu beteiligen
Pünktlich zum Protest: Wie schwänzt man richtig? | Foto (Detail): Daniel Dohlus; © picture alliance/ZUMA Press

Der Grundgedanke der Fridays-for-Future-Bewegung ist das Schwänzen des Unterrichts. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, die Schule zu verlassen? Und sollten Schulkinder oder Eltern es den Lehrern erklären?

Von Maximilian Buddenbohm

Die Demonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung bleiben ein Thema und kleiner werden sie auch nicht gerade. Da wird es angemessen sein, noch einen Randaspekt aufzugreifen, denn wie bei allen größeren Bewegungen gibt es viele Details zu beobachten und zu durchdenken. Damit arbeitet man, wer weiß, am Ende sogar schon für die Geschichtsbücher.

Der Ursprungsgedanke von Greta Thunberg bestand bekanntlich im Schwänzen des Schulunterrichts. Schwänzen meint unerlaubtes Fernbleiben, wir reden da also zweifelsfrei über einen Regelverstoß, über einen Rechtsbruch, es gilt die Schulpflicht. Da hilft es auch nichts, wenn das Lehrpersonal die Aktion gut findet. Man darf nicht einfach nicht zur Schule gehen. Wenn viele Kinder konzertiert nicht hingehen, sich dazu verabreden und es vorher ankündigen, was sie da vorhaben, dann wirft das Fragen auf, die sich bisher keiner gestellt hat. Die Fragen wirken teils etwas absurd, etwa wenn darüber nachgegrübelt wird, wie man das Recht denn korrekt bricht. Das müssen wir uns unbedingt näher ansehen.

Ganztägig schwänzen – oder nur zu einzelnen Stunden?

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Schwänzens, ganztägig oder nur zu einzelnen Stunden. Wenn das Kind ganztägig fehlt, stellt sich die Frage, ob es bei der Schule abgemeldet wird. Einige Eltern denken also darüber nach, ob man vorher oder hinterher dem Kind eine Entschuldigung schreibt – für etwas, das per definitionem gar nicht zu entschuldigen ist. Aber macht man es nicht trotzdem? Um ungeachtet der Rechtslage für Information und Erklärung zu sorgen? Wobei diese Benachrichtigung dennoch nichts ändert, das Kind ist unerlaubt weg und es ist aus Sicht der Schule egal, wo es dann ist.

Und wenn das Kind andererseits nur einzelne Stunden schwänzt, weil die Demo erst mittags beginnt, wie geht das genau? Packt es rechtzeitig seine Sachen und sein Plakat zusammen, steht mitten im Unterricht auf und geht? Sagt es der Lehrkraft, wohin es geht? Gibt es da nicht Diskussionen und kann ein Kind damit überhaupt umgehen? Ein Lehrer ist doch argumentativ fitter als ein Kind, sollte man meinen. Das sind einige der Fragen, die es vor einer Demo zu klären gilt, und vielleicht sind es Fragen, die sich nicht in jedem Land auf diese Art stellen. Man hat es hier gerne geordnet, es stimmt schon.

Der Aufruhr beginnt pünktlich

Die oben genannte Frage übrigens, wie man sich mitten am Tag korrekt widerrechtlich aus der Schule entfernt, sie führte hier zu der Erkenntnis, dass die Kinder pünktlich zu den Pausen aus der Schule gehen müssen, nur dann klappt das völlig reibungslos. Das erschien nach etwas Nachdenken allen klar am einfachsten. Die Schüler warten also die ersten Stunden ab und gehen dann nach einem Klingeln zwischendurch, so dass es möglichst genau zum Demobeginn passt.

Mit anderen Worten, es ist ein wildes Schwänzen im rechtsfreien, ungeordneten Raum, es ist eine tatsächlich aufrührerische Aktion der Jugend – aber man kann die Uhr danach stellen. Vielleicht müssen wir unsere Vorstellung vom wilden Begriff Aufruhr allmählich doch etwas anpassen. Die Zeiten ändern sich.
 

„Ausgesprochen …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Maximilian Buddenbohm, Qin Liwen, Dominic Otiang’a und Gerasimos Bekas. Maximilian Buddenbohm berichtet in „Ausgesprochen … gesellig“ über das große Ganze, die Gesellschaft, und ihre kleinsten Einheiten: Familie, Freundschaften, Beziehungen.

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