Schaufenster Berlin Inklusion durch Tanz

Lia
Lia | © Goethe-Institut Italien / Lucia Pappalardo

Es gibt nichts, was dich wirklich glücklich macht. Dieser Gedanke geht dir manchmal durch den Kopf. Du denkst, dass das Universum etwas zu Abstraktes ist, um gütig und wohlwollend zu sein. Du hast das Gefühl, zu wenig zu wissen, um wirklich zu verstehen. Und das Prinzip Glaube kapierst du nicht. Du verlierst dich in der Frage, ob die Augen oder das Lächeln der Spiegel der Seele sind. In den Augen der anderen spiegelst du dich auch selbst. Aber in einem Lächeln, einem ehrlichen Lächeln, findest du freundliche Offenheit.

Metallo und ich haben uns vergangenen Sommer in das Lächeln von Lia Massetti verliebt, einer 28-jährigen Tänzerin mit Down-Syndrom. Dabei lacht Lia auch mit ihren mandelförmigen Augen, die ihr Markenzeichen sind. Lia ist die Tochter von Amelia Massetti, einer Italienerin, die aus Liebe zu einem deutschen Mann von Rom nach Berlin gezogen ist. Ein Jahr später kam Lia zur Welt, im Juni 1989, fünf Monate vor dem Fall der Mauer. Und weil das Universum eben etwas zu Abstraktes ist, um gerecht zu sein, zog Amelia ihre Tochter mit Down-Syndrom alleine groß. Ohne die menschliche oder auch finanzielle Unterstützung des Vaters.


Aber Amelia, die als Punkerin im Herzen nach Berlin gekommen ist, hat nie aufgegeben. Sie hat Lia geholfen, ihr Talent als Tänzerin voll auszuleben. Und sie hat verstanden, dass sich auch viele andere emigrierte Eltern mit ähnlichen Problemen einsam fühlen können. Also gründete sie den Verein Artemisia zur Förderung der Inklusion in Deutschland.
 
Warum der Kampf für Inklusion, was bedeutet das? Das bedeutet, dass Amelia ihre Tochter Lia beispielsweise nicht in eine Schule für „normale“ Kinder einschreiben konnte. Für Lia und alle anderen Kinder mit irgendeiner Form von Behinderung gibt es eigene Orte. Anders zu sein bedeutet also auch, vom Leben der sogenannten „Normalen“ ausgeschlossen zu sein.
 
  • Lia © Goethe-Institut Italien / Lucia Pappalardo
    Lia
  • Lia und Amelia mit Metallo © Goethe-Institut Italien / Lucia Pappalardo
    Lia und Amelia mit Metallo

Inzwischen hat Lia die Schule abgeschlossen und der Staat sieht vor, dass sie nun eine Werkstätte für behinderte Menschen besucht. Dafür erhält sie, ähnlich wie in einem regulären Job, ein Entgelt. Lia hat Glück gehabt und wurde in eine Theater-Werkstätte, das Theater Thikwa, aufgenommen. Dort kann sie das tun, was sie am meisten liebt: Tanzen. Und zwar zusammen mit anderen Tänzern und Tänzerinnen mit Behinderungen.
 
Die Situation ist also sehr komplex. Denn einerseits bist du in Deutschland finanziell abgesichert, andererseits scheint man dich in sicheren, aber abgeschiedenen Einrichtungen verstecken zu wollen.
 
Metallo hat sich von Lia und Amelia Massetti ihre persönliche Geschichte erzählen lassen. Hier ist sein neues Video dazu: Ein Dackel in Berlin – Inklusion aus Dackelperspektive.