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Duvarlar-Mauern-Walls
Mehr als eine Mauer

Vlnr: Pietro Cingolani (Leiter des Festivals Crocevie di sguardi), Can Candan, Gul Ince Beqo (Dolmetscherin), Murat Cinar (Journalist)
Vlnr: Pietro Cingolani (Leiter des Festivals Crocevie di sguardi), Can Candan, Gul Ince Beqo (Dolmetscherin), Murat Cinar (Journalist) | © Goethe-Institut Italien | Foto: Marco Farano

„Duvarlar–Mauern–Walls“, ein Film des Regisseurs und Universitätsmitarbeiters Can Candan, wurde 1990 in Berlin gedreht. Am 13. November fand die Voraufführung im Cecchi Point in Turin statt, im Rahmen des 15. „Crocevia degli Sguardi“-Filmfestivals.

Von Murat Cinar

Duvarlar–Mauern–Walls betrachtet die Folgen, die der Fall der Berliner Mauer für den Alltag der Migranten aus der Türkei hatte. „In den 90er-Jahren lebte ich in den USA, wo man so gut wie nichts von der deutschen Wiedervereinigung wusste, geschweige denn von der Bedeutung, die dieses geschichtliche Ereignis für das Leben der Migranten in der Stadt hatte. Also habe ich meine Kamera genommen und beschlossen, meine Neugier zu befriedigen. Außerdem hatte meine Migrationserfahrung auch meine eigene Zugehörigkeit mit Fragezeichen versehen, was jeder Migrant kennt“, so Can Candan zu seiner Motivation, den Dokumentarfilm zu drehen.

Als der Regisseur 1990 nach Berlin reiste, lebten dort etwa 140.000 Menschen mit türkischen Wurzeln: Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche, Akademiker, Studenten, Gewerkschaftler, Straßenkehrer, Händler, Politiker, die vor Kurzem oder bereits vor langer Zeit in die Stadt gekommen waren und verschiedenen Glaubensrichtungen und Ethnien angehörten.

Die Mauern fallen, die Diskriminierung wächst

Zu Beginn liest man in einem Zitat den Ausdruck „to be rooted“, „verwurzelt sein“. Candans Interviewpartner zweifeln an ihrer Verwurzelung und stellen ihr vergangenes oder zukünftiges Leben in Berlin infrage. Für zusätzliche Verwirrung sorgt, dass in der Zeit des Mauerfalls zwei zweitere entscheidende Elemente auftauchen und anwachsen: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Can Candan Can Candan | © Christian Bergmann Im Film erfährt man, dass deutsche Firmen nach dem Mauerfall lieber Ostdeutsche oder Arbeiter aus den Ländern des ehemaligen Warschauer Pakts einstellten. Die Migranten fühlten sich daher von den Wiedervereinigungsfeierlichkeiten ausgeschlossen. Die Interviewpartner berichten über Fälle von rassistischer Gewalt, die sowohl von Ostdeutschen als auch von Westdeutschen ausging, an Schulen, in den Stadtvierteln, in der U-Bahn, in Geschäften.

Ein Europa der Grenzen, Mauern und Festungen

„Europa wird eins“, steht an einer Stelle des Films auf einem großen Plakat. Drei offenkundig „weiße“ Menschen grüßen uns lächelnd aus dem fernen 1991 und fordern uns dazu auf, über das heutige Europa nachzudenken. „Ich weiß, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können, aber möglicherweise hat Europa in der Vergangenheit ein paar Fehler gemacht. Heute spricht man darüber, ob die deutsche Wiedervereinigung anders hätte verlaufen können. Für viele Menschen steht sie zur Diskussion. Meiner Ansicht nach gilt das genauso für die Aufnahme der neuen EU-Mitglieder in den letzten 30 Jahren“: So lauten einige der Reflexionen Can Candans bezüglich der Frage, ob sich die hier lebenden Migranten einen anderen Verlauf der europäischen Geschichte gewünscht hätten.

Dominoeffekt

Die Postproduktion von Duvarlar–Mauern–Walls dauerte 10 Jahre. Dennoch ist der Film weiterhin aktuell, da sein außergewöhnlicher Inhalt die Zuschauer mit einer Reihe von zeitlos gültigen Fragen konfrontiert. Tatsächlich kann man auf der offiziellen Website dieser wertvollen Doku sehen, dass sie über all die Jahre recht regelmäßig vorgeführt wurde.

Duvarlar–Mauern–Walls hilft uns dabei, die Fehler und Schwierigkeiten der Vergangenheit zu erkennen und so unsere Gegenwart zu verstehen, mit dem Ziel, eine bessere Zukunft für alle zu schaffen.

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