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Schaufenster Berlin
Berlin-Tipps für Hund und Mensch

Berlin
Berlin | © Goethe-Institut Italien / Lucia Pappalardo

Metallo hat gelernt, dass in Berlin unter jeder Bank ein Stückchen Kebab, Pizza oder Currywurst liegt, wobei die Currywurst das Nationalgericht der Deutschen und damit der deutschen Hunde ist. In Rom findet sich unter den Bänken allerhand Mist, aber nicht so viel zu essen. Oft finden sich nicht einmal Bänke.

Von Lucia Pappalardo

Ich habe gelernt, dass es in Berlin zahlreiche ausländische Restaurants gibt und die Deutschen die nationale Küche nicht unbedingt lieben. So besteht etwa das typische Berliner Gericht – die Currywurst – aus einer Wurst (die an ein amerikanisches Hotdog-Würstchen erinnert) und Curry (das an die indische Küche erinnert). Diese Tatsache hilft mir, mich an diesem fremden Ort weniger fremd zu fühlen.
 
Helles Bier in Berlin Helles Bier in Berlin | © Goethe-Institut Italien / Lucia Pappalardo Metallo hat gelernt, dass in Berlin Bier weniger kostet als Wasser und er ist davon überzeugt, dass die Menge an Essen auf der Straße in einem indirekt proportionalen Verhältnis zum Preis des deutschen Nationalgetränks steht. Die Menschen in Berlin trinken so viel davon, dass ihnen letztlich die Currywurst aus der Hand fällt. Sie sehen sie liegen und beschließen, sich noch ein Bier zu kaufen.
 
Ich habe gelernt, dass man, wenn man ein „helles“ Bier möchte, ein Pils bestellen muss. Und im Supermarkt muss man aufpassen, weil auch sehr viele aromatisierte Varianten verkauft werden.
 
Metallo hat gelernt, dass in Berlin ein komplexes Zusammenspiel von Freiheiten und Regeln existiert. Hunde sind hier gern gesellig und laufen auf der Straße ohne Leine herum. In der U-Bahn hingegen haben die Schäferhunde das Sagen und wenn dein Mensch keine Fahrkarte kauft oder auf einer Bank schläft, beginnen sie zu knurren. Ein Glück, dass sie an der Leine sind.
 
Ich habe gelernt, dass in Berlin die öffentlichen Verkehrsmittel zwar teuer sind, aber dafür auch funktionieren. Die Legende besagt, dass man nach zweimaligem Erwischtwerden ohne Fahrschein vor Gericht landet.
 
Metallo hat gelernt, dass die Berliner Mauer an einigen Stellen noch steht und dass die Versuchung, sie zu markieren, einfach immer groß ist. Errichtet wurde sie von der Regierung Ostdeutschlands, um den freien Verkehr zwischen Ost- und Westberlin zu unterbinden. Sie erstreckte sich, in unterschiedlicher Form, über 155 km und war bis zu 3,6 m hoch. 28 Jahre lang teilte sie die Stadt, von August 1961 bis zum 9. November 1989.
 
Ich habe gelernt, dass es Orte in dieser Stadt gibt, an denen die Erinnerung an die Mauer mit besonderem Schmerz verbunden ist. Wie etwa an jener Stelle, wo die Zahl der Mauertoten dokumentiert ist – jener 138 Menschen, die es nicht über die Grenze geschafft haben. Die Freiluft-Gedenkstätte in der Bernauer Straße erstreckt sich über ein Stück des sogenannten „Todesstreifens“, der freien Fläche zwischen den zwei parallel laufenden Mauern, die man überqueren musste.
 
Metallo hat gelernt, dass es auch Orte gibt, wo man den Dämon des Schmerzes mit der Kraft der Fröhlichkeit ausgetrieben hat. Wie etwa im Mauerpark im Stadtteil Prenzlauer Berg, wo aus dem „Todesstreifen“ eine Grünanlage wurde. Hier befindet sich ein 30 m langer Mauerabschnitt, den man den Sprayern zur Verfügung gestellt hat, und sonntags finden ein Flohmarkt und eine Mega-Karaoke-Show statt. Aber ganz allgemein scheint hier viel spontan zu passieren. Wenn die Sonne scheint, legen sich die Berliner gerne mit nacktem Oberkörper auf die Wiese und drehen über ihre Lautsprecher die Musik auf.


Ich habe gelernt, dass Berlin der richtige Ort ist, um seine Kreativität auszuleben. Denn so streng sie auch wirken – wenn man den Berlinern einen neuen Blickwinkel präsentiert, dann hören sie auch zu. In den Straßen der Stadt, die noch heute von den Spuren der Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs gezeichnet sind, atmet man zugleich ein Gefühl der Schuld und der Freiheit. Eine berauschende Mischung für alle Italiener, die im konformistischen und Vatikan-treuen Italien aufgewachsen sind.
 
Metallo hat gelernt, dass unter den Menschen in Berlin viele Italiener sind und dass der Großteil von ihnen Musik liebt. Letzten Sommer ist er ein paar von ihnen begegnet, als er mit mir die Stadt erkundet hat.
 
Dem düsteren und unsteten Ed Rodion zum Beispiel, der in der klassischen wie in der elektronischen Musik zu Hause ist. Er stand gerade kurz vor seiner Abreise zu einem DJ-Gig nach Mexiko-Stadt. Wir haben ihn im Urban Spree getroffen –einer großen Mehrzweckanlage in Friedrichshain, einer Art Mischung aus Autonomem Zentrum und Design-Galerie – wo er Musik für eine Veranstaltung der „fahrenden“ Radiostation Automat Radio auflegte.
 
In einem ganz anderen Teil der Stadt, in Neukölln, haben wir außerdem einen ganzen Abend mit Silvio Talamo verbracht, einem lebensfrohen Künstler, der mit elektronischer Musik experimentiert.
 
Alles, was Metallo über elektronische Musik gelernt hat, findet ihr in seinem Video Ein Dackel in Berlin – Tierisch gute Musik.

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