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Geschichte einer Sexarbeiterin
Searching Eva

Searching Eva
Searching Eva | Foto (Zuschnitt): © Jamis Mazuch

Protagonistin des Dokumentarfilms „Searching Eva“ ist die Italienerin Eva Collè, eine in Berlin lebende Sexarbeiterin. Doch die Bezeichnung „Sexarbeiterin“ greift hier zu kurz, denn Eva ist vor allem eine faszinierende, freie und anarchische Denkerin. Eine Feministin. Die sich nicht die Beine rasiert.

Von Lucia Pappalardo

Die Drehbuchautorin Giorgia Malatrasi landete auf Evas Blog und verliebte sich in ihre Persönlichkeit. Und gerade die Fragen von Evas Followern finden (in visueller und dramaturgischer Hinsicht) auf nachdrückliche Weise Eingang in die Geschichte des Films. Momentan wird Searching Eva auf verschiedenen Festivals gezeigt. Wir haben Giorgia und Eva auf ihrer Italien-Tour getroffen.
Searching Eva Searching Eva – Filmszene | Foto (Zuschnitt): © Jamis Mazuch Giorgia, wie ist die Idee zu diesem Dokumentarfilm entstanden?

Ich habe Eva im Internet gefunden. Zuerst haben mich die Fotos auf ihrer Facebook-Seite gefesselt. Und dann hat Evas Blog mich fasziniert, fast süchtig gemacht. Ich habe ihn Pia Hellenthal, der Regisseurin, gezeigt und sie gefragt: „Vielleicht bin ich verrückt, aber hat die Frau nicht was?“ Und nach ein paar Tagen sagte Pia: „Ok, ich bin auch total süchtig danach.“


Eva, was hast du gedacht, als man dir einen Dokumentarfilm vorgeschlagen hat?

Pia und Giorgia wollten mich interviewen und ich habe gesagt: „Warum nicht.“ Ich dachte, es sollte um Sexarbeit gehen. Ich kannte keine anderen italienischen Sexarbeiter*innen, und es interessierte mich, mit den beiden darüber zu sprechen. Wir haben uns mehrere Male zu Interviews getroffen und nach und nach ist die Idee einer Doku entstanden, ich steckte also schon mittendrin.

Warum Searching Eva

Giorgia, was bedeutet „Searching Eva“?

Damit sind wir gemeint, die nach ihr suchen. Und sie, die nach etwas sucht. Und ihre Follower, die Außenwelt, die versuchen, sie zu fassen zu bekommen, zu verstehen. Eine solche Suche kommt nie zum Ende. Beziehungsweise gibt es keine Antwort auf Fragen wie „Was ist Identität? Wo steckt die Identität? In welchem Teil von dir? In einem Teil, der dich mehr ausmacht als andere?“


Eva, wie bist du von einem abgelegenen Ort in Süditalien (so deine Worte) nach Berlin gekommen?

Ich wollte nicht an einen bestimmten Ort, sondern einfach weg, ich war mir sicher, dass ich von Berlin weiterziehen würde, weil ich verschiedene Orte sehen wollte. In Berlin bin ich der Arbeit wegen geblieben. Hier ist es einfacher, weil die Sexarbeit legalisiert ist und ich inzwischen einen festen Kundenstamm habe.


Giorgia, der Film wirkt wie ein Geflecht aus Szenen und Evas Gedanken, ohne klassische Dramaturgie.

Evas Geschichte eine dramatische Form zu geben, wäre eine Interpretation unsererseits gewesen. Wir machen kein Ereignis aus Evas Leben, keine bestimmte psychische Verfassung künstlich zum Höhepunkt. Wenn es einen Höhepunkt gibt, dann liegt das am Betrachter. Evas Geschichte ist nur ein Mittel, um ein bestimmtes Lebensgefühl einzufangen.

Die Reglementierung des weiblichen Körpers ignorieren

Eva, der Film verleiht deinem Körper eine fast ätherische Zartheit. Was bedeutet es für dich, dich vor einer Kamera zu zeigen (und damit einem potenziellen Betrachter)?
Indem ich mich vor meiner Kamera zeige, habe ich mich mit den Jahren akzeptiert, mich verglichen. Aber das ist kein Vergleich, der Neid weckt, eher einer, der meinen Körper zu etwas Normalem macht, für mich selbst, die als female assigned at birth-Person mit vielen Regeln zu tun hat, vielen Urteilen. Man bekommt ja ein ganzes Set an Regeln mit, wenn man in einem weiblichen Körper aufwächst, nicht wahr? Und man kann entscheiden, ob man dem folgt oder eben nicht. Aber jede dieser Entscheidungen hat Konsequenzen, die man nicht ignorieren kann.
Searching Eva Searching Eva – Filmszene | Foto (Zuschnitt): © Jamis Mazuch Giorgia, im Film kommen Sex- und Drogenszenen vor. Ist diese Freiheit der Darstellung von der Berliner Szene beeinflusst, in der ihr lebt? Fühlt ihr euch in Berlin freier beim Erzählen?

Wer in Deutschland arbeitet, kann sich nur schwer vorstellen, wie dramatisch die Situation in Italien für Frauen ist, die etwas tun oder etwas sagen wollen, das Männern normalerweise problemlos sagen können. Dass wir dort leben, hat sicher einen Einfluss auf das, was wir sagen, und darauf, wie wir es sagen.

Arbeit und Freiheit

Eva, was heißt es, Sexarbeiterin in Berlin zu sein? Und wie hilft dir diese Arbeit bei deiner Freiheitssuche?

Ich wollte mit der Sexarbeit keine anderen Ziele verfolgen, kein Statement setzen. Ich wollte möglichst viel Geld verdienen, in möglichst kurzer Zeit. Diese Arbeit erschien mir als akzeptabler Kompromiss. Aber es fällt mir schwer, Arbeit und Freiheit in einem Atemzug zu nennen.


Giorgia, wo habt ihr gedreht?

In Berlin, Paris, Athen, Mexico City, Acapulco. In Baronissi (Salerno) und in Forlì.


Eva, was willst du machen, wenn du groß bist?

Wenn ich groß bin, will ich überhaupt nichts machen.

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