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Rom – Berlin
Die Nacht der Villa Massimo im Gropius-Bau Berlin

Bettina Allamoda – Cleopatra/Extended 2
Cleopatra/Extended 2 | Bettina Allamoda © VG Bildkunst Bonn, 2019 | Foto (Zuschnitt): Sebastian Bolesch

Neun deutsche Künstler und Künstlerinnen, eine Villa mitten im Herzen Roms und ein Jahr Zeit, um in den hier untergebrachten Wohn-Ateliers zu leben und zu arbeiten. Seit ungefähr hundert Jahren ermöglicht die Accademia Tedesca, die deutsche Kunstakademie in der Villa Massimo, auf diesem Weg eine offene Begegnung zwischen Deutschland und Italien – zwei Ländern, deren intellektuelle Seelenverwandtschaft nur allzu oft übersehen wird.

Von Andrea D’Addio

Austausch und gegenseitige Inspiration standen so auch im Mittelpunkt der außergewöhnlichen eintägigen Ausstellung am 21. Februar im Martin-Gropius-Bau in Berlin, bei der die Stipendiaten des Jahres 2017/2018 – Bettina Allamoda, Thomas Baldischwyler, Jörg Herold und Christoph Keller (Bildende Kunst), Gordon Kampe und Jay Schwartz (Musik), Iris Hanika und Uljana Wolf (Literatur) sowie Benedict Esche (Architektur) – die Ergebnisse ihrer Arbeit in der Villa präsentierten.

Rom inspiriert

„Ich war von September 2017 bis Juli 2018 in der Villa Massimo. Diese Monate werde ich nie vergessen: die Werte, die ich mitgenommen habe, die Erfahrungen, die Gespräche, den Wein, den Mozzarella aus Kampanien, das Brot, das wir in dieses herrliche Olivenöl getunkt haben und die langen Spaziergänge. Wer hätte je gedacht, dass Essen und Lebensart so eng miteinander verknüpft sind?“, erzählt Benedict Esche, Jahrgang 1988 und jüngster Stipendiat. Aber auch Corviale, ein problematischer Randbezirk Roms hat Esches Herz erobert. Berühmt ist dieser insbesondere für den in den 70er Jahren dort errichteten sehr umstrittenen Wohnkomplex, der auch il Serpentone (die große Schlange) genannt wird und als längstes Hochhaus der Welt gilt. Mit Unterstützung des Fotografen Diego Rotella untersuchte Esche hier, wie Architektur das Leben der Menschen beeinflusst, die diese bewohnen, und erarbeitete ein entsprechendes Modell. „Die Gastfreundschaft, die ich in Corviale erfahren habe, war unglaublich. Wenn ich kurz innehalte, spüre ich noch das Gefühl, das du nach einem Teller dieser unendlich leckeren hausgemachten Lasagne hast. Rom ist eine Stadt der Gegensätze. Auf der einen Seite sind da die Abgase, die engen Straßen, die nassen Hänge, der Rauch, die Leuchtschilder, das Brummen der Motorroller, das Hupen der Autos, die Männlichkeit und die Eitelkeit. Auf der anderen Seite hast du das Vogelgezwitscher im Park, das warme Licht der Cafés, die Momente der Stille, die Herzlichkeit der Menschen und Gebäude wie das Pantheon! Auf den ersten Blick wirkt es so einfach und doch hat mich kaum jemals ein Bauwerk so tief berührt.“

Wir brauchen die Kunst

Die lächelnden Gesichter seiner Kollegen auf den Fotos am Ende des Abends zeugen davon, wie gut sich die Stipendiaten in Rom eingelebt haben. Komponist Gordon Kampe hatte auch seine Frau und seine Kinder in die Villa Massimo mitgebracht: „Eine unvergessliche Erfahrung.“ Denselben Gedanken bringt auch Joachim Blüher zum Ausdruck, wenn auch in etwas anderem Zusammenhang. Er verlässt die Akademie nach 17 Jahren als deren Direktor und ergänzt: „Ich habe versucht, in der Villa Massimo im Sinne ihres Gründers Eduard Arnhold zu handeln. Er hatte sich das Ziel gesetzt, dass der Künstler hier bekommen soll, was er verdient, was die Gesellschaft ihm meistens aber vorenthält.“ Eine Absicht, die sich auch in der institutionellen Unterstützung der Initiative widerzuspiegeln scheint und die der Präsident des Deutschen Bundestags und Ehrengast des Abends Wolfgang Schäuble in wenigen Worten perfekt zusammenfasst: „Wir brauchen die Kunst. Ohne sie werden wir irre.“
  • Joachim Blüher, Gropius-Bau 2019 © Villa Massimo | Foto: Sebastian Bolesch
    Joachim Blüher, Gropius-Bau 2019
  • Christoph Keller © Villa Massimo | Foto: Sebastian Bolesch
    Christoph Keller
  • Werner Aisslinger © Villa Massimo | Foto: Sebastian Bolesch
    Werner Aisslinger
  • Bettina Allamoda Bettina Allamoda © VG Bildkunst Bonn, 2019 | Foto (Zuschnitt): Sebastian Bolesch
    Bettina Allamoda: Cleopatra/Extended 2

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