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Buchmesse
Turin – Frankfurt: vom Salone zur Buchmesse

Nicola Lagioia
© Goethe-Institut Italien / Foto (Zuschnitt): Sarah Wollberg

In der römischen Buchhandlung Giufà im lebendigen Stadtviertel San Lorenzo treffen wir den Leiter der Turiner Buchmesse Nicola Lagioia am Abend vor seiner Abreise zur Frankfurter Buchmesse.

Von Sarah Wollberg

Er ist in mehreren Städten zuhause. Turin ist das Herz der italienischen Buchmesse, Mailand die Stadt der großen Verlage. Rom ist wie an diesem Abend die Stadt, in der man sich trifft. Hier gibt es eine vielfältige unabhängige Szene, hier wohnen die Schriftsteller und hier sitzen sie zusammen mit Regisseuren, Schauspielern und Messeleitern.

Ein Großevent mit Überraschungseffekt

Frankfurt ist für den Verkauf von Lizenzen die wichtigste Buchmesse weltweit, doch für Nicola Lagioia ist sie noch viel mehr. Er ist sehr an der Gastland-Literatur interessiert. Dieses Jahr fährt Norwegen mit Umwelt-Themen und einer großen lappischen Buchauswahl auf. Außerdem ist er auf die vielen Kulturevents in der ganzen Stadt gespannt. Frankfurt bedeutet für ihn aber vor allem eins: Networking. Auf der Buchmesse knüpft er Beziehungen zu anderen Ländern, mit dem Goethe-Institut, das jedes Jahr deutsche Autoren nach Turin bringt, sowie mit anderen Partnern aus der ganzen Welt. Am liebsten geht er auf Entdeckungsreise: „Man weiß nie, wer plötzlich vor einem steht, vielleicht ist es ein dir unbekannter Autor, den man in Deutschland schon kennt, von dem man aber in Italien nie zuvor gehört hat. Ich erwarte solche Überraschungen!“

Die zeitgenössische deutsche Literatur

Wir wünschen ihm solche Begegnungen, denn die zeitgenössische deutsche Literatur ist in Italien noch wenig verbreitet. „Es gibt zwar viele kleine Verlage, die die Werke neuer Autoren veröffentlichen, aber die großen italienischen Verlage sind dabei etwas scheu, sie sind bei den Klassikern stehen geblieben. Ich weiß nicht genau, woran es liegt“, analysiert er die Lage. Vielleicht ist das eine Herausforderung, der sich die Turiner Buchmesse und das Goethe-Institut gemeinsam stellen können.

Das Buch als innovatives Medium

Der Buchmarkt ist in Italien trotz Wirtschaftskrise weniger abgefallen als andere Bereiche. „Das Buch ist beständig, weil es fortschrittlicher ist als andere Medien, wie schon Umberto Eco sagte. Das Buch ist wie der Löffel, wie das Fahrrad, es hat seine endgültige Form schon erreicht.“ Momentan liest Nicola Lagioia den Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa und dessen Buch „Gespräch in der Kathedrale“, das er allen begeisterten Lesern ans Herz legt, auch wenn es vor fast 40 Jahren erschienen ist: „Gute Bücher sind immer so geschrieben, als kämen sie aus der Zukunft“. Diesen Gedanken nehmen wir uns mit, wenn wir an die Auswahl der deutschen Bücher für die Turiner Buchmesse denken.

Ein Blick in die Zukunft

Das Motto des nächsten Salone? Diese Exklusivnachricht erhalten wir in unserer römischen Buchladen nicht. Die Bekanntgabe wird offiziell Anfang 2020 in Turin erfolgen. Und Italien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2023? Diese Frage kann nur von uns Deutschen kommen. Als Italiener habe er noch etwas Zeit, darüber nachzudenken, sagt Lagioia lächelnd. Doch eines ist klar: Die italienische Literatur befindet sich dank Literaturgrößen wie Elena Ferrante und Andrea Camilleri weltweit im Aufwind, auch wenn die italienische Sprache weniger Muttersprachler hat als andere Sprachen. Vielleicht können wir uns da noch etwas abgucken.

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