Italo-Berliner heute Ein Berlin-Abend in Rom

Berliner Abend in Rom – Goethe-Institut Rom, 9. November 2016
Berliner Abend in Rom – Goethe-Institut Rom, 9. November 2016 | © Goethe-Institut Rom

Warum entscheiden sich so viele Italiener für den Traum „Berlin“? Warum zieht die Bundeshauptstadt so viele junge Italiener an? Im Laufe eines gemeinsamen Abends haben wir am 9. November, 27 Jahre nach dem Mauerfall, versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden und zu verstehen, wie sich die Stadt seit 1989 auch für die Italiener verändert hat.

Gäste des Abends waren Andrea D’Addio, Chefredakteur des Berlino Magazine und Autor der Online-Reportage Italo-Berliner heute auf der Internetseite des Goethe-Instituts Italien, die Journalistin Stefania Cuccato von der Agentur Askanews und Anja Mikulla, die Verantwortliche für Italien von visitBerlin, dem offiziellen Berliner Tourismusportal. Das Webdossier über junge Italo-Berliner, das vor zwei Jahren initiiert wurde, geht mit dieser Veranstaltung in den Neustart. In den kommenden Wochen werden darauf neue Artikel und Reportagen hauptsächlich zu drei Themen veröffentlicht: neue italienische Restaurants in Berlin; Italiener, die in Berlin für die italienische Gemeinschaft arbeiten und junge italienische Familien in Berlin.

Warum Berlin?

Die Journalistin Stefania Cuccato interviewte den Kollegen Andrea D'Addio (geb. ’82), der 2009 nach Berlin gezogen ist. „Ich war bereits in Rom als Journalist tätig. Aber ich habe mich für Berlin entschlossen, die Stadt in der europäische und weltweite Trends entstehen, um mehr Möglichkeiten zu haben, mich beruflich zu verwirklichen. Ich schrieb für italienische Zeitschriften und dann habe ich angefangen, Nachrichten über einen Blog zu verbreiten, Berlino Cacio e Pepe. Ich war in diesem Bereich der erste Italiener, deshalb sind wir innerhalb kurzer Zeit zur Anlaufstelle für Italo-Berliner geworden, so dass wir vor zwei Jahren den Namen geändert haben. Jetzt heißen wir Berlino Magazine“. Für D'Addio „gehst Du nach Berlin und stellst du dich damit infrage.“ Damit komme die Lust auf Experimente. „Hier gibt es nicht die Frustration, die ich unter den jungen Italienern sehe.“
Berliner Abend in Rom – Goethe-Institut Rom, 9. November 2016 © Goethe-Institut Rom Der Journalist arbeitet an einer Reportage über junge italienische Restaurantbesitzer in der Stadt, über die Selbständigen, die für die italienische Gemeinschaft arbeiten und über junge Italiener, die in Berlin eine Familie gegründet haben. „Jetzt gibt es eine zweite Generation Italiener, die Kitas und zweisprachige Schulen eröffnet, und auch eine Klasse von Politikern, die bald im Parlament vertreten sein werden.“ Für die Restaurant-Sparte hat er über Jamme Ja berichtet, ein Lokal von zwei Biologen, die neapolitanischen Street Food anbieten. Cuore di vetro ist dagegen ein Eiscafé zweier Musiker. Letztes Jahr haben sie den Preis für das beste Pistazieneis gewonnen, dieses Jahr für ihr Schokoladeneis. Dann ist da noch Bosco, experimentelle italienische Küche. Das wichtige an diesen Lokalen ist, dass sie über das Essen Kultur machen. Das sind die bislang auf der Internetseite des Goethe-Instituts verfügbaren Geschichten, aber jeden Mittwoch wird eine neue hinzukommen, die die Eigenheiten des italienischen Lebens in Berlin erzählt.
 
Andrea D’Addio zufolge gehört zu einem Wochenenden in der Stadt auf jeden Fall eine Tour zum Tempelhofer Feld und ein Spaziergang im Zentrum der politischen Macht, bei dem man gratis den Reichstag besichtigen kann, denn „nach dem Ende der DDR wurden alle Behörden für Besucher geöffnet“. Und noch ein absolutes Must, ein Ausflug nach Kreuzberg, wo besonders ein Besuch auf dem türkischen Markt lohnt.

Berlin: Eine gastronomische Überraschung

Im zweiten Teil des Gesprächs hat Stefania Cucccato Anja Mikulla, die Verantwortliche von visitBerlin für Italien, interviewt. Den von Mikulla zitierten Daten zufolge hat im letzten Jahr „eine Million Italiener mindestens eine Nacht in Berlin verbracht“. Die Verantwortliche von visitBerlin berichtet von einer Stadt, die an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr aktiv ist.
Berliner Abend in Rom – Goethe-Institut Rom, 9. November 2016 © Goethe-Institut Rom Von einer Stadt, die nie schläft und wo man jederzeit zu angemessenen Preisen sehr gut essen kann. „In Berlin ist Essen in. Für ein Essen um neun Uhr empfehle ich Data Kitchen, ein Restaurant, das bald eröffnet wird. Es ist ein Slow-Food-Schnellrestaurant, das Essen reserviert man über eine App. Um elf Uhr empfehle ich Lucky Leek mit veganem Essen. Berlin ist die europäische Stadt mit den meisten Restaurants, die vegane Küche anbieten. Um 13:00 Uhr kann man bei Einsunternull essen gehen, wo es regionale deutsche Küche gibt. Um 14:00 Uhr kann man einen Abstecher in die Knalle Popkornditorei machen, um Popcorn in allen Spielarten zu probieren. Um 15:00 Uhr kann man bei Ora in Kreuzberg Kaffee trinken. Nach so viel Essen kann man um 17:00 Uhr eine Fahrradtour mit Bike and bite machen und um 20:00 Uhr kann man im Tulus Lotreck zu Abend essen, ein Restaurant für moderne französische Küche. Um 22:00 Uhr lohnt es sich, bei Clärchens Ballhaus vorbeizuschauen, wo es neben einem Ballsaal auch gute traditionelle deutsche Küche und italienische Pizza gibt. Um ein Uhr kann man den Tag mit einem Bier im Brlo Brwhouse beschließen, ein Lokal mit eigener Brauerei.“ An diesem Abend haben wir sowohl das Popcorn als auch das Bier probieren können. Beide haben uns noch mehr Lust auf Berlin gemacht!