Berlinale 2020
The Assistant: Diskriminierung ist nach wie vor ein Problem

The Assistant von Kitty Green
The Assistant von Kitty Green | © Forensic Film

Auf Du und Du mit Kitty Green, Regisseurin des Films „The Assistant“, der auf der Berlinale in der Sektion Panorama läuft.

Von Andrea D’Addio

„Vor einigen Wochen war ich zu Gast auf einem anderen Festival, dem Sundance, um dort The Assistant zu präsentieren. Wie immer habe ich in den Tagen vor der Premiere per Mail diverse Interviewanfragen erhalten. Ein Ja als Antwort genügte und schon schlugen mir einige der Journalisten, die mich angeschrieben hatten, ein Treffen zu einem gemeinsamen Drink vor oder begannen mit mir zu flirten. Auch wenn ich sie noch nie zuvor getroffen hatte und es keinen Grund gab, von der professionellen auf eine freundschaftliche Ebene zu wechseln. Das ist eine Kleinigkeit, aber sie zeigt, dass dich einige Männer auch im beruflichen Kontext in erster Linie als eine Frau sehen, die man eben anbaggert. Erst in einem zweiten Moment nehmen sie dich eventuell auch als eine Person wahr, die Aufmerksamkeit verdient wegen der Dinge, die sie macht.“ So Kitty Green, Regisseurin von The Assistant. Der Film zeigt den typischen Tag einer Assistentin eines mysteriösen Filmproduzenten, der Assoziationen zu Harvey Weinstein wachruft. Der Mitgründer von Miramax wurde erst vor kurzem für Sexualstraftaten ersten Grades und Vergewaltigung dritten Grades verurteilt.

Unbehagen in Bezug auf Kleinigkeiten

In einer geradezu sinnbildhaften Szene des Films wendet sich die Protagonistin (hervorragend gespielt von Julia Garner) an den Personalleiter, um ihre Besorgnis auszudrücken. Gerade hatte sie eine sehr junge Assistenzanwärterin in das Hotelzimmer ihres Chefs begleiten müssen. Der Personalleiter fertigt sie mit wenigen Worten ab: „Das Mädchen ist volljährig, richtig? Und wie auch immer, wir erhalten jeden Tag Dutzende Bewerbungen für deine Stelle. Ruinier dir nicht das Leben. Außerdem brauchst du dir keine Sorgen zu machen, du bist nicht sein Typ.“ Während des gesamten Films bleibt der Filmproduzent, das sexuelle Raubtier, im Hintergrund, ist auf bedrückende Weise präsent, aber nie zu sehen. Kitty Green erläutert: „Mein Ziel war es, sein Arbeitsumfeld zu zeigen. Zu veranschaulichen, wie die Kultur des Schweigens funktioniert und wie sie die Arbeitsumgebung vergiftet. Um mich zu informieren, habe ich Dutzende Interviews mit Assistentinnen und ehemaligen Assistentinnen im Showgeschäft und in anderen Bereichen gesprochen. Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts passieren regelmäßig und auf allen Ebenen. Ein Hashtag wie #metoo ist da leider nicht genug.“

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