Ausgesprochen...bildlich
Wie geht es Dir?

Illustriert: Links eine im Dunkeln sitzende Figur, Bomben in der Luft; rechts eine Person im Badezimmer beim Zähneputzen
Wie fühlt es sich an, sicher zu sein, wenn man weiß, dass andere es nicht sind? | Illustration: © Anna Sarvira

In dieser Kolumne berichtet die ukrainische Illustratorin Anna Sarvira von ihren Erfahrungen. Wie fühlt es sich an, in Sicherheit zu sein in dem Wissen, dass die Heimat gerade zerstört wird? Sie beschreibt, wie schwer es für sie ist, die schrecklichen Nachrichten zu verarbeiten und sich gleichzeitig schuldig zu fühlen, weil sie in einem bequemen Bett schlafen und die Schönheit des herannahenden Frühlings erleben kann.

Von Anna Sarvira

Diese Kolumne übernimmt Anna Sarvira für mich. Das freut mich sehr.

Sie ist Illustratorin und Mitbegründerin des Pictoric Illustrators Club. Vor Ausbruch des Angriffskrieges kuratierte und organisierte sie gemeinsam mit zwei Freund*innen nationale und internationale Ausstellungen.

Jetzt schreibt und zeichnet sie über die bedrückende Gleichzeitigkeit des kommenden Frühlings und gewaltsamen Todes. Übers Einschlafen, Aufwachen und sich Schuldigfühlen.

- Susi Bumms
Wie geht es Dir? Diese Frage höre ich gerade oft.

Und ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Ja, ich bin in Sicherheit. Ja, meine Familie und meine Freund*innen sind am Leben.
Doch Tag für Tag werden Menschen in meinem Land getötet. Städte und Dörfer in meiner Heimat werden zerstört. Und ich kann an nichts anderes denken.
Illustriert: Links eine im Dunkeln sitzende Figur, Bomben in der Luft; rechts eine Person im Badezimmer beim Zähneputzen
Wie fühlt es sich an, sicher zu sein, wenn man weiß, dass andere es nicht sind? | Illustration: © Anna Sarvira
Immer wenn ich ins Bett gehe, habe ich Angst vor dem Aufwachen. Denn ich weiß, dass der nächste Tag wieder neue Schreckensnachrichten bringen wird. Jeden Abend vor dem Einschlafen plagen mich Schuldgefühle. Denn Tausende von Menschen in der Ukraine müssen in Kellern schlafen, ohne Lebensmittel oder Wasser oder medizinische Versorgung. Einige von ihnen werden die Nacht nicht überleben – dieselbe Nacht, die ich in meinem bequemen Bett verbringe.
Illustriert: Eine Figur, die im Bett liegt und an zerstörte Häuser denken muss
Jedes Mal, wenn ich ins Bett gehe, habe ich Angst. | Illustration: © Anna Sarvira
Die ganze Schönheit der Natur jetzt im Frühling fühlt sich falsch an. Wie kann es überhaupt etwas Schönes geben in einer Welt, die es zulässt, dass Tausende von Menschen auf solch schreckliche Weise sterben?
Illustriert: Eine Person beim Lebensmitteleinkauf, die Sonne scheint, in der linken Ecke sind schwarz-weiße Figuren vor einem grauen Hintergrund zu sehen
Es fühlt sich falsch an, wie schön die Natur sein kann | Illustration: © Anna Sarvira

„AUSGESPROCHEN …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben und malen im wöchentlichen Wechsel Susi Bumms, Maximilian Buddenbohm, Sineb el Masrar und Marie Leão
Susi Bumms beobachtet in "Ausgesprochen...bildlich" Popkultur und Politik und kommentiert diese in Bildern.

Top